Haus am Killesberg Senioren wehren sich gegen Heim-Abriss

Von Eva Funke 

Das Seniorenzentrum am Killesberg soll durch einen Neubau ersetzt werden. Dagegen setzen sich die Bewohner zur Wehr Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Das Seniorenzentrum am Killesberg soll durch einen Neubau ersetzt werden. Dagegen setzen sich die Bewohner zur Wehr Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die meisten Bewohner im Seniorenzentrum am Killesberg in Stuttgart sind 80 Jahre alt, manche sogar schon über 90. Nun sollen sie umziehen – und wehren sich. Dabei setzen sie auf die Stadt.

Stuttgart - Sie haben Unterschriften gesammelt – und alle, die noch in der Lage dazu sind, haben unterschrieben. Sie haben Bittbriefe an die Bürgermeister aufgesetzt und Stadträte eingeladen, sich vor Ort ein Bild von ihrem Seniorenzentrum in der Lehnbachstraße am Killesberg zu machen. Und das, obwohl die meisten über 80 Jahre alt sind, manche sogar schon über 90. So zum Beispiel die 92-jährige Erika Moik, Sprecherin des Bewohnerbeirats. Sie sagt: „Der Umzug ins Seniorenzentrum ist allen schwer gefallen. Dazu entschlossen haben wir uns in der Hoffnung, im Haus auf dem Killesberg in Ruhe und Frieden sterben zu können.“

Angst vor der Zukunft treibt die Heimbewohner um

Mit der Ruhe und dem Frieden ist es nun vorbei. Angst vor der Zukunft treibt die Bewohner der vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betriebenen Wohnanlage um. Denn das DRK will den in den 70er Jahren von Otto und Edith Mühlschlegel gestifteten Komplex mit 78 Pflegeplätzen und 69 Appartements im betreuten Wohnen abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Heimbewohner sollen in ein neues Gebäude auf dem weniger attraktiven Roser-Areal umziehen – mit der Option, zurück in die Lehnbachstraße zu können, wenn der Neubau dort fertig ist. „Bis zum August 2017 sollen unsere Wohnungen geräumt sein“, sagt Erika Moik und versichert: „Mich bekommen die hier nur mit der Polizei raus.“ Das Versprechen, in zwei Jahren wieder zurück zu können, halten die Bewohner für reinen Sarkasmus. Denn viele seien dann bereits „unter der Erde“. Außerdem werde der Neubau sowieso nicht in zwei Jahren fertig.

Einige Senioren im betreuten Wohnen haben Ehepartner im Pflegebereich. Die sollen laut Erika Moik auf unterschiedlich Pflegeheime im Stadtgebiet verteilt werden, da im Neubau auf dem Roser-Areal keine Pflegestation vorgesehen sei. Ein 90-Jähriger, dessen Gattin auf der Pflegestation lebt, sagt: „Es kann doch nicht sein, dass wir nach 62 Ehejahren auseinandergerissen werden. Ich lasse meine Frau nicht im Stich.“

Lesen Sie jetzt