Hier wird Rudolf Kautz in Zukunft nicht mehr Schach spielen dürfen Foto: Peter Petsch

In der S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte hat der Wohnsitzlose Rudolf Kautz gegen Passanten Schach gespielt. Jetzt darf er seine Bretter dort nicht mehr aufstellen. Die Bahn hat ihm Hausverbot erteilt.

Stuttgart - Rudolf Kautz ist außer sich. Bisher hatte der reisende Schachspieler in der Unterführung der S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte sein Domizil. Dort hat er gegen spendende Passanten Schach gespielt. „Ich habe damit niemanden belästigt, ich habe keinen Alkohol getrunken“, sagt er. Trotzdem ist er am Dienstag vom Wachpersonal der Deutschen Bahn der Haltestelle verwiesen worden. Jetzt hat der Obdachlose in der Haltestelle Stadtmitte Hausverbot.

„Ich kenne meine Rechte“, sagt Kautz, „wenn ich niemanden belästige, darf ich dort bleiben.“ In der Hausordnung steht aber etwas anderes. „Die Haltestellen sind dafür gedacht, dass dort Fahrgäste auf ihre Bahn warten“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Wir wollen einen schnellen Durchlauf haben.“ Deswegen verbietet die Hausordnung, dass man sich über einen zu langen Zeitraum auf dem Gelände aufhält. „Wenn Herr Kautz dort übernachtet hat, war das also ein klarer Verstoß gegen die Hausordnung“, sagt der Bahnsprecher. „Außerdem hat er dort gebettelt. Und wenn wir das erlauben, steht bald der Nächste mit einem Hütchenspiel daneben.“ Besonders bei einem Notfall sei es wichtig, dass alle Fluchtwege frei sind.

Darauf habe man den Schachspieler schon öfters aufmerksam gemacht. Kautz sei den Anweisungen des Bahn-Personals aber nicht nachgekommen. Am Dienstag soll er sie dann als Nazis beschimpft haben. Diese Beleidigung habe dann auch den Ausschlag dafür gegeben, dass sie das Hausverbot gegen Kautz ausgesprochen haben. Der reisende Schachspieler protestiert: „Das sind Lügen“, behauptet er. Mit dem Sicherheitspersonal sei er zuletzt vor sieben Jahren aneinander geraten. „Die haben gesagt, ich solle meine Sachen packen und verschwinden.“ Auch als Nazi habe er niemanden beschimpft. „Das ist eine besonders kluge Lüge“, sagt er. Lediglich die Namen der Beamten habe er wissen wollen, damit er sich über sie beschweren könne. Trotz Hausverbot will Kautz weiter in der Unterführung übernachten: „Zu den Betrunkenen gehe ich auf keinen Fall zum Schlafen.“

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