Nicht viel über den Baumwipfeln schwebte am Dienstag ein Hubschrauber über dem Hechinger Kamelhof. Inhaber Rolf Müller beklagt zwei tote Tiere. Die zerborstene Latte zeigt die Wucht, mit der die Strauße aufgeprallt sind. Foto: Kauffmann

Ein Hubschrauber im Tiefflug versetzt eine Herde Strauße in Panik - zwei davon überleben die Aktion nicht. Der Besitzer des Hofes fragt sich nun, wer den Hubschrauber geflogen ist.

Hechingen - Der ohrenbetäubende Lärm eines tief fliegenden Hubschraubers über dem Tiererlebnishof hat zwei Strauße in den Tod getrieben: Sie knallten wegen ihres Fluchtreflexes gegen den Zaun, berichtet der Schwarzwälder Bote. Wenig später starben sie. Wer steuerte das Fluggerät?

"Ich habe nur den Krach gehört. Es hat sich wie ein Gewitter angehört. Ich habe gedacht, der Stall stürzt ein", berichtet Rolf Müller, Inhaber des Hechinger Tiererlebnishofs Albkamele, über die Geschehnisse am Dienstagmittag vergangener Woche. Draußen erspäht er an diesem Tag einen Hubschrauber, wohl keine 30 Meter hoch über seinen Tiergehegen. Noch schnell ein Bogen über den Straußenstall, danach soll er Richtung Burg Hohenzollern weitergeflogen sein.

Die Bilanz: zwei tote Straußvögel und ein Schaden von rund 7000 Euro. Müller poltert: "Das ist einfach eine unsinnige, respektlose Geschichte!" Die Strauße seien Fluchttiere und wurden vom Rotorendonner derart in Panik versetzt, dass sie mit voller Wucht gegen den Holzzaun des Geheges geknallt sind. An einer Stelle sieht man noch eine gut drei Zentimeter dicke Holzlatte, die vom Druck zerborsten ist. Glück im Unglück sei es, dass sich gerade niemand im Stall mit den ausgewachsenen Tieren befunden habe. Gut möglich, dass sie Besucher zertrampelt und schwer verletzt hätten. Müller: "Das wäre lebensgefährlich gewesen."

"Drei Jahre Zuchtarbeit einfach futsch"

Einer der Laufvögel hat sich die Speiseröhre zerquetscht. "Er hat danach nichts getrunken und nichts gegessen." Das ausgewachsene Tier sei "apathisch dagestanden", habe den Kopf hängen lassen und abgelegt. Das konnte Müller nicht mehr mit ansehen. Er habe den drei Meter großen und 15 Kilo schweren Strauß Anfang dieser Woche einschläfern lassen – "Wir haben ihn erlöst", wie Müller es ausdrückt. Das Tier habe er aufgezogen, "da sind drei Jahre Zuchtarbeit einfach futsch".

Der zweite Vogel ist nach dem Aufprall gar nicht erst aufgestanden, war aber noch lebendig. Das Jungtier, erst einen Meter groß gewachsen, wurde bereits zwei Tage später eingeschläfert. Diesen Montag wurden die beiden Tierkadaver von einem Spezialunternehmen abgeholt. Das übrige gute Dutzend Strauße hat den Hubschrauber-Donner überlebt.

Die Kosten, die Müller mit dem Vorfall entstehen, sind enorm. Der ausgewachsene Laufvogel soll einen Wert von 3000 Euro gehabt haben, der kleine 1500 Euro. Weitere 500 Euro hat er für den Tierarzt bezahlt. Und mit nochmal 2000 Euro kalkuliert er die Ausfälle – Einnahmen, die er mit zwei Tieren weniger nicht erwirtschaftet. Die Kosten für einen neuen Hahn sind da noch nicht mit eingerechnet.

Militärischer oder ziviler Flugeinsatz?

Woher ist das Fluggerät gekommen? Müller vermutet: Es war ein Militärhubschrauber. Indes sagt das für Baden-Württemberg zuständige Landeskommando der Bundeswehr: "Es war zu der Zeit keine Übung angemeldet", heißt es auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Müller werde an das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen verwiesen. Dort gebe es eine Abteilung, die sich speziell um Schäden kümmert, die aufgrund von Übungen entstanden sind. Beim Bundesamt könne Müller seine Schadenersatzansprüche geltend machen, heißt es weiter.

Allerdings müsse auch das Bundesamt erst recherchieren, ob es sich um einen militärischen oder doch zivilen Flugeinsatz handelte. Müller jedenfalls will sich gütlich mit dem Verursacher einigen. Und wenn das nicht möglich ist? "Dann gehe ich zum Anwalt und erstatte Anzeige gegen Unbekannt."

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: