Über Esslingen war in der Nacht zum Montag ein lauter Knall zu hören, berichten Anwohner. Was war da los?
Bewohner der Esslinger Pliensauvorstadt, aber auch auf dem Zollberg, haben in der Nacht zum Montag gegen 1 Uhr einen lauten Knall vernommen. „Das ganze Haus hat gewackelt“, berichtet eine Anwohnerin in den sozialen Netzwerken über den Schreckmoment. Wie sie habe die halbe Nachbarschaft irritiert aus dem Fenster geschaut, um die Ursache zu ergründen. Gesehen hätten sie jedoch nichts. Zurück bleibt nun ein mulmiges Gefühl: Was war das?
Eine mögliche Gebäudeexplosion, so viel steht nach einem Anruf beim zuständigen Polizeipräsidium Reutlingen fest, war es nicht. Auch von einem eventuell leichtfertig gezündeten Böller oder einem gesprengten Zigarettenautomaten sei nichts bekannt. „Es hat keinen entsprechenden Einsatz in der Nacht gegeben“, informiert ein Sprecher der Behörde. Dort wisse man nicht mal etwas über einen lautstarken Knall in Esslingen – es seien diesbezüglich keinerlei Anrufe bei der Leitstelle eingegangen, berichtet er.
Auch die Vermutung, dass es sich bei dem kanonenschlagartigen Geräusch um einen Überschallknall gehandelt haben könnte, bestätigt sich nicht. Ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr verweist auf die Auswertung der Radardaten. Demnach habe es zwischen Mitternacht und 2 Uhr „keinen militärischen Flugbetrieb mit Überschallgeschwindigkeit im Bereich von 40 nautischen Meilen, das sind etwa 74,1 Kilometer, um Esslingen gegeben“.
Ein Überschallflug ist in der Nacht nicht üblich
Überschallflüge der Bundeswehr, die der Überprüfung der Funktion von Triebwerk, Steuerorganen und anderen Flugzeugsystemen unter allen vorgesehenen Einsatzparametern dienen, seien in der Nacht auch unüblich, fügt der Sprecher erklärend hinzu. Um die Auswirkungen dieser Flüge auf die Umwelt gering zu halten, würden bestimmte Zeitfenster gelten.
Demnach seien Überschallflüge von Montag bis Freitag (außer an Feiertagen) nur zwischen 8 und 20 Uhr zulässig, und das in einer Mindesthöhe von etwa 11.000 Metern. Zudem müssen sie vorher mit der radarüberwachenden Stelle koordiniert werden.
Was den Knall über Esslingen ausgelöst hat, bleibt also unklar. Ebenso wie die leichte Erschüttung, die die Bewohner des Stadtteils gespürt haben wollen. Laut dem Landeserdbebendienst Baden-Württemberg haben am vergangenen Sonntag zwar vier Messstationen im Südwesten sehr schwache Beben registriert, aber weit weg von Esslingen. In der Nacht zum Montag wurde keinerlei Erdbewegung aufgezeichnet.