In Heilbronn hat sich in den vergangenen Jahren ein veritabler Campus entwickelt. Möglich machen diese vielfältige Hochschullandschaft Finanzspritzen von der Dieter Schwarz Stiftung.
Heilbronn - Vor wenigen Tagen fuhr Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach Heilbronn. Sein Ziel war der dortige Bildungscampus, der Grund die Einweihung des Bauabschnitts Nord. Diese Tour ist für Kretschmann fast schon Routine, denn seit Jahren gibt es auf dem Wirkungsfeld der Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz immer wieder etwas einzuweihen. Die Stiftung hat sich offenbar vorgenommen, das Bildungsangebot der Region Heilbronn mit neuen Hochschulen und Forschungseinrichtungen völlig umzugestalten.
Vor genau 20 Jahren begann ihr Engagement in Bildung. Die Abermillionen, die inzwischen dafür flossen, die Stiftung führt 70 Einrichtungen und Initiativen auf, sind kaum zu überblicken. Dazu gehören neben dem stetig wachsenden Bildungscampus das Wissens- und Erlebniscenter Experimenta und ein 30-Millionen-Euro-Engagement der Technischen Universität München. Wie viel Geld die Stiftung ausgibt, ist geheim, mutmaßlich ist die Summe schwindelerregend hoch, ein Ende der Investitionen nicht abzusehen. „Bildung fördern, Wissen teilen, Zukunft wagen“, hat sich die Stiftung als Aufgabe gestellt.
Spitzenforschung geholt
Mit der Unterstützung des Landes hat sich seither eine Hochschullandschaft gebildet, die in Ausmaß und Wirkung zunächst nicht absehbar gewesen war. Erhard Klotz, der frühere Rathauschef in Neckarsulm, dem Geschäftssitz der Schwarz-Unternehmen, der dann der erste Geschäftsführer der Stiftung seines Freundes Dieter Schwarz wurde, hatte früh erkannt, dass zu privaten Bildungseinrichtungen auch staatliche hinzukommen müssten. Mit der Ansiedlung der TU München auf dem Bildungscampus im vergangenen Jahr wurde dieses Ziel erreicht und Spitzenforschung nach Heilbronn geholt. Das Zauberwort der Zukunft heißt Life-Sciences.
Die Ausstattung des Bildungscampus als ein „akademisches Arkadien“ von heute ist kaum zu toppen. Im kommenden Jahr wird auch die spektakuläre Mensa fertig sein. Zwei Etagen tief unter der Erde angelegt, erhebt sie sich dann als grüner Hügel auf dem Campus. Wer dort studiert, wird rundum gefördert. Gerade ist die Hochschule Heilbronn (HHN) auf den Bildungscampus gezogen.
Schon knapp 10 000 Studenten
Sie ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Mit den Ingenieurwissenschaften bleibt sie auf dem angestammten Campus in Heilbronn-Sontheim, auf dem innerstädtischen Bildungscampus sind nur die Fakultät Wirtschaft und Verkehr sowie die Verwaltung angesiedelt. Insgesamt lernen inzwischen knapp 10 000 Studenten in den Einrichtungen auf dem Campus, und es werden immer mehr.
Als der Bildungscampus Nord eröffnet wurde, stand die neue Bibliothek im Zentrum. Sie ist offen für alle, also auch die Bevölkerung. In dem achtgeschossigen Glasbau, der weithin leuchtet, mit einer 24-Stunden-Ausleihe für alle Medien, mit Lernzonen und Arbeitsräumen, mit einer Medienwelt, mit Relaxzonen und einem Café gibt es auch noch 500 Regalmeter Bücher. Das Namenskürzel LIV der Bibliothek steht für Lernen-Informieren-Vernetzen. Sie wird von allen Institutionen auf dem Campus gemeinsam betrieben einschließlich der TU München und der Außenstelle der HHN. Sie sind alle verbunden über virtuelle und logistische Systeme und nennen sich ein „in dieser Form einzigartiges Modellprojekt von übergreifender Zusammenarbeit“.
Hochschulen sollen der Wirtschaft dienen
Es gehe bei all den Aktivitäten der Stiftung letztlich darum, die Region Heilbronn im Veränderungsprozess durch die Digitalisierung zu unterstützen, damit sie auch künftig zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen des Landes zählte, erklärt der Geschäftsführer der Stiftung, Reinhold Geilsdörfer. Heilbronn habe einen Nachholbedarf an Forschung, Veränderungsprozesse, auch im Handel und im Bereich Dienstleistung, werde man unterstützen, verspricht er.
Doch das ist eine Untertreibung. Die Stiftung will den Wandel in Heilbronn aktiv gestalten. „Die TU München hat uns internationale Sichtbarkeit gebracht“, sagt Geilsdörfer, jetzt sei man im Gespräch mit weiteren Partnern – offenbar die Universität Oxford und die Pariser École des Hautes Études Commerciales. Und es folgt schon der nächste Schritt. Noch bevor ein eigenes Domizil der Stiftung auf dem Bildungscampus im kommenden Jahr fertig ist, hat sie die sogenannten Campus Founders als Verbindung zwischen der Forschung und der Umsetzung der Ergebnisse etabliert. Die Founders sind eine „gemeinnützige Einrichtung zur Aus- und Fortbildung auf dem Gebiet des unternehmerischen Denkens und Handelns“ und sollen Start-ups in Heilbronn unterstützen. Auch jene, die im sogenannten Zukunftspark Wohlgelegen in der Nachbarschaft des Campus gemeinsam mit Forschungsinstituten für Zukunftstechnologien arbeiten.
Vorbild: das Silicon Valley
Der Hauptgeldgeber des Zukunftsparks ist Dieter Schwarz. Der Leiter der Campus Founders ist Oliver Hanisch, er bringt 14 Jahre Erfahrung aus Silicon Valley mit. Und er war fasziniert davon, mit welcher Geschwindigkeit in den USA Kapital investiert wurde. Doch das gilt inzwischen auch für Heilbronn. Der Oberbürgermeister Harry Mergel sagt es so: „Der Bildungscampus, das ist erst der Anfang!“