Dass die Hersteller absichtlich Schwachstellen in Geräte einbauen, um den Kunden bald neue zu verkaufen, dafür fanden die Experten keine Belege. Aber: „Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer“, sagt die Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger. Foto:  

Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt. Experten des Umweltbundesamtes, des Ökoinstituts und der Uni Bonn sind dem Verdacht nachgegangen, ob es eingebaute Schwachstellen in Elektrogeräten gibt. Das Fazit: Hersteller planen die Lebensdauer ihrer Waren – aber nicht ganz so, wie viele denken.

Wie lange werden Elektrogeräte im Schnitt genutzt?
Wer sich eine Waschmaschine kauft, der nutzt sie normalerweise im Schnitt 13 Jahre. Ähnliches gilt auch für Trockner und Kühlschränke. Auch hier werden die Geräte nach zehn bis zwölf Jahren durch ein neues ersetzt. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 standen die Geräte im Schnitt noch ein bis eineinhalb Jahre länger in der Wohnung. „Verbraucher tauschen Produkte somit nach immer kürzerer Zeit aus,“ heißt es in einer Studie des Öko-Instituts und der Universität Bonn, die das Umweltbundesamt (Uba) am vergangenen Montag veröffentlicht hat.
Gibt es eine geplante Obsoleszenz – also die gezielte Begrenzung der Lebenserwartung?
Dass die Hersteller absichtlich Schwachstellen in Geräte einbauen, um den Kunden bald neue zu verkaufen, dafür fanden die Experten keine Belege. Aber: „Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer“, sagt Uba-Präsidentin Maria Krautzberger. So stieg beispielsweise der Anteil der Haushaltsgroßgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen, die aufgrund eines Defekts bereits innerhalb der ersten fünf Jahre ersetzt wurde, von 3,5 Prozent im Jahr 2004 auf 8,3 Prozent im Jahr 2013.
Mit der Studie des UBA fühlt sich auch die Stiftung Warentest bestätigt, die 2013 ebenfalls dem Verdacht der Obsoleszenz nachgegangen sind. Ihr Fazit: „Mindere Produktqualität ist teilweise schlichtweg darauf zurückzu­führen, dass viele Kunden gerne besonders günstige Artikel kaufen“, so die Verbraucherschützer. „Das verleitet manche Firmen dazu, nicht allzu hochwertige Bauteile einzusetzen – so können sie die Geräte günstiger produzieren und verkaufen.“ Tatsächlich würde sich für ein Unternehmen geplante Obsoleszenz nicht lohnen, geben Experten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zu Bedenken: Das würde sofort auffallen und zur Folge haben, dass die Kunden abspringen, sagt Albert Albers vom Institut für Produktentwicklung am KIT.
Was sind dann die Gründe für einen ­vorzeitigen Austausch von Elektrogeräten?
Das kommt auf das Gerät an: So stellten die Verfasser der Studie fest, dass sich insbesondere im Bereich der Unterhaltungselektronik die Geräte technisch schnell weiterentwickeln. Damit wächst auch beim Verbraucher der Wunsch nach einem immer besseren Modell, das diese neue Technik beinhaltet. So wurden beispielsweise 60 Prozent der Fernseher bereits nach fünf bis sechs Jahren gegen ein neues Gerät getauscht, obwohl sie noch funktionierten. Auf den Drang, ständig das Neuste vom Neusten haben zu wollen, reagieren wieder die Hersteller. „Ingenieure legen dann Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin aus“, sagt Albert Albers vom KIT. Für die Produktion gilt dann: Die Geräte sollen so lange halten wie nötig, nicht so lange wie möglich. Obsoleszenz ist somit ein vielschichtiges Phänomen, bei dem es keinen alleinigen Schuldigen gebe, sagt Ines Oehme vom Uba. „Hersteller und Verbraucher interagieren miteinander und beeinflussen gegenseitig Produktentwicklung und Konsummuster.“
Was hat diese Wegwerf-Manie für Folgen?
Wer seine technischen Geräte ständig austauscht, der vergrößert so auch den Berg an Technikschrott. Das führt zu einer immer größeren Verschwendung von Rohstoffen wie Kupfer, Zinn, Gold und Seltene Erden. Zumal viele Altgeräte immer noch nicht fachgerecht recycelt werden, sondern trotz Verbot im Hausmüll landen oder im Keller verstauben. Nach einer Untersuchung der United Nation University sind im Jahr 2014 etwa 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott angefallen. Die Deutschen haben dazu 1,8 Millionen Tonnen beigetragen – das macht 21,6 Kilogramm pro Einwohner.
Was empfehlen Experten, um den schnellen Verschleiß von Elektrogeräten einzudämmen?
Geht es nach der Grünen-Politikerin Renate Künast, braucht es eine klarere Ökodesign-Richtlinie. In dieser solle unter anderem festgelegt sein, „dass man Dinge so bauen muss, dass man sie einfach auseinandernehmen und Teile ersetzen kann“, sagt die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses im Interview mit dem Deutschlandfunk.
Dazu braucht es neben einem reparaturfreundlichen Design aber auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, ergänzt UBA-Präsidentin Krautzberger. Die sollte man auch überall bekommen können – nicht nur in herstellergebundenen Werkstätten.
Ebenfalls wichtig ist eine bessere Kennzeichnung der Geräte. So wünscht sich Krautzberger eine Angabe seitens der Hersteller, wie viele Stunden das Gerät in etwa genutzt werden könne. „Bislang sieht man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde.“ Der Preis allein sei da nicht immer ein zuverlässiger Indikator. Allerdings ist es schwierig, die Lebensdauer einheitlich zu ermitteln, erklärt die Stiftung Warentest. Die Verbraucherschützer nehmen daher auch den Kunden in die Pflicht: Wer zur Billigware greift muss auch mit höherer Anfälligkeit rechnen. Mixer unter 20 Euro gäben nun mal früher den Geist auf.
Ist es empfehlenswerter, ein Altgerät ­reparieren zu lassen oder ein neues, ­energiesparenderes zu kaufen?
Eine klare Antwort darauf können auch die Experten des Umweltbundesamtes nicht geben. Zumindest rät Uba-Expertin Ines Oehme bei Geräten, die 15 Jahre oder älter sind, folgende Daten zu prüfen: „Wie viel Energie verbraucht das Altgerät und wie effizient wäre das neue Gerät, was ich kaufen will.“ Wichtig sei auch die Frage, wie häufig man das Produkt im Alltag nutze. Grundsätzlich lohnt sich bei langlebigen Produkten aus Umweltsicht häufig eine Reparatur, so Oehme. Bei kurzlebigen Geräten mit fünf Jahren Haltbarkeit liegen Energieaufwand und der Ausstoß von Treibhausgasen um rund 40 Prozent höher als bei einem Gerät mit 20 Jahren Lebensdauer.
Muss dann doch ein Neugerät gekauft werden, sollte man auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“ achten. Es zeichnet schon jetzt langlebige und reparaturfreundliche Produkte aus: www.blauer-engel.de
Und wenn doch ein Gerät kaputt geht, das sich auch nicht mehr reparieren lässt: Wohin mit dem Elektroschrott?
Wer einen neuen Kühlschrank oder einen Trockner kauft, darf das Altgerät im Geschäft abgeben. Voraussetzung ist, dass es dort eine Verkaufsfläche für Elektrogeräte gibt, die mindestens 400 Quadratmeter groß ist. Kleine Altgeräte wie Rasierer oder Handys dürfen dort auch ohne Neukauf oder Kassenbon kostenlos abgegeben werden. Diese Regelung gilt auch im Versandhandel – spätestens ab Juli. Insbesondere die Online-Händler wollen aber bis dahin die ihnen gesetzlich gewährte Übergangsfrist ausnutzen. Daher könnten Verbraucher jetzt noch bei der Rückgabe Pech haben – und auf den Recyclinghof verwiesen werden.
Alte Handys sollten Verbraucher ohnehin nicht gleich wegwerfen, sagt die Verbraucherzentrale Hamburg. „Funktioniert es noch, sollte man es weiterverkaufen oder weiterverschenken, damit es noch genutzt wird.“ Ist das Handy kaputt, nimmt es eine gemeinnützige Organisation. Die liefert die Geräte an eine Recyclingfirma. Die Handys werden dort sortiert, teilweise auch repariert und im Ausland verkauft.
b>Diese Rechte haben Verbraucher bei defekter Elektronik

