Wolfgang Riehler (r.), der Präsident der Architekten Kammer, Foto: Häusser

Am Wochenende hat sich ein Preisgericht entschieden, welcher Architekt das Haus der Kirche in Degerloch konstruieren wird. Das ausgewählte Büro hat sich viele Gedanken dazu gemacht, wie sich das neue Gebäude in die Umgebung einfügt.

Degerloch - Die Preisrichter haben es sich offensichtlich nicht leicht gemacht. Am Freitagmorgen hatten sie ihre Arbeit aufgenommen. „Wir waren erst kurz vor dem Deutschlandspiel fertig“, sagte am Tag danach der Vorsitzende des 16-köpfigen Gremiums, Wolfgang Riehle, er ist der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg. Etwa 40 Arbeiten waren bei dem Architekturwettbewerb eingereicht worden. Nach einer ersten Sichtung durch das Büro Schreiberplan blieben acht übrig. Einer davon wurde jedoch vom Preisgericht sofort aussortiert. Das Büro hatte für seine Planung eine zu große Fläche in Anspruch genommen.

Auer und Weber belegen den ersten Platz

„Die Entscheidung fiel schließlich ziemlich eindeutig aus“, berichtete der Vorsitzende des Immobilienausschusses der Gesamtkirchengemeinde Degerloch, Peter Necker. Den ersten Platz, der mit 10 000 Euro dotiert ist, belegte der Entwurf von Auer und Weber, den zweiten Preis (7500 Euro) errang das Büro Kamm Architekten. Es sei nun an der Stadt, parallel zu den Detail- und Genehmigungsplanungen der evangelischen Kirche, den Agnes-Kneher-Platz zu entwickeln, sagte Necker, der davon ausgeht, dass mit dem Bau des neuen Gemeindezentrums bei der Michaelskirche frühestens Ende 2016 begonnen wird.

Das Haus der Kirche soll bekanntlich an Stelle der beiden Gebäude, die sich am Agnes-Kneher-Platz vor der Kirche befinden, entstehen. Dazu sollen die Häuser von der Stadt Stuttgart abgekauft und abgebrochen werden. Die Kosten für den Neubau werden auf etwa 3,4 Millionen Euro beziffert. Im Haus der Kirche werden eine Begegnungsstätte mit Café, Verwaltungsräume sowie ein großer und ein kleiner Saal für Veranstaltungen Platz finden.

Das neue Gebäude soll ins Umfeld passen

Dem Preisgericht, dem auch acht Architekten, darunter Baubürgermeister Matthias Hahn, angehörten, war es laut Protokoll besonders wichtig, dass das neue Gebäude zu den im Umfeld stehenden historischen Gebäuden passt. Demnach wurde insbesondere auf „einen respektvollen Umgang mit dem Ensemble Alte Scheune, Helene-Pfleiderer-Stiftung und Neubau Haus der Kirche sowie auf die Zurückhaltung des Gebäudes gegenüber der Michaelskirche Wert gelegt“.

Diese Vorgaben erfülle der Entwurf des Büros Auer und Weber sehr gut, sagte der Vorsitzende des Preisgerichts Riehle. Die Gestaltung des Gebäudes sei sehr dynamisch, der Entwurf bestehe nicht auf rechte Winkel. Das Haus schmiege sich gut an die Kirche an. Es bleibe sogar ein kleiner Hof zwischen beiden Gebäuden übrig. „Außerdem wird der Kirchgarten nicht so stark angeknabbert“, sagte Riehle. Dem Preisgericht habe außerdem imponiert, dass das Foyer eine gute Verbindung zwischen der Begegnungsstätte und den Sälen herstelle. Dieser Hauptzugang zum Gebäude liege deshalb zwischen den beiden Funktionseinheiten in Richtung Agnes-Kneher-Platz, erklärte der Vorsitzende des Preisgerichts.

Der große Saal kommt der luftig daher

Bemängelt worden sei, dass die Begegnungsstätte keinen Zugang zum Marktplatz habe. „Das haben wir deshalb als Änderungsvorschlag festgehalten“, sagte Riehle. Den Preisrichtern habe außerdem gut gefallen, dass der große Saal durch seine doppelte Raumhöhe sehr luftig daherkomme.

Dieser Punkt sei beim Entwurf von Kamm Architekten nicht gut gelöst. Dort fehle die Öffnung des großen Saals nach oben. Außerdem sei das Foyer in Form eines Kreuzgangs angelegt. „Dadurch werden die Wege für die Besucher sehr lang“, sagte Riehle. Die Funktionseinheiten seien außerdem nicht so gut miteinander verbunden wie beim Siegerentwurf.

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