Autor Heiko Volz blättert im neuen Äffle&Pferdle-Bilderbuch. Klicken Sie sich durch einige Auszüge. Foto: Piechowski

Äffle und Pferdle sind dank des Texters Heiko Volz wieder quicklebendig: in einem Bilderbuch.

Stuttgart - Pferdle und Äffle sind unsterblich. Nach dem Tod ihres Erfinders Armin Lang 1996 erlebte das tierische Pärchen zwar einen Durchhänger. Aber inzwischen sind beide auch dank des Texters Heiko Volz wieder quicklebendig: in einem Bilderbuch und auf Facebook.

Herr Volz, Sie sind 1961 geboren und Schwabe, also mit Äffle und Pferdle aufgewachsen. Wem galt Ihre Sympathie?
Beiden. Neben Asterix, Lucky Luke, Micky Maus hatte ich schon als kleiner Junge Äffle und Pferdle als Gummifiguren. Sie waren für mich Helden wie Terence Hill und Bud Spencer. Nur auf Schwäbisch: der eine vorwitzig, der andere behäbig.

Die Hundedame Schlabbinchen hat Sie nie angemacht?
Nee. Meine Helden waren damals männlich. Die einzige Ausnahme war Lassie. Ich war auch nie ein Fan von Heidi oder Biene Maja.

Als Fan von Äffle und Pferdle haben Sie bestimmt einen Lieblingsspot.
Klar, den Klassiker. Das Äffle klopft an der Haustür. Das Pferdle schaut raus: 's Äffle isch heit net drhoim. Darauf das Äffle: Viiiielen Dank.

Jetzt pfeifen mir durch das schrille "viiielen Dank" die Ohren. Wie haben Sie die Äffle-Sprache gelernt?
Schon als Kind vor dem Fernseher. Ich habe mit meinen Figuren die Dialoge nachgespielt - und viele eigene selbst erfunden.

Wann haben Sie gemerkt, dass die beiden Figuren und Sie ernsthaft gemeinsame Sache machen müssen?
Zum Teil war es Zufall. 1980 hatte ich in der Berufsschule einen Klassenkameraden namens Armin Lang jr., den Sohn des Äffle-und-Pferdle-Erfinders Armin Lang. Ich war häufig bei den Langs auf dem Killesberg zu Besuch. Mit dem Senior habe ich oft rumgeflachst und gemerkt, dass wir beim Humor auf derselben Wellenlänge sind.

Wurden Sie so zum geborenen Nachfolger als Äffle-und-Pferdle-Texter?
So schnell ging das nicht. Mit dem Junior habe ich später Werbespots für den Comic-Verlag Ehapa produziert. Erst nach dem Tod seines Vaters hat es klick gemacht.

Armin Lang senior hinterließ fast 2000 Spots. Waren damit nicht alle Geschichten erzählt?
Nein. Äffle und Pferdle mussten weiterleben und sich weiterentwickeln.

Seit 1999 schreiben Sie neue Dialoge.
Inzwischen sind es über 500. Die meisten sind in Kalendern und im Internet veröffentlicht.

Beim damaligen Südwestrundfunk konnten Sie aber nicht landen. Der Sender stellte 2001 die Produktion neuer Spots ein.
Die Produktionskosten rechneten sich für den Sender nicht mehr. Der Grund war, dass durch die Zunahme der Satellitenschüsseln nicht mehr so viele Zuschauer das regionale Werbefernsehen empfangen konnten.

"Wir setzen noch mehr auf Wortwitz"

Hatte das auch Auswirkungen auf Äffle und Pferdle persönlich?
Natürlich. Ohne Fernsehen hatten wir kein bewegtes Bild und keinen Ton mehr. Dadurch verschob sich der Schwerpunkt stärker auf den Text.

Auch sonst änderte sich viel. Statt mit der Schwäb'schen Eisenbahn reisten die beiden plötzlich auch auf dem Segway oder surften vor dem Flachbildschirm.
Äffle und Pferdle waren schon vorher immer mit der Zeit gegangen. Neu ist, dass wir noch mehr auf den Wortwitz setzen.

Dennoch dominieren auf You Tube die alten Spots. Der Hafer- und Bananenblues wurde 1,5 Millionen Mal angeklickt. Können Sie Armin Lang nicht den Hafersack reichen?
Der Hafer- und Bananenblues ist nicht zu schlagen. Immerhin stand er 1976 sogar in den deutschen Charts.

Wie schaut Ihre Erfolgsbilanz aus?
Auf meiner Facebook-Fanseite (www.facebook.com/aeffleundpferdle), die es seit anderthalb Jahren gibt, sind 28000 Freunde registriert, mit stark steigender Tendenz. Für die gibt es jeden Tag einen neuen Dialog. Der wird bis zu 80.000-mal gelesen und bis zu 400-mal kommentiert.

Wer klickt da rein? Registrieren sich inzwischen auch ältere Pferdle- und Äffle-Fans?
Die Hälfte unserer Fans auf Facebook sind zwischen 18 und 44 Jahren. Aber ich bin sicher, dass viele Älteren ihren Enkeln gern über die Schulter schauen.

Gibt es von Ihnen neue Geschichten und Dialoge, über die Armin Lang senior herzlich gelacht hätte?
Das hoffe ich doch. Dieser Dialog hätte bestimmt Chancen: Das Äffle liegt krank im Bett. Hasch du was?, fragt das Pferdle besorgt. Noi... Fehla tut mir was!

Früher waren Äffle und Pferdle Pausenfüller zwischen den Werbeblocks. Heute machen die beiden selbst Werbung. Ist das die Zukunft?
Die Zukunft liegt in eigenen Geschichten. Sei es im Internet, Print oder Fernsehen. Dies muss natürlich auch finanziert sein. Da helfen Partnerschaften wie mit dem Mineralwasserabfüller Silberbrunnen.

Es muss ja nicht immer Sprudel sein. Mal ehrlich, Sie träumen doch von Sekt statt Selters?
Es gibt natürlich Pläne für einen Äffle-und-Pferdle-Film fürs Fernsehen oder fürs Kino. Aber das schaffen wir finanziell derzeit nicht. Da bräuchten wir einen Auftraggeber, der Geld mitbringt, einen Sender oder eine Produktionsfirma.

Wagen Sie dennoch einen Blick in die Zukunft von Ihnen und vom Äffle und Pferdle?
An die Zukunft denke ich nicht. Sie gibt es nicht. Immer nur ein Heute. Das Pferdle würde sagen: Warum sagsch du eigentlich net "Guta Morge" heut? Darauf das Äffle: Weil morga erschd morga isch ond koi Mensch "Gut Heut" sagt!

Unter dem Titel "Das isch, was man haben muuß!" ist beim Esslinger Verlag ein neues Buch von Äffle und Pferdle erschienen. ISBN978-3-480-22927-7.

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