Vorstandsvorsitzender Georg Stamatelopoulos bei der EnBW Bilanzpressekonferenz in Stuttgart (Archivbild). Foto: Eberl,Jörg/actionpress

Vorstandschef Georg Stamatelopoulos rechtfertigt die Strategie der EnBW und verspricht stabile Energiepreise. Kritische Aktionäre werfen dem Unternehmen fossilen Rückschritt vor.

Die Energiewende ist der richtige Weg, aber man muss ihn auch richtig gehen – mit dieser Botschaft hat EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos am Donnerstag auf der virtuellen Hauptversammlung des Energiekonzerns für eine umstrittene Strategie geworben. Im Zentrum steht der massive Ausbau von Gaskraftwerken, die später mit grünem Wasserstoff betrieben werden sollen.

 

„Das ist überhaupt kein Rückschritt in eine fossile Welt“, verteidigte Stamatelopoulos die Pläne. Die neuen Kraftwerke würden von Anfang an so gebaut, dass sie auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden könnten und damit klimaneutral liefen. „Genauso CO₂-frei wie Wind- und Solaranlagen.“

Gaskraftwerke gegen Dunkelflauten

Der Konzernchef begründete die Notwendigkeit der Gaskraftwerke mit der Versorgungssicherheit bei längeren „Dunkelflauten“, wenn weder Sonne noch Wind Strom liefern. Batteriespeicher allein reichten dafür nicht aus. „Beide Technologien ergänzen sich“, sagte Stamatelopoulos. Während Batteriespeicher für kurzfristige Lastverschiebungen innerhalb weniger Stunden geeignet seien, seien Gaskraftwerke bei längeren Dunkelflauten unverzichtbar.

Während Chef Stamatelopoulos Versorgungssicherheit beschwört, fordern kritische Aktionäre die Verweigerung der Vorstandsentlastung. Foto: dpa

Die EnBW plant aktuell den Bau von Gaskraftwerken mit einer Gesamtleistung von mehr als zwei Gigawatt. Bereits im vergangenen Jahr ging in Stuttgart-Münster eine neue Gasturbinenanlage in Betrieb. Zwei weitere Standorte in Altbach/Deizisau und Heilbronn sollen Ende 2027 folgen.

Stamatelopoulos: „EnBW ist der Fels in der Brandung“

Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage und der geopolitischen Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten und aktuell im Iran bezeichnete Stamatelopoulos die EnBW als „Fels in der Brandung“. Das Unternehmen sei „gesund und ertragsstark, auch in diesen äußerst schwierigen Zeiten“.

Die Sperrung der Straße von Hormus als Folge des Iran-Krieges habe zwar zu steigenden Energiepreisen geführt. „Das wird an den Zapfsäulen schmerzlich erfahrbar“, räumte der Konzernchef ein. Die Versorgungslage sei derzeit angespannt, „aber bis jetzt nicht akut kritisch“. Anders als zu Beginn der Ukraine-Krise vor vier Jahren sei Deutschland heute bei Gas deutlich diversifizierter aufgestellt und nicht mehr von einzelnen Lieferanten abhängig.

Kunden vor Preissprüngen geschützt

Wichtig für die EnBW-Kunden sei, dass der Konzern die benötigte Energie lange im Voraus einkaufe. „Kurzfristige Preisschwankungen wirken sich daher nicht unmittelbar auf unsere Endkunden aus“, erklärte Stamatelopoulos.

Die Kunden seien vor kurzfristigen Preissprüngen geschützt. Zu Jahresbeginn hatte die EnBW die Strompreise für einen Durchschnittshaushalt um zwölf Prozent und die Gaspreise um über 14 Prozent gesenkt.

Ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk der EnBW in Stuttgart Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne), der dem EnBW-Aufsichtsrat angehört, würdigte die Strategie des Konzerns. „Die EnBW verbindet Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wettbewerbsfähige Energiepreise“, sagte Bayaz. Damit sich die Investitionen auch künftig rechneten, brauche es „vor allem Verlässlichkeit und Tempo von der Bundesregierung“.

Kritik von Umweltverbänden

Scharfe Kritik an der EnBW-Strategie kam dagegen von Umweltverbänden und kritischen Aktionären. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre brachte einen Gegenantrag ein, um dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Der Vorstand komme „weiterhin nicht seiner Verantwortung nach, wirksamere Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen“, hieß es zur Begründung.

Die Kritiker werfen der EnBW vor, den Anteil von Kohle an der Stromerzeugung zuletzt deutlich erhöht zu haben. Zudem richte der Konzern seinen strategischen Fokus zunehmend auf den Ausbau des fossilen Gasgeschäfts.

Auch die LNG-Geschäfte stehen in der Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe hat Beschwerde gegen die EnBW beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingereicht. Gegenstand sind Lieferverträge mit dem US-Unternehmen Venture Global, das Fracking-Gas exportiert, sowie mit dem Staatskonzern ADNOC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Rekordinvestitionen und höhere Dividende

Wirtschaftlich legte die EnBW ein erfolgreiches Jahr vor. Das operative Ergebnis (Adjusted EBITDA) erreichte mit 5,1 Milliarden Euro das angestrebte Ziel. „Früher redeten wir über ein EBITDA zwischen zwei und 2,5 Milliarden Euro, heute reden wir über rund fünf Milliarden, also dem doppelten Ergebnis“, sagte Stamatelopoulos. „Wir spielen heute in einer anderen Liga.“

Die Investitionen stiegen auf den Rekordwert von 7,6 Milliarden Euro – ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 87 Prozent flossen in Wachstumsprojekte, vor allem in den Ausbau der Netze und der erneuerbaren Energien. Bei Wind und Solar gelang 2025 ein Rekordzubau von 800 Megawatt. Inzwischen stammen rund 66 Prozent der installierten Leistung aus erneuerbaren Energien. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 75 bis 80 Prozent steigen.

Den Aktionären schlägt der Vorstand eine Dividende von 1,70 Euro je Aktie vor – ein Rekord für die EnBW und sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2026 rechnet der Konzern mit einem operativen Ergebnis zwischen 4,6 und 5,1 Milliarden Euro.