Es fehlt nur noch das Namenschild an der Fassade des Julius-Lusser-Hauses in der Strümpelbacher Straße 38. Foto: Mathias Kuhn

Auf Anregung des Bürgervereins Untertürkheim wird das Gebäude Strümpfelbacher Straße 38 nach Julius Lusser benannt. Mit der Namensgebung wird der frühere Ortsbaumeister an einem von ihm stammenden Gebäude gewürdigt. Der Namenszug soll im nächsten Jahr angebracht werden.

Untertürkheim - Auf Anregung des Bürgervereins Untertürkheim wird das Gebäude Strümpfelbacher Straße 38 nach Julius Lusser benannt. Mit der Namensgebung, der der Bezirksbeirat in seiner Sitzung zustimmte, wird der frühere Ortsbaumeister an einem von ihm stammenden Gebäude gewürdigt. Der Namenszug soll im nächsten Jahr angebracht werden.

Klaus Enslin, erster Vorsitzende des Bürgervereins, ist damit sehr zufrieden – seine ursprüngliche Idee, den Untertürkheimer Kelterplatz nach Julius Lusser zu benennen, scheiterte am bürokratischen Aufwand. Dem Gebäude in der Strümpfelbacher Straße, in dem der Kulturhausverein, der Kindertreff, der Bayernverein und die städtische Brennerei Räume nutzen, einen Namen zu geben, ist einfach umsetzbar. Dafür bedarf es keiner Adressänderung. „Es klingt doch auch gut: Kulturtreff im Julius-Lusser-Haus“, meint Enslin.

Öffentliche Würdigung

Ihm ist die öffentliche Würdigung des verdienten Untertürkheimer Bürgers eine Herzensangelegenheit. Denn mit seinen Bauten habe Julius Lusser bis heute das Bild des Wengerterorts geprägt, verdeutlichte die Sonderausstellung des Bürgervereins im vergangenen Jahr. Dabei hatte der 1845 in Heilbronn geborene und 1922 in Untertürkheim verstorbene Architekt lediglich wenige Jahre hier gewirkt. Es war der frühere Schultes Eduard Fiechtner, der Lusser nach Untertürkheim lockte. Dieser hatte zuvor fünf Jahre lang in Trossingen einen Stadtbahnhof und das E-Werk für den Betrieb der Zugstrecke gebaut. Lusser wurde 1900 zum Ortsbaumeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Untertürkheim ernannt und errichtete das Wasserkraftwerk an der Inselstraße, das heute noch Strom erzeugt und als ältestes kommunales Kraftwerk auch wegen seiner Architektur als Industriedenkmal geschützt ist.

Ortsbild geprägt

Mit seinem typischen Baustil, einer Kombination aus Ziegelstein und Fachwerk, prägte Lusser fortan das Ortsbild Untertürkheims. Neben zahlreichen Wohnhäusern ragt die Kelter der heutigen Weinmanufaktur als zweites markantes Zeugnis seiner Bautätigkeit und des Zusammenspiels mit Fiechtner heraus: Noch vor dem Zusammenschluss Untertürkheims und Stuttgarts im Jahr 1905 war es Fiechtner gelungen, die Genossenschaftswengerter vom Bau einer zeitgemäßen Kelter zu überzeugen. Lusser entwarf den 160 Meter langen Bau mit Stahlbetondecke – revolutionär für seine Zeit. Und auch das Gebäude in der Strümpfelbacher Straße 38, einst Gemeindehaus m it Frauenarbeitsschule, hatte er entworfen. Dort will der Bürgerverein nun ein beleuchtetes Namenschild und eine kleine Infotafel anbringen.

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