Heckler & Koch profitiert zumindest indirekt von der Zeitenwende – doch das schöne neue Image der Rüstungsbranche zeigt bei den Oberndorfern auch einen schlimmen Fleck, meint Matthias Schiermeyer.
Plötzlich systemrelevant. Die Zeitenwende wirft ein günstigeres Licht auf die Rüstungsbranche im Allgemeinen und den Waffenhersteller Heckler & Koch im Besonderen. Die Oberndorfer dürfen sich nun nicht nur als Hoflieferant deutscher Soldaten und Polizisten, sondern auch als Verteidiger von Freiheit und Demokratie feiern.
Anders als beim Image profitieren sie wirtschaftlich kaum vom 100-Milliarden-Sondervermögen. Denn dabei geht es um das große Schlachtgerät: Panzer, Hubschrauber, Kampfjets, Kriegsschiffe – und um Munition. Die relativ kleinteiligen Aufträge der Bundeswehr für Gewehre oder Pistolen werden weiter über den laufenden Etat bestritten. Gleichwohl dürfte das Verteidigungsministerium künftig schneller agieren als bisher – und auch andere Staaten wollen ihre Streitkräfte mit mehr modernen Kleinwaffen ausstatten.
In den USA dürfen Privatleute quasi ungebremst aufrüsten
So könnte sich Heckler & Koch die Entwicklung kaum schöner malen. Doch da ist ein hässlicher Fleck auf dem Bild: Der US-Markt, der existenziell wichtig geworden ist für H&K, wird vom zivilen Waffenhandel dominiert – Privatleute dürfen quasi ungebremst weiter aufrüsten. Immer mehr Tote durch Schusswaffengebrauch sind die Folge. Und über Waffenhändler gelangen die Geräte auch noch illegal in Krisengebiete.
„In den richtigen Händen sind Waffen ein Beitrag zur Sicherheit“, sagt Vorstandschef Bodo Koch. Doch kann er nicht garantieren, dass sie nicht in die falschen Hände geraten – wie so oft in den USA. Womit H&K an der dortigen moralischen Verwahrlosung und überhaupt an viel Leid indirekt beteiligt ist.