Frank Oppenländer (links) bei einem Beratungsgespräch am Tag der offenen Tür – immer mehr Menschen suchen Rat bei Haus und Grund. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Verein der Hauseigentümer und Vermieter in Stuttgart wirft der Mehrheit des Gemeinderats eine „eigentümerfeindliche Grundhaltung“ vor.

Stuttgart - Mit seinem Espresso-Wagen hat der Hausbesitzerverein Haus und Grund am Samstag beim Tag der offenen Tür ins Schwarze getroffen. In der Nachmittagssonne waren besonders die kalten Kaffeespezialitäten bei den Besuchern beliebt – wahrscheinlich auch deshalb, weil es sie umsonst gab. Doch es herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Die Sorge der Hauseigentümer vor ungebetenen Besuchern wächst.

„Hausbesetzungen wie kürzlich in Heslach betrachten viele Eigentümer mit Sorge“, sagt Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus und Grund. Kein Wunder: Die grün-rot-rote Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat habe eine „eigentümerfeindliche Grundhaltung“. Die Folge: Die Mitgliederzahlen bei Haus und Grund steigen.

7000 Rechtsberatungen für Eigentümer

Mit dem Tag der offenen Tür zieht der Verein einmal im Jahr alle Register, um weitere Mitglieder zu gewinnen. Wer am Aktionstag Mitglied wird, spart sich zum Beispiel die Aufnahmegebühr von 41 Euro. Die Beratungsleistungen gibt es an diesem Tag ebenfalls gratis.

„Wir bieten ein Produkt an, das auf Vertrauen basiert und nicht leicht zu vermitteln ist“, sagte Geschäftsführer Wecker. Am häufigsten werde die Rechtsberatung nachgefragt, sagt Pressesprecher Johannes Ohnesorg. Allein im vergangenen Jahr habe es 7000 Rechtsberatungen gegeben. Auch über Versicherungen, Bautechnik, Werteinschätzung oder energetische Sanierungen konnten sich Interessenten beraten lassen.

In der Gerokstraße 3, dem Sitz des Vereins, hoffte man auf weiteren Zuwachs. 86 Neumitglieder habe man beim letzten Tag der offenen Tür gewonnen, sagt Ulrich Wecker.

Der Zulauf ist groß

Insgesamt habe man in den vergangenen zehn Jahren einen Nettozuwachs von 3000 Mitgliedern verbuchen können, so Vereinsvorsitzender Klaus Lang – und das in einer Zeit, in der die meisten Vereine Mitglieder eher verlieren würden. Der 1902 gegründete Haus- und Grundbesitzerverein hat in Stuttgart mehr als 21 000 Mitglieder und ist damit nach München und Köln die drittgrößte Niederlassung in Deutschland.

Derzeit sei der Zulauf besonders groß. Ulrich Wecker glaubt den Grund zu kennen: Besitzer und Vermieter nehmen Haus und Grund als konsequente Interessenvertretung wahr in einer Zeit, in der sie vielen Anfeindungen ausgesetzt seien. Und das nicht erst seit der Hausbesetzung in der Wilhelm-Raabe-Straße in Heslach, wo zwei Wohnungen in Beschlag genommen worden waren.

Haus und Grund sieht die Stadt in der Pflicht, neues Bauland bereitzustellen. Man brauche bezahlbaren Wohnraum, so Klaus Lang, allerdings genauso ein Angebot für gut bezahlte Facharbeiter.

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