Der Eingang zur Großen Schalterhalle des Hauptbahnhofs vom Arnulf-Klett-Platz aus ist gesperrt. Die Halle wird saniert, das dauert länger als ursprünglich gedacht. Reisende müssen Umwege laufen. Foto: Christian Milankovic

Die Deutsche Bahn sperrt die große Schalterhalle am Hauptbahnhof länger als angekündigt. Die Bausubstanz sei schlechter als erwartet. Für Reisende bleibt es damit bei den Umwegen.

Parallel zum Bau von Stuttgart 21 saniert die Deutsche Bahn das historische Empfangsgebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs, den nach dem Erbauer benannten Bonatzbau. Beide Großbaustellen in Kombination schicken die Reisenden auf lange Umwege. Von der DB selbst geweckte Hoffnungen auf kürzere Wege von April an haben sich zerschlagen.

 

Anfang April 2025 sperrte die DB die Schalterhalle, die die kürzeste Verbindung zwischen der Klett-Passage – und damit auch der Stadtbahnhaltestelle – und dem Eingang zum überdachten Weg zum Kopfbahnhof darstellt. Wegen der dort stattfindenden Rohbauarbeiten müsse die Schalterhalle „voraussichtlich für ein Jahr gesperrt werden“, teilte die DB damals mit, verbunden mit der Zusage, man drücke aufs Tempo.

Doch die Bausubstanz des mehr als 100 Jahre alten und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Empfangsgebäudes hat den Zeitplan zunichte gemacht. „Aufgrund des erforderlichen größeren Sanierungsaufwands, der bei historischen Gebäuden dieser Art nicht ungewöhnlich ist, dauern die Arbeiten in der große Schalterhalle noch an“, sagt ein Bahnsprecher. Die vorgefundene Bausubstanz habe oft nicht den Plänen entsprochen. „Zudem war wie zuvor in den übrigen Gebäudeteilen in der Großen Schalterhalle das tatsächliche Ausmaß des Sanierungsbedarfs erst nach Sperrung des Bereichs erkennbar.“

Darüber hinaus muss das sanierte Bauwerk dem Stand der Technik entsprechen. Es habe sich aber „einmal mehr herausgestellt, dass selbst die intakte Bausubstanz in Teilen nicht mehr aktuellen Regelwerken entspricht“, sagt der Bahnsprecher. Teilweise habe man tragende Elemente zurückbauen müssen. Eine große „Raumfachwerkkonstruktion“ habe in dieser Zeit das Gebäude gestützt. Das Gerüst sei nun wieder abgebaut. „Den Erdaushub, den Rückbau ehemaliger, in Zukunft nicht mehr benötigter Kellerräume sowie den überwiegenden Teil des Rohbaus haben wir abgeschlossen.“ Derzeit saniere man die Fenster und die Fassaden, „deren Substanz in Teilen stärker beschädigt ist, als bisher erkennbar war.“ Als Nächstes würden Rolltreppen und Tore instandgesetzt, Geländer und Brüstungen neu gebaut. Zudem erhalte die Halle einen neuen Bodenbelag und eine neue Dachabdichtung.

Die Frage, bis wann die Schalterhalle für Reisende wieder freigegeben wird, beantwortet der Bahnsprecher unter Hinweis auf die weiterhin unklare Zeitschiene bei Stuttgart21 nur unkonkret. Man sei beauftragt, „bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept für S21 zu erarbeiten und mit allen Projektpartnern verbindlich abzustimmen. Das schließt die Nutzung des Bonatzbaus ein“. Immerhin zeigt sich die DB gewillt, den Halle dann wieder dauerhaft zur Verfügung zu stellen. „Nach der Eröffnung sind voraussichtlich keine wesentlichen Sperrungen erforderlich.“