Hattenhofen bemüht sich seit vielen Jahren verstärkt um den Klimaschutz. Foto: Horst Rudel

Hattenhofen holt zum zweiten Mal den European Energy Award und macht vor, dass auch eine Gemeinde mit weniger als 5000 Einwohnern die Themen Ökologie und Energiesparen erfolgreich auf ihre Agenda heben kann.

Hattenhofen - Die Voralbgemeinde Hattenhofen erhält zum zweiten Mal den European Energy Award (EEA). Am nächsten Dienstag fährt der Bürgermeister Jochen Reutter nach Tübingen, um die Auszeichnung entgegenzunehmen. Wenn es nach ihm geht, will er es in ein paar Jahren noch ein weiteres Mal wissen – nicht zuletzt, um zu sehen, ob die Gemeinde das Niveau gehalten oder vielleicht sogar noch zugelegt hat. „Der Ehrgeiz ist schon da“, sagt er. Und den brauche m an, da die Teilnahme am EEA sehr viel Arbeit bedeute.

Viel Spielraum sieht er allerdings nicht mehr. Die knapp 3000 Einwohner zählende Kommune sei in der Zwischenzeit an einem Punkt angelangt, an dem sie an Grenzen stoße. „Einen Riesensprung kann man machen, wenn ein Windpark auf der Gemarkung entsteht, das steht bei uns nicht an“, sagt Reutter. Es gebe aber noch ein paar Stellschrauben, an denen gedreht werden könne. Unter anderem will der Bürgermeister in der nächsten Zeit das Thema Flächenentsiegelung angehen. „Die Hofzufahrten müssen ja