Aufstiegstrainer entlassen, weiter sieglos in der zweiten Liga. Der Ex-Stuttgarter Dominik Weiß äußert sich zur Lage beim HC Oppenweiler/Backnang vor dem Handball-Duell mit Balingen.
Er spielte von 2009 bis 2022 für den TVB Stuttgart und hat sogar zwei A-Länderspiele für die Handball-Nationalmannschaft absolviert. Seit Sommer spielt Dominik Weiß (36) für den Zweitliga-Aufsteiger HC Oppenweiler/Backnang, der vor dem Heimspiel am Sonntag (17 Uhr) gegen den HBW Balingen-Weilstetten noch immer auf den ersten Saisonsieg wartet.
Herr Weiß, sind Sie eigentlich wieder ganz hergestellt?
Seit dem fünften Spieltag bin ich wieder am Ball, aber Rückstände sind schon noch da. Das Hantavirus hatte mich fünf Wochen lang schachmatt gesetzt. Das war ein ganz fieses Ding.
Sind Sie froh, dass es am Sonntag gegen einen hohen Favoriten geht?
Irgendwie schon, ja. In unserer Situation ist es besser, gegen ein Team zu spielen, gegen das man nicht zwangsläufig etwas Zählbares erwartet, als ein sogenanntes Vier-Punkte-Spiel vor der Brust zu haben.
Woran liegt es, dass es in acht Saisonspielen bisher nur zu zwei Unentschieden und damit 2:12 Punkten reichte?
Man sieht, dass dies Spielklasse ein ordentliches Brett ist. Die Aufgabe ist größer als gedacht, weil die zweite Liga riesige Schritte nach vorne gemacht hat. Als Hauptproblem sehe ich bei uns die mangelnde Erfahrung. Bei anderen Teams sitzen die über Jahre hinweg erarbeiteten Abläufe. Wir leisten uns zu viele Unforced Errors.
Aufstiegstrainer Stephan „Apollo“ Just wurde nach sieben Spieltagen entlassen. Überraschend für Sie?
Schon etwas. Doch wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, wird in diesem Geschäft eben oft jeder Stein umgedreht, um neue Impulse zu geben.
Die blieben mit dem neuen Gespann Tobias Klisch/Volker Blumenstein beim 28:41 in Großwallstadt offensichtlich aus.
Wenn ein etablierter Zweitligist den Trainer wechselt, damit die Spieler, die normalerweise auf dem Niveau performen, wieder alles abrufen und todesmotiviert sind, dann kann sich so ein Impuls kurzfristig auswirken. Bei uns ist die Situation aber so, dass wir an vielen Grundlagen arbeiten müssen, weil du in bestimmten Themen Rückstände hast. Da reichen drei Tage nicht, egal welcher Trainer kommt.
Das heißt?
Dass wir die Hoffnung haben, dass zwei Trainer viele kleine Impulse im Training setzen können, um die Spieler im Laufe der Saison weiterzuentwickeln.
Sie selbst haben den Aufstieg des TVB Stuttgart miterlebt. Welche Parallelen und welche Unterschiede gibt es?
Der TVB marschierte mit vielen eigenen Spielern und einem eingespielten Team im Rekordtempo nach oben, die Strukturen wuchsen dort im Nachhinein. Der HCOB spielte länger in der dritten Liga, baute die Strukturen für das Ziel zweite Liga behutsam auf, doch in der Mannschaft kam es nach dem Aufstieg zu einem großen Umbruch – genau das ist die große Herausforderung. Parallelen gibt es, was die Fan-Basis und die familiäre Atmosphäre betrifft.
Was muss passieren, damit es am Sonntag zum ersten Saisonsieg reicht?
Auf jeden Fall, wäre es kein Nachteil, wenn uns die Balinger etwas auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen uns an erfolgreichen Aktionen hochziehen und dadurch den Glauben gewinnen. Unsere Trainer möchten, dass wir solche Duelle wie Pokal-Spiele angehen – und unsere Außenseiterchance nutzen.
Zur Person
Karriere
Dominik Weiß wurde am 25. Januar 1989 in Göppingen geboren. Stationen: SG Schorndorf, TSV Deizisau, TVB Stuttgart, VfL Lübeck-Schwartau, BSV Bern, HC Oppenweiler/Backnang. Der 2,09 Meter große Rückraumspieler absolvierte zwei A-Länderspiele.
Persönliches
Weiß ist verheiratet und hat einen vier Monate alten Sohn. Die Familie lebt in Stuttgart. Sein Vater Willi war ehemaliger Nationalspieler und trug von 1976 bis 1987 den Dress von Frisch Auf Göppingen. (jüf)