Der Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn Foto: dpa

Der Hauptstadtflughafen bringt Mehdorn in Bedrängnis. Der Ärger bei Bund und Ländern ist groß, doch Berlins Regierender Bürgermeister hat Vertrauen in den Flughafenchef.

Der Hauptstadtflughafen bringt Mehdorn in Bedrängnis. Der Ärger bei Bund und Ländern ist groß, doch Berlins Regierender Bürgermeister hat Vertrauen in den Flughafenchef.

Berlin - Nach tagelangen Querelen am neuen Hauptstadtflughafen hat sich der Aufsichtsratschef vor den umstrittenen Geschäftsführer Hartmut Mehdorn gestellt. „Herr Mehdorn hat unser Vertrauen. Und er ackert mit allen Kräften, dass tatsächlich dieses Projekt zum Erfolg geführt wird“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Freitag nach einem Krisentreffen in Berlin.

Mehdorn bestätigte unterdessen Schätzungen, nach denen das Milliardenprojekt noch einmal deutlich teurer wird. „Wir stehen da heute bei 4,2 (Milliarden Euro), wir werden da etwas über 5 kommen“, sagte Mehdorn am Freitag der Hörfunkwelle HR-Info. Bislang hat Mehdorn aber keinen Kostenplan vorgelegt, weil auch der Eröffnungstermin noch offen ist.

Wowereit: "Wir sind uns einig, dass wir ein gemeinsames Ziel haben"

An dem Krisentreffen im Roten Rathaus nahmen auch Vertreter Brandenburgs und des Bundes teil. „Wir sind uns einig, dass wir ein gemeinsames Ziel haben: den Flughafen so schnell wie möglich fertigzustellen. Da gibt es keinen Dissens“, sagte Wowereit.

Mehdorn hatte bei den Flughafen-Eigentümern für Unmut gesorgt, weil er sie für die Absage wichtiger Vorhaben auf der Baustelle des drittgrößten deutschen Flughafens verantwortlich machte. Der frühere Bahnchef geriet daraufhin für sein Krisenmanagement in die Kritik.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte laut Staatskanzlei nach dem Treffen das Ziel, den Flughafen schnell betriebsbereit zu machen. „Daran arbeiten wir alle mit großem Engagement. Das hat sich heute noch einmal gezeigt.“ Anders als der Bund und Berlin verzichtete er auf den Hinweis, Mehdorn genieße sein Vertrauen. Woidke sitzt aber auch nicht im Flughafen-Aufsichtsrat.

Mehdorn gibt Behörden die Schuld

Er hatte es begrüßt, dass Mehdorn die geplante Sanierung der nördlichen Rollbahn verschiebt, um zuvor für mehr Schallschutz bei den Anwohner zu sorgen. Mehdorn dagegen hatte den Behörden in Brandenburg vorgeworfen, das Projekt mit kurzfristigen neuen Vorgaben weiter zu verzögern. Die Brandenburger wählen im September einen neuen Landtag.

Der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba (CDU) hatte vor dem Treffen gesagt, Mehdorn habe nach den Querelen etwas gut zu machen. Das Ministerium forderte einen verbindlichen Zeit- und Kostenplan.

Wowereit sagte, auch bei der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats werde kein Eröffnungstermin genannt. Zu Mehdorns Warnung, dass die ersten Flugzeuge vielleicht erst 2016 an Deutschlands drittgrößtem Flughafen abheben, sagte der Aufsichtsratschef: „Es kann auch ein anderes Jahr werden. Auch vielleicht schon 2015 - wir werden es sehen.“

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD) sagte: „Ich würde keinen Cent darauf wetten, dass der Flughafen tatsächlich 2016 eröffnet wird.“ Die Gesamtverantwortung trage Mehdorn, er könne nicht immer alles auf den Aufsichtsrat schieben, sagte Burkert der „Augsburger Allgemeinen“.

Der Chef des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piratenpartei), forderte, den im Herbst abgesetzten Technikchef Horst Amann wieder ins Amt zu holen. Notwendig sei eine von Mehdorn unabhängige technische Leitung, sagte Delius „Handelsblatt Online".

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