Die Holzgerlinger Hebamme Ute Schmieg-Lasi beginnt langsam, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Foto: Stefanie Schlecht

Die Holzgerlinger Hebamme Ute Schmieg-Lasi ist für viele auf der Schönbuchlichtung eine feste Institution. Jetzt wagt sie ihren ersten Schritt in Richtung Ruhestand.

Seit 40 Jahren übt die Holzgerlinger Hebamme Ute Schmieg-Lasi ihren Beruf aus. Vier Jahrzehnte, in denen sie Kinder auf die Welt gebracht hat und vor allem Müttern vor und nach der Geburt zur Seite gestanden hat. Mit 65 Jahren geht sie nun einen ersten Schritt in Richtung Ruhestand: Sie gibt die Geburtsvorbereitungskurse auf. Ganz werdende Mütter aber noch nicht auf sie verzichten müssen.

 

Hebamme, das ist kein Beruf, den man einfach so macht: Das merkt man Ute Schmieg-Lasi an. Mit vollem Einsatz übt sie seit vier Jahrzehnten ihren Job aus. 33 Jahre davon in Holzgerlingen. Ohne die Geburtsvorbereitungskurse hat sie in Zukunft einen Abend mehr in der Woche frei. Was für manche als kleiner Schritt erscheint, ist für Ute Schmieg-Lasi ein großer, der einiges an Überwindung gekostet hat: Denn damit geht sie den ersten Schritt in Richtung Ruhestand. „Das hat auch was mit Trauer zu tun“, sagt die 65-Jährige. Denn ihr Beruf, der sie seit so vielen Jahrzehnten begleitet, ist ein Teil von ihr, der sich nicht ohne Weiteres einfach ablegen lässt. Doch nun sei es an der Zeit, kürzer zu treten, sagt die Hebamme. In den nächsten fünf Jahren wolle sie nach und nach weiter abbauen.

Der Kalender ist eigentlich immer voll

Denn ihr Beruf spannt sie voll ein: „Ich versuche mir meistens ein Wochenende im Monat freizuhalten“, sagt Ute Schmieg-Lasi. Denn Geburten lassen sich in den meisten Fällen eben nicht planen – Wochenende hin oder her. Werdende Mütter melden sich bei ihr in der Regel bereits acht Monate im Voraus, was für Ute Schmieg-Lasi bedeutet: Ihr Kalender ist eigentlich immer voll. Spontan in den Urlaub zu gehen, das ist für sie beinahe unmöglich. Pro Monat nimmt sie ungefähr sieben Frauen auf. Auch dafür will sie ihr Arbeitspensum etwas zurückschrauben: Mehr Freizeit, in der sie Hobbys nachgehen kann. Und mehr Zeit für ihr zwölfjähriges Pflegekind.

Hebamme zu werden, hatte Ute Schmieg-Lasi eigentlich gar nicht vor: In England hatte sie Tropenmedizin studiert und arbeitete deshalb in Uganda in einer Klinik. Immer wieder stand sie dort vor der Herausforderung, schwangeren Frauen nicht weiterhelfen zu können und machte dort teilweise schlimme Erfahrungen. „Dann bin ich in Kontakt mit der Geburtshilfe gekommen“, erzählt die Holzgerlingerin. Das sei genau ihr Ding gewesen. Frauen in dieser intensiven, manchmal aufwühlenden, manchmal sogar gefährlichen Zeit zu unterstützen, das war und ist ihr nach wie vor wichtig.

Deshalb engagiert sie sich auch bei dem Projekt „Wakisa Ministries“ und hält so ihre Verbindung nach Uganda aufrecht. Durch das christliche Projekt wird in dem Land ein Schwangerschaftskrisenzentrum finanziert, in dem Mädchen, die oftmals durch Missbrauch schwanger geworden sind, Hilfe finden. Ihr nächster Besuch in Uganda ist bereits geplant. In dem Zentrum würden die Mädchen Fähigkeiten beigebracht bekommen, um ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen und für sich selbst zu sorgen, erklärt Ute Schmieg-Lasi.

Unter neuen Eltern herrscht oft Verunsicherung

In ihrer Zeit als Hebamme hat sich einiges geändert. Heute stünden werdenden Eltern sehr viel mehr Informationen zur Verfügung, doch das sei nicht immer gut, sagt die Hebamme. Darunter sei eben auch viel Halbwissen. „Eltern geraten dadurch richtig unter Strom“, sagt die Hebamme. Es herrsche viel Verunsicherung – 15 Nachfragen, die sie pro Tag erhält, seien noch wenig.

Den Müttern gegenüber hat Ute Schmieg-Lasi ein hohes Verantwortungsgefühl. Deshalb ist Freizeit auch ein rares Gut bei ihr: Wenn sie zu Hause ist und jemand einen Notfall hat oder krank wird, dann kommt sie auch vorbei. Seit rund 15 Jahren ist sie bei den Geburten selbst allerdings nicht mehr dabei – davor hatte sie im Kreißsaal gearbeitet, dann übernahm sie jahrelang Hausgeburten. Auch das ist ein Grund, warum sie sich langsam zurückziehen will: Bei Geburten da zu sein, sei für ihren Beruf schon wichtig, um das Gefühl nicht zu verlieren, sagt sie. Nach 40 Jahren als Hebamme ist ihr aber vor allem eines wichtig: Sich bei den vielen Frauen zu bedanken, die sich in ihre Obhut begeben haben. Ganz müssen sich Mütter von ihr aber noch nicht verabschieden – im Wochenbett steht Ute Schmieg-Lasi ihnen weiterhin bei.

Projekt Wakisa Ministries

Das Projekt
Wakisa Ministries ist ein christliches Projekt in Uganda, mit dem jungen Mädchen geholfen wird, die meist durch Missbrauch schwanger geworden sind und von ihrer Familie keine Unterstützung bekommen.

Kontakt
Ute Schmieg-Lasi ist ein Kontakt hier vor Ort im Kreis Böblingen (wakisa@web.de). Unterstützt werden kann das Projekt über Spenden an IBAN DE95 6035 0130 1003 1036 66, Empfänger: Wakisa.