Private Investoren haben das Hebammenhaus in Backnang finanziert. Foto: Gottfried Stoppel

Im neuen Hebammenhaus in Backnang sollen monatlich zehn bis zwölf Baby zur Welt kommen. Den OB freut es, dass es wieder gebürtige Backnanger gibt.

Backnang - Darauf haben sich viele Menschen in Backnang gefreut: Am Samstagvormittag ist Im Blütengarten 29 das neue Hebammen- und Geburtshaus mit einer kleinen Feier eröffnet worden. Nicht zuletzt der Oberbürgermeister Frank Nopper jubiliert. Denn fortan wird es wieder gebürtige Backnanger geben. Der Schultes erinnerte an den „unseligen Beschluss des Kreistags“ aus dem Jahr 2008, das Backnanger Krankenhaus zu schleißen.

Die Klinik ist mittlerweile längst abgerissen worden. Eigentlich hätte das Geburtshaus nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung ganz gut auf das ehemalige Klinikgelände gepasst. Doch die Investorenfamilie Hafner-Pinnel aus Oppenweiler und die Inhaberin des Hebammenhauses, Nicole Strobel, hatten es eilig. Sie fanden mit Hilfe der Kommune das Grundstück Im Blütengartenweg. Ein Bau auf dem Klinikareal hätte das Projekt verzögert.

Eins-Zu-Eins-Betreuung

Im Geburtshaus sollen künftig monatlich zehn bis zwölf Babys zur Welt kommen, erklärte Nicole Strobel. Ferner würden mehrere Kurse angeboten, zum Beispiel zur Geburtsvorbereitung. Bis dato arbeiten knapp ein Dutzend Hebammen im Geburtshaus. Jutta Eichenauer, die Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg, erklärte, dass die vielen „bürokratischen und technokratischen“ Regelungen in Deutschland den freiberuflichen Hebammen das Leben arg schwer machten, denn sie hätten nun viel mehr Arbeit als früher, bekämen aber kaum mehr Geld. Es sei dringend nötig, „die schlechten Rahmenbedingungen des Hebammenberufes“ deutlich zu verbessern.

Am Rande der Veranstaltung kritisierten die Hebammen, dass in vielen Kliniken viel zu viele Baby per Kaiserschnitt zur Welt kämen. Die Weltgesundheitsorganisation sage: Nur bei zehn bis 15 Prozent aller Geburten seien Kaiserschnitte nötig. In den Krankenhäusern seien es aber deutliche mehr. Jutta Eichenauer erklärte, außerklinische Geburten – etwa im Hebammenhaus – seien für den Erhalt des Wissens wichtig, denn im Klinikalltag sei es kaum möglich „die wirklichen Fertigkeiten unseres Berufes“ an die Schülerinnen weiterzugeben. Im Backnanger Hebammenhaus würde den Eltern eine Eins-Zu-Eins-Betreuung garantiert. Mütter, die ihre Kinder in einer Klinik zur Welt brächten, könnten sich darauf indes nicht verlassen.

Verein Bauchgefühl unterstützt bedürftige Familien

Ist eine Geburt im Hebammenhaus für jede Frau zu empfehlen? Nein, sagt Nicole Strobel. Bei „echten Risikoschwangerschaften“ rate sie den Frauen ab, etwa wenn Drillinge kommen oder bei einer Querlage des Kindes im Mutterbauch.

Im Land gibt es rund ein halbes Dutzend Geburtshäuser, unter anderem in Stuttgart und in Tübingen. Und alle haben offenbar das Problem, das die Krankenkassen den Eltern nicht die kompletten Kosten für die Geburt erstatten. In Backnang ist deshalb jetzt der Verein Bauchgefühl ins Leben gerufen worden, der sich zum Ziel gesetzt hat, bedürftigen Familien die Gelder zuzuschießen, die die Kassen nicht tragen.

Nopper setzt darauf, dass nun auch wieder Backnanger zur Welt kommen, die später weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt werden. Als ein Beispiel für solche Backnanger Käpsele nannte der OB augenzwinkernd den Trainer Ralf Rangnick.

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