Patrick Siben kämpft für ein „Faustmaß an Vernunft“ in Sachen Corona. Foto: privat

Während sich die einen, wie die diakonische Einrichtung, Sorgen wegen neuer Infektionen machen, demonstrieren andere, wie der Murrhardter Musiker Patrick Siben, für mehr Freiheiten in Coronazeiten.

Waiblingen/Murrhardt - Aufatmen in der einen Einrichtung, Sorgen in der anderen. Während nach der Infektion eines Pflegeheimbewohners der Erlacher Höhe in Großerlach die nun vollständig vorliegenden Testergebnisse keinen weiteren Coronafall ergeben haben, meldet die diakonische Einrichtung schlechte Nachrichten aus dem Haus an der Rems im Waiblinger Teilort Beinstein. Dort sei ein Bewohner am Samstag positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Coronatests bei 37 Bewohnern und Mitarbeitern

Der 52-Jährige befinde sich in der Einrichtung für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen nun in Quarantäne. In enger Absprache mit dem Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises seien alle vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen ergriffen worden. Am Dienstag und Mittwoch seien von 37 weiteren Bewohnern und Mitarbeitern der Einrichtung Abstriche gemacht worden. Die Ergebnisse werden für Ende der Woche erwartet.

Diese liegen im Fall des 76-jährigen Pflegeheimbewohners in Großerlach nun vollständig vor: Alle Ergebnisse sind offenbar negativ. Insgesamt seien 126 Bewohner sowie 69 Mitarbeiter im Umfeld der Abteilung Soziale Heimstätte Erlach getestet worden, zu der neben dem Pflegeheim auch die stationäre Wohnungslosenhilfe in Großerlach gehört. Der 76-Jährige Bewohner befinde sich weiterhin in der Obhut eines Krankenhauses.

„Dass alle 195 Testergebnisse negativ ausfallen, hatten wir vor einer Woche noch nicht zu hoffen gewagt“, sagt der Heimleiter Karl-Michael Mayer erleichtert. Der Fall sei ein Stresstest für das System gewesen, der die Teams in höchstem Maß sensibilisiert habe.

In einem privaten Pflegeheim in Schorndorf hatte eine Infektion zuletzt hingegen ungleich weitere Kreise gezogen. Von den 39 Bewohnern, die vor der Corona-Krise im Haus Röder lebten, steckten sich fast alle an, innerhalb weniger Wochen starben 15 Menschen, mindestens 13 von ihnen waren infiziert.

Bisher 77 Corona-Tote im Kreis

Das Waiblinger Landratsamt vermeldet in seiner jüngsten Statistik zu den Corona-Zahlen – Stand Mittwochabend, 20. Mai – insgesamt 77 Verstorbene „mit positivem Sars-CoV2-Befund“. Bei insgesamt 1521 Personen im Rems-Murr-Kreis wurde das Coronavirus entdeckt, 1351 davon sind bereits wieder aus der Quarantäne entlassen.

In den vergangenen sieben Tagen sind im Rems-Murr-Kreis der Statistik zufolge 55 Neuinfektionen registriert worden. Bund und Land haben die kritische Größe, bei der eine Rücknahme von Lockerungen der Corona-Auflagen angeordnet werden soll, auf 50 pro 100 000 Einwohner festgelegt. Im Rems-Murr-Kreis mit seinen knapp 427 000 Einwohnern wäre diese Grenze bei 213 Infizierten innerhalb von einer Woche erreicht. Die sogenannte Stufe Gelb, bei der das von der Landesregierung beschlossene Frühwarnsystem das Einleiten von Maßnahmen vorsieht, beginnt bei 35 Infizierten pro 100 000 Einwohnern. Für den Rems-Murr-Kreis bedeutet diese Grenze 150 Personen.

Künstlerprotest am Backnanger Murrufer

Unterdessen gehen auch im Rems-Murr-Kreis die Proteste gegen nach wie vor bestehende Auflagen weiter. So lädt beispielsweise der Murrhardter Musiker Patrick Siben für diesen Freitag, 22. Mai, zu einer politischen Kundgebung nach Backnang ein. Von 18 Uhr an will der Kapellmeister der Stuttgarter Saloniker zusammen mit Mitstreitern gegen Benachteiligungen von Künstlern durch die Corona-Verordnung und für ein „Corona-Übertragungsfreies-Concert-Concept“ (Cococo) sowie ein „Faustmaß an Vernunft“ demonstrieren. Am Himmelfahrtstag hat er Gleiches bereits auf der Wiese vor dem Kursaal Stuttgart-Bad-Cannstatt getan.

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