Wie die Profis: Handschuhe sind Pflicht für kleine und große Geschichtsforscher. Foto: Böhm

Im Haus der Geschichte in Stuttgart-Mitte haben Kinder eine Zeitreise zu ihren Altersgenossen vergangener Zeiten gemacht. Das Thema lautete „Spielen gestern und heute“, eine ungewöhnliche Zeitreise.

S-Mitte - Warum ist die Uniformjacke so klein? Wieso steht ein Rezept auf dem Sandförmchen? Und was für ein Geheimnis verbirgt sich in den großen Schwarzwald-Baumstämmen? Antworten auf diese und mehr Fragen bekamen rund 20 Teilnehmer bei der Familienführung am Sonntagnachmittag im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Das Thema: „Spielen gestern und heute“.

„Jetzt zeige ich euch, was ich in der Schatzkiste habe, aber dazu müsst ihr Handschuhe anziehen – wie kleine Geschichtsforscher“, sagt Michael Schoberth zu den Kindern. Die Handschuhe seinen wichtig, weil die Altertümchen sonst durch die Feuchtigkeit und das Fett an den Fingerspitzen leiden würden.

Der Schatz: Förmchen aus Konservendosen

Kaum sind die Vorbereitungen abgeschlossen, beginnt das Rätselraten, was sich wohl in den Beuteln befindet. „Ein Schälchen?“ „Ein Kieselstein?“ „Ein Frisbee?“ Heraus kommen kleine Metallförmchen mit Zackenrand. Schoberth erklärt den jungen Forschern: Auch wenn sie so aussehen, richtige Backförmchen sind das nicht. Dafür ist das Metall zu dünn. Also, was könnte es dann sein?

„Nun, mit was backst Du denn Kuchen?“, fragt ein Vater sein Kind. „Mit Eiern“, kommt die prompte Antwort. Mag sein, aber passt hier nicht ganz. Es sind Sandförmchen. Außergewöhnliche, denn auf einigen Rückseiten ist ein englisches Rezept eingeritzt. Die Erklärung: Die Förmchen hat eine Schorndorfer Firma aus alten Konservendosen hergestellt.

Die Zeitreise beginnt aber eigentlich schon früher, an einer merkwürdig kleinen Militäruniform aus der Kaiserzeit. Sie gehörte einmal einem Jungen, vielleicht acht bis zehn Jahre alt. In der Vitrine gibt es ein Foto von einem Knaben, der eine solche Uniform trägt – beim Familienausflug am Sonntag. „Was tragt Ihr sonntags?“, fragt Schoberth in die Runde. „Bequeme Schuhe“, antwortet ein Junge. Michael Schoberth erklärt: „Damals war es für Jungs ganz schick, wie ein Soldat auszusehen.“ Die Uniform aus dem Jahr 1900 stellt einen Unteroffizier des 1. Badischen Leib-Dragoner-Regiments dar. Zum Teil gab es sogar Orden für die Kinder-Uniformen.

Zeitreise für kleine Geschichtsforscher und Spielbegeisterte

Vorbei geht es am ersten Skifahrer-Film von 1920, der in einem der dicken Schwarzwaldstämme zu sehen ist, hin zum Raum mit den wirtschaftlichen Errungenschaften des deutschen Südwestens. Hier erkennen die Kinder gleich eine ganze Menge wieder. Da sind Lurchi und seine Freunde von Salamander, die Modelleisenbahnen von Märklin, die Teddys von Steiff, Fischertechnik, viele Spiele von Ravensburger und – zwar nicht zum Spielen, aber doch sehr interessant – einige Tafeln Ritter Sport. Bei einer Runde Tipp-Kick mit Figuren aus Schoberths Schatzkiste und einer kleinen Militär-Parade in Anlehnung an die Kaiserzeit klingt der Rundgang schließlich aus.

Die gedankliche Zeitreise zum Thema Spielzeug sei die erste und vermutlich auch die letzte, erklärt Schoberth hinterher. Das Thema der Familienführung, zu der sich meist rund 20 Teilnehmer zusammenfinden, wechsele immer. Zuletzt ging es im Februar um Kostüme. Was nach dem Spielzeug komme, wisse er zurzeit noch nicht. Erwachsene zahlen für die Familienführungen vier Euro, Kinder einen Euro.

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