Fondsmanager kritisieren beim virtuellen Aktionärstreffen, dass sich der Stuttgarter Autohersteller zu stark auf hochpreisige Fahrzeuge fokussiere. Mercedes-Chef Ola Källenius sieht den Konzern indes auf dem richtigen Weg.
Die beschwingte Musik kurz vor Beginn der Mercedes-Benz Hauptversammlung und ein Werbevideo, dass einem Blockbuster-Trailer in nichts nach steht, wollen nicht so recht zu der eigentlichen Umgebung passen, in dem sich Vorstände, Aufsichtsräte und Investoren treffen – virtuell, vor Bildschirmen. Der Unmut aufseiten der Aktionäre, dass die Veranstaltung nicht in Präsenz stattfindet, war jedenfalls deutlich und kam bereits in den Jahren zuvor zur Sprache. Nur geändert hat sich daran bisher nichts. Ähnlich sieht es mit der Unternehmensstrategie des Autobauers aus: Manager und Aktionäre sind unterschiedlicher Auffassung.
Mercedes musste einen Gewinneinbruch im vergangenem Jahr hinnehmen, der sich auch im ersten Quartal 2025 fortsetzte. Moritz Kronenberger, Fondsmanager bei Union Invest, stellte fest, dass es „immer ungemütlicher“ für den Stuttgarter Automobilhersteller werde. „Absatz, Umsatz, Marge, Free Cashflow und Gewinn“ seien im Sinkflug. Und er fügte hinzu, dass dies „ein Absturz mit Ansage“ sei: „China läuft nicht, „Electric only“ läuft nicht, USA läuft nicht“. Dennoch setzte Mercedes-Chef Ola Källenius unverdrossen auf Luxus.
Kritik an Mercedes: Luxus-Strategie und schwache Elektro-Modelle
Ähnlich klingt die Kritik von Ingo Speich, Sprecher für die Fondsgesellschaft Deka Investment: „Die Luxus-Strategie hat bisher nicht gezündet, Herr Källenius.“ Wunsch und Wirklichkeit des Mercedes-Managements lägen immer weiter auseinander. Ein Hauptkritikpunkt sind die schlechten Verkaufszahlen der elektrischen Modelle EQS und EQE. Diese sind bei den Kunden nicht gut angekommen. Speich merkte an, dass dieser Fehler immerhin korrigiert worden sei. „Die Angleichung des Designs von Verbrennern und Elektrofahrzeugen sowie die anstehenden neuen Produkte sind vielversprechend“, findet der Deka-Invest-Sprecher. Die künftige Design-Strategie von Mercedes sieht vor, dass sich Kunden zuerst für ein Modell und dann für den Antrieb entscheiden, da sich die Fahrzeuge vom Design kaum unterscheiden werden, beginnend mit dem neuen CLA, den es in der elektrischen und hybriden Variante gibt.
Investor: Finale Chance, Mercedes in die Elektrowelt zu bringen
Der CLA markiert die neue Einsteigerklasse bei Mercedes-Benz, nachdem sich der Konzern von der A- und B-Klasse verabschiedet hat. In der Basisversion soll die elektrische Kompaktklasse rund 55 000 Euro kosten. Union-Invest-Sprecher Kronenberger fragte Källenius: „Was machen Sie, wenn der neue CLA aufgrund zu hoher Preisvorstellungen zum Einstieg die Absatzziele verfehlt?“ Auch Ricardo Wintzer, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, treibt die Frage um, wie es um eine E-Strategie von kleineren, erschwinglichen Autos steht. Er spricht überwiegend für Einzel- und Kleinaktionäre. Für den Deka-Sprecher steht fest: „Es ist Ihre finale Chance, Mercedes in die Elektrowelt zu bringen und langfristiges profitables Wachstum zu sichern“, so Speich an die Adresse des Mercedes-Chefs. Er müsse den Stern und die Kunden elektrisieren. Und: er traue ihm das auch zu. Bei der anschließenden Abstimmung gab es großen Rückhalt für die Unternehmensführung, trotz der kritischen Wortmeldungen. Mit einer Zustimmung von mehr als 99 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre entlasteten sie die Vorstände.
Mercedes setzt auf Produktoffensive
Källenius lies keinen Zweifel aufkommen, dass sich an dem Fokus auf hochpreisige, margenträchtige Fahrzeuge aus dem Premiumsegment etwas ändern werde. Fast gebetsmühlenartig antwortete Källenius auf die Fragen zu Absatzschwäche, dass der Konzern wahlweise das „größte Produktfeuerwerk“ oder die „größte Produktoffensive“ starten werde. Beginnend mit dem neuen CLA, über den neuen GLE, einer grundlegend überarbeiteten S-Klasse, einer elektrischen E-Klasse bis hin zu der jüngst vorgestellten V-Klasse, die zur Luxus-Limousine wird.
Mercedes-Aktionär fordert realistische Prognosen
Roland Klose, Sprecher der größten deutschen Aktionärsvereinigung (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, DSW), hält am Prinzip Hoffnung fest. Zum einen, dass sich insgesamt die Weltlage entspanne. Und zum anderen, dass der Vorstand in absehbarer Zeit fähig sei, eine realistische Prognose für das Geschäftsjahr abzugeben.