Heilbronner Polizistin "Susann" könnte den Polizistenmord aufklären

Von Frank Krause 

Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger geht davon aus, dass die beiden tot aufgefundenen mutmaßlichen Bankräuber sowie die verhaftete 36-Jährige zur Tätergruppe gehören. Foto: dpa
Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger geht davon aus, dass die beiden tot aufgefundenen mutmaßlichen Bankräuber sowie die verhaftete 36-Jährige zur Tätergruppe gehören. Foto: dpa

Ermittler hoffen auf eine Lösung im Fall des mysteriösen Heilbronner Polizistenmords.

Heilbronn/Zwickau - So schnell kann es gehen. Noch am Dienstagmorgen verbreiteten die Polizeidirektion Südwestsachsen und die Staatsanwaltschaft Zwickau eine gemeinsame Pressemitteilung. Man suche eine 36-jährige Frau, die in dringendem Verdacht stehe, am vergangenen Freitag in Zwickau eine Hausexplosion verursacht zu haben.

Keine sechs Stunden später war die Suche mit internationalem Haftbefehl beendet: Die Frau stellte sich in Begleitung eines Anwalts in Jena den Behörden. Was auf den ersten Blick wenig mit Baden-Württemberg zu tun hat, könnte womöglich der Schlüssel sein, um den mysteriösen Polizistenmord von Heilbronn im April 2007 aufzuklären.

Zur Erinnerung: Damals wurde in Heilbronn die 22-jährige Böblinger Bereitschaftspolizistin Michele Kiesewetter mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet, ihr Kollege überlebte das Attentat schwer verletzt. Obwohl die Sonderkommission "Parkplatz" sofort eingesetzt worden war, war der Polizistenmord von Heilbronn nie aufgeklärt worden.

Trio soll unauffällig gewesen sein

Nun scheint der Durchbruch greifbar nahe. Denn die am Dienstag festgenommene Frau lebte seit Jahren mit zwei Männern in einem Doppelhaus in Zwickau - und das unter wechselnden Namen: mal als "Susann", mal als "Mandy Struck". In Wahrheit heißt sie aber Beate Z.. Dennoch: Anwohner berichteten am Dienstag, das Trio sei unauffällig gewesen, habe viel Sport getrieben und regelmäßig schwarze Kleidung getragen.

Doch der Schein der Normalität trügt. Am vergangenen Freitag überfielen die beiden Männer eine Sparkassenfiliale in Eisenach. Wenig später fand man ihre Leichen in einem ausgebrannten Wohnmobil. Offenbar hatten sich die Männer selbst erschossen. Die Gründe dafür sind noch völlig unklar.

Fakt ist, dass bei den Durchsuchungen des Wohnmobils die Pistolen und Handschellen der beiden Polizisten von Heilbronn gefunden wurden. Und Fakt ist auch, dass die Frau des Trios am Freitagnachmittag - fast zeitgleich zum Tod ihrer beiden Mitbewohner - das gemeinsame Haus in Zwickau fluchtartig verlassen hatte. Wenig später zerstörte eine Explosion das Haus. Seither war die Frau auf der Flucht.

Für mehrere Banküberfällle verantwortlich

Die Ermittler stehen nun vor einem Rätsel: Waren die zwei mittlerweile toten Bankräuber womöglich die Täter von Heilbronn oder mindestens Mitwisser? War die Frau die eigentliche Todesschützin von Heilbronn? Woher hatte das Verbrechertrio die Waffen der baden-württembergischen Polizisten: vom Attentat damals oder vom Schwarzmarkt? So viel jedenfalls steht fest: Das Trio wird inzwischen mit mehreren Banküberfällen in Verbindung gebracht.

Antje Dietsch, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Zwickau, bestritt am Dienstag gegenüber unserer Zeitung aber Vermutungen, die Täter könnten Verbindungen zur Neonazi-Szene gehabt haben. Genau das hatte zuvor Martina Renner, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Thüringer Landtag, behauptet. Demnach sei das Trio im Jahr 1998 untergetaucht, nachdem in Jena eine Bombenbastlerwerkstatt ausgehoben worden sei. Das Landeskriminalamt habe die Männer wochenlang observiert. Das Verfahren sei aber 2003 wegen Verjährung eingestellt worden.

"Wir sind sehr nahe dran"

In Bayern, wo Ende Oktober ebenfalls ein Polizist von unbekannten Tätern erschossen worden war, und in Baden-Württemberg wird die Entwicklung in Zwickau mit großem Interesse verfolgt. Das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart stockte am Dienstag die Sonderkommission "Parkplatz" von 15 auf 32 Experten wieder auf und entsandte Fachleute nach Thüringen und Sachsen, um bei den Ermittlungen zu helfen.

LKA-Chef Dieter Schneider bestätigte Fortschritte bei den Ermittlungen: "Wir sind sehr nahe dran." Einen dringenden Tatverdacht gegen die 36-jährige Frau gebe es bisher aber nicht. Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger ist dennoch überzeugt, dass die Bankräuber oder das Trio an der Tat von Heilbronn beteiligt waren und der Fall damit aufgeklärt ist. Doch Innenminister Reinhold Gall (SPD) warnte umgehend. Die Spur sei zwar "erfolgversprechend", aber noch gebe es keine endgültigen Beweise.

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