HBW-Trainer Gaugisch (2. v. li.) und das HBW-Team: Stimmung im Keller Foto: Baumann

Damit hatte keiner ernsthaft gerechnet: Der finanziell angeschlagene HSV Hamburg hat doch noch die Lizenz für die neue Saison der Handball-Bundesliga erhalten. „Das ist für mich unfassbar“, sagte Bernd Karrer, der Manager des HBW Balingen-Weilstetten, der für die erste Liga geplant hatte und nun wohl absteigen muss.

Hamburg/Balingen - Bernd Karrer war geschäftlich in München als ihn am Mittwochabend die überraschende Nachricht erreichte. „Ich bin total leer. Das ist ganz, ganz bitter, einfach der Wahnsinn“, stammelte der Balinger Manager. Das von der Handball-Bundesliga (HBL) und dem HSV Hamburg einvernehmlich eingesetzte Schiedsgericht gab dem Champions-League-Sieger von 2013 Recht und erteilte nach einer fast achtstündigen Sitzung in einem Hotel in Minden unter Auflagen die Lizenz für die Saison 2014/15. „Die Lizenz wurde unter Bedingungen erteilt“, sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser: „Der HSV muss bis zum 1. Juli, 17 Uhr, liquide Mittel in Millionenhöhe nachweisen.“

Für den HBW Balingen-Weilstetten geht die Hängepartie weiter, eine völlig unbefriedigende Situation für den Verein. „Wir haben komplett für die erste Liga geplant“, sagt Karrer. Jetzt herrscht Depression pur. Ob er eine rechtliche Grundlage für eine Aufstockung der Liga auf 19 Clubs sieht? Karrer: „Wir setzen uns am Wochenende zusammen. Nichts ist auszuschließen.“

Beim HSV herrschte dagegen Erleichterung. „Wir sind sehr, sehr glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir es geschafft haben. Lizenz mit Bedingungen und Auflagen – aber der HSV ist in der ersten Liga. Wir sind happy“, sagte HSV-Geschäftsführer Holger Liekefett. HSV-Kapitän Pascal Hens und Nationalkeeper Johannes Bitter hatten während des Tages auf ihren Facebook-Profilen darum gebeten, die „Daumen zu drücken“. Mit Erfolg, folgte das Schiedsgericht doch der Argumentation des HSV und seiner Rechtsberater. Das Schiedsgericht hatte lediglich den HSV-Einspruch gegen Formfehler der Lizenzierungskommission geprüft, neue Unterlagen durften nicht mehr nachgereicht werden.

Erfüllen die Hanseaten, denen zuvor in zwei Instanzen die Spielberechtigung wegen des fehlenden Nachweises einer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verweigert worden war, bis zum genannten Termin die Auflagen, gehen sie in ihre 13. Bundesliga-Saison. Ansonsten droht der Abstieg in die Drittklassigkeit. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) hat mit den Entscheidung der HBL und des Schiedsgerichts zwar nichts zu tun – dennoch zeigte sich DHB-Präsident Bernhard Bauer ernüchtert über das Hin und Her in Sachen Lizenzerteilung: „Ich kann das Urteil nicht bewerten. Aber es ist wie verhext, was derzeit alles auf den deutschen Handball einprasselt.“

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