Gegenüber des Breuninger-Parkhauses befindet sich ein türkischer Imbiss. Dort läuft der Keller immer wieder voll Wasser. Foto:  

Die Stadt schließt einen Zusammenhang zwischen vollgelaufenen Kellern und dem Abriss des Breuninger-Parkhauses aus. Das sehen die Hausbesitzer komplett anders.

Die Fronten im Streit um die Wasserschäden im Stuttgarter Bohnenviertel zwischen der Stadtverwaltung und den Anwohnern verhärten sich. Seit dem Beginn des Abrisses des Breuninger-Parkhauses an der Hauptstätter Straße (B 14) laufen immer wieder die Keller einiger Gebäude an der Esslinger Straße voll. Vor allem für die geschädigten Geschäftsleute kein Zufall. Sie wollen nun ein offizielles Gutachten in Auftrag geben, um die Ursache klären zu lassen. Wenn nötig wollen sie auch einen Anwalt einschalten. Denn bislang schließt die Verwaltung jeden Zusammenhang zwischen Bauvorhaben und Wasserschäden aus.

 

Auch andere Gebäude nach Starkregen betroffen

„Die Stadt ignoriert einfach jedes Ergebnis“, moniert Michael Kienzl vom Stuttgarter Architekturbüro Plan Q. Er fungiert als Berater und Verwalter des am heftigsten betroffenen Hauses an der Esslinger Straße 2. Alleine am 27. Mai waren nach starken Regenfällen nach Angaben der Stuttgarter Berufsfeuerwehr zehn Einsatzkräfte fünf Stunden lang vor Ort, um das Wasser aus dem Keller des dort ansässigen türkischen Imbisses House of Kebab zu pumpen – laut Architekt Kienzl allein an diesem Tag rund 420 000 Liter. Nicht der einzige Fall, auch weitere Häuser und vor allem Geschäfte entlang der Esslinger Straße waren betroffen.

Der Grund ist für ihn schell gefunden: Die benachbarte Baustelle. Denn für die Errichtung des neuen Mobility Hub auf dem 3000 Quadratmeter großen Gelände des bisherigen Breuninger-Parkhauses musste nicht nur die B 14-Rampe zum Charlottenplatz gesperrt, sondern auch ein Abwasserkanal gekappt werden. „Jeder vernünftige Mensch sieht, dass das kein Zufall sein kann“, erläutert Kienzl. Schließlich gab es über Jahrzehnte hinweg in diesem Bereich keine Probleme.

Gerichtlicher Konflikt bahnt sich an

Inzwischen hat der Architekt auch Einsicht in Unterlagen erhalten, die aus seiner Sicht eindeutig belegen, dass die Überschwemmungen nicht durch einen gestiegenen Grundwasserspiegel verursacht wurden – wie von der Stadt immer wieder angedeutet. „Der Höhenunterschied zwischen Keller und Grundwasser beträgt knapp vier Meter. Auch bei stärksten Regenfällen kann der Pegel nicht so schnell ansteigen.“ Und auch ein Fehler an den Anschlüssen im Haus könne man, laut Kienzl, ausschließen. Eine private Rohrreinigungsfirma habe dies bereits untersucht und keine Fehler entdeckt. Das Problem: „Die Unterlagen stehen aufgrund eines Software-Fehlers nicht mehr zur Verfügung“. Deshalb müsse man dies noch einmal durchführen lassen.

Und der Architekt sieht sich zu einem weiteren Schritt gezwungen: „Wir werden ein Gutachten erstellen lassen – und wenn nötig auch einen Anwalt einschalten“, sagt er. Man scheue auch eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht. Denn bislang sind die Hauseigentümer auf den Kosten sitzen geblieben. „Die Versicherung bezahlt nicht“, betont der Architekt. Dabei sind die Schäden inzwischen enorm. „Das ist auch existenzgefährdend.“

Laut Stadt kein Zusammenhang mit der Baustelle

Die Versicherung beruft sich dabei auf die Aussagen der Stadt, wonach „ein Zusammenhang zwischen dem eindringenden Wasser im Keller und der Wasserhaltung auf der Baustelle des Mobility Hubs ausgeschlossen werden kann“, betont Jochen Merkle, der Sprecher des von der Stadt und Breuninger für das Projekt beauftragten Öffentlichkeitsunternehmens PresseCompany. Ebenso schließt die Verwaltung den abgetrennten Abwasserkanal und das dazugehörige Regenrückhaltebecken unter der B 14-Rampe als Ursache aus. Nach jetzigem Erkenntnisstand sei auch kein Leck in der Kanalisation in der Esslinger Straße zu erkennen. Um die tatsächliche Ursache für den Wassereintritt zu identifizieren, will das zuständige Amt für Stadtentwässerung Stuttgart (SES) aber „den entsprechenden Abschnitt der öffentlichen Kanalisation durch eine erneute Befahrung überprüfen“, verspricht Merkle.

Bis zum endgültigen Abschluss der Untersuchungen warnt die Stadt vor weiteren Spekulationen. Ob nun durch die Untersuchung der SES oder das eigene Gutachten, hoffen Kienzl und die Hauseigentümer inständig, schnell Ergebnisse zu erhalten, „sonst kommen immer weitere Schäden dazu“.