„Im ersten halben Jahr nach dem Kauf ist die Lage für den Verbraucher sehr komfortabel“, sagt Michael Sittig von Stiftung Warentest. In dieser Zeit wird angenommen, dass ein Defekt von Anfang an vorhanden war – ausgenommen sind vom Nutzer selbst verursachte Schäden. Kunden haben so Anspruch auf Reparatur oder ein Ersatzgerät. Der Umtausch gegen ein neues Gerät ist aber nicht der Normalfall. „Je teurer das Gerät, umso eher muss sich der Kunde auf Reparaturversuche einlassen“, sagt Sittig. Der Händler hat nämlich das Recht, nachzubessern.

Damit der Schaden für den Händler nachvollziehbar ist, sollte man ihn so gut es geht beschreiben, rät Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sichtbare Schäden fotografiert man am besten. Im Streitfall hat man etwas in der Hand und kann den Defekt beweisen. Für die Rücksendung oder Reklamation sollte man eine Frist setzen. „Zwei Wochen Reparaturzeit sind in der Regel angemessen“, so Gollner.

Erst wenn der Mangel auch beim zweiten Mal nicht behoben ist, haben Verbraucher das Recht, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Das erklärt man am besten auch schriftlich und verlangt gleichzeitig das bereits gezahlte Geld zurück. Ein Tipp: Besonders wertvolle Ware sollte man gegebenenfalls erst zurückschicken, nachdem man sein Geld wieder hat. Im Streitfall kann die einbehaltene Ware ein gutes Argument sein. „Wenn der Verkäufer nicht reagiert, muss der Anwalt eingeschaltet werden“, sagt Sittig.

Anders sieht es aus, wenn man die Ware online bestellt hat. „Dann hat man 14 Tage Widerrufsrecht ab Erhalt der Ware“, sagt Sittig. Die Onlinebestellung kann auch noch einen anderen Vorteil haben. Im Gegensatz zum Ladenkauf spielt es keine Rolle, ob das Gerät nicht funktioniert oder einem schlicht nicht gefällt. Und: „Die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, ist besser“, sagt Christian Gollner. Man hat nämlich das Recht auf eine Funktionsprüfung. Im Geschäft ist dies häufig nicht so einfach. Dennoch rät der Verbraucherschützer nicht generell zum Onlinekauf: „Die Beratung im Geschäft ist besser.“

In der Regel ist es besser, der Schaden an der Neuware tritt am Anfang auf, als später. Ab dem siebten Monat kehrt sich nämlich die Beweislast um, und der Kunde muss nachweisen, dass der Mangel nicht selbst verschuldet ist. „Das ist gerade bei technischen Geräten problematisch“, sagt Sittig. Den Nachweis könne der Nutzer häufig nur mit Hilfe von Gutachtern erbringen. Die lohnen sich aber meist nur bei teurer Ware. (dpa)

 
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