Hebamme für Tiere Neunlinge wollen gut vorbereitet sein

Von Steve Przybilla 

Die Tierhebamme Monika Feldbusch (li.) mit ihren Patientinnen Jaqueline und Uschi Foto: Przybilla
Die Tierhebamme Monika Feldbusch (li.) mit ihren Patientinnen Jaqueline und Uschi Foto: Przybilla

Die Duisburgerin Monika Feldbusch hat eine Marktlücke entdeckt: Sie ist die erste Hebamme für Tiere in Deutschland. Das kommt nicht nur Hunden und Katzen zugute.

Duisburg - Lange dauert’s nicht mehr bei Uschi, und das sieht man ihr auch an. Der dicke Bauch verrät, dass die Labrador-Hündin trächtig ist. Schon bald werden neun Welpen das Licht der Welt erblicken. Die selbst gebaute hölzerne Wurfkiste steht schon im Wohnzimmer, die Kuscheltiere liegen bereit. Fünf Tage noch, vielleicht sechs – ganz genau lässt sich der Geburtstermin nicht abschätzen. Uschi nimmt’s gelassen, beschnuppert schon mal die Decken, die in der Wurfkiste liegen. Nur Frauchen kommt kaum noch zur Ruhe. „Ich hab’ schon voll Panik“, gesteht Jaqueline van Hees (37). „So aufgeregt war ich selten“, sagt die Duisburger Hundehalterin.

Für Monika Feldbusch hingegen sind Hundebabys das Normalste der Welt. Als Tierhebamme betreut sie Herrchen und Frauchen, deren Lieblinge trächtig sind. Im Angebot hat sie das volle Programm: Vorsorge, Nachsorge, Geburtshilfe. Im Umkreis von 250 Kilometern ist die Duisburgerin fast jeden Tag unterwegs. Die Nachfrage ist groß, überall sehnen sich ängstliche Tierbesitzer nach fachkundiger Hilfe.

Mobiles Ultraschallgerät für mehrere Tausend Euro

So auch Jaqueline van Hees. „Eigentlich war das alles gar nicht geplant“, erzählt die Hundehalterin. „Ein Freund meines Onkels war nur kurz mit seinem Labrador zu Besuch. Und dann – ist es eben passiert.“ Sie selbst habe den Akt gar nicht mitbekommen, erzählt sie. Dass Uschi trächtig ist, bemerkte sie nur durch ihr verändertes Verhalten. „Sie wurde immer anhänglicher, wollte nur noch bei mir im Bett unter meiner Decke schlafen. Irgendwann fing sie an zu sabbern und schleppte Spielzeug durch die Wohnung – was sie vorher nie getan hat.“ Eine Untersuchung durch die Tierhebamme brachte schließlich Gewissheit: Uschi wird Mama.

An diesem Nachmittag schaut Monika Feldbusch zum Kontrollbesuch vorbei. Die Hündin kennt die Prozedur bereits. Bereitwillig legt sie sich in die Wurfkiste, um sich mit Feldbuschs mobilem Ultraschallgerät untersuchen zu lassen. Die sperrige Armatur sieht aus wie ein alter Computerbildschirm mit angeschlossenem Kabel, hat aber mehrere Tausend Euro gekostet. Es gehört zur Standardausstattung der Tierhebamme.

Auf dem Bildschirm ist nicht viel zu erkennen, zumindest für Laien. Ein schwarzes Bild mit weißen Flecken. Die Tierhebamme erkennt darauf: neun Welpen, die in unterschiedlicher Richtung liegen. „Da sieht man sogar schon den dicken Hintern“, ruft sie.

Rund 40 Euro kostet ein Besuch der Tierhebamme

Große Hunderassen sind zwischen 64 und 65 Tagen trächtig, bei kleinen ist der Zeitraum etwas kürzer. Vor der Geburt schaut Monika Feldbusch etwa dreimal bei ihren Kunden vorbei. Rund 40 Euro kostet ein Besuch inklusive Ultraschall. Der richtige Stress, sagt Feldbusch, komme erst bei der Geburt. „Manchmal vergehen Stunden, bis es so weit ist“, erzählt die 50-Jährige, die sich vor drei Jahren selbstständig gemacht hat.

Der Bundesverband praktizierender ­Tierärzte sieht das Geschäftsmodell ­kritisch. Tierhebamme ist kein geschützter Beruf. Im Normalfall werden trächtige ­Hündinnen beim Tierarzt untersucht. „Für viele Tiere ist der Besuch in der Praxis aber sehr stressig“, sagt Feldbusch. Auch sie hat sich ihr Handwerk selbst beigebracht. Zuvor hat sie 25 Jahre lang Hunde gezüchtet, ­da­nach als Bäckereiverkäuferin und bei Zeitarbeitsfirmen gearbeitet. Die ­Ziel­gruppe ist riesig: Knapp 6,8 Millionen Hunde werden laut Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) in Deutschland gehalten. Hinzu kommen noch einmal 11,8 Millionen Katzen, denen die Tierhebamme bei Bedarf ebenfalls auf die Welt hilft.

Zum Programm der Tierhebamme gehört auch die Nachsorge: Welpen entwurmen, chippen und registrieren. „Außerdem reden wir über die richtige Ernährung“, sagt Feldbusch. Bei Hündinnen, die nur wenige Welpen erwarteten, müsse man kaum etwas umstellen. Bei mehr als sieben Jungen sehe das aber anders aus. So auch bei Uschi: Die Labrador-Hündin wird mit Enten, Möhren, Obst und Joghurt gefüttert. Und mit ihrer Lieblingsspeise: Leberwurst. Die Tierhebamme nickt zufrieden: Trotz Trächtigkeit hat sich Uschi gut gehalten. Anders als bei so manch anderer Hunde­mutter hängt ihr Bauch nicht nach unten durch. „Gutes Muskelgewebe“, sagt Feldbusch.

Aufgeregt sind eher die Besitzer

Die meisten Hunde gehen mit ihrer Schwangerschaft vollkommen locker um – wie in der Natur eben. Aufgeregt sind eher die Besitzer, was die Tiere wiederum spüren. „Manchmal hecheln die Herrchen bei der Geburt mit“, erzählt die Tierhebamme. „Oder sie stellen alle Geräte im Wohnzimmer ab, damit die Hündin ihre Ruhe hat.“ Dabei seien solche Maßnahmen völlig unnötig. „Früher, als Hunde noch im Zwinger gehalten wurden, waren Fernsehgeräusche für sie etwas Fremdes. Aber heute? Da wundert sich doch jeder Hund, wenn das Ding nicht läuft.“

Lange Zeit konnte Feldbusch damit werben, Deutschlands einzige Tierhebamme zu sein. Nun ist sie nur noch die erste, denn allmählich entdecken auch andere die lukrative Marktlücke – inklusive „homöopathischer Geburtsvorbereitung“, wie es auf einer Homepage salbungsvoll heißt. Darüber hinaus haben sich einige Tierarztpraxen auf Tiergeburten spezialisiert. Hausbesuche gehören dort ebenfalls in vielen Fällen zum Repertoire.

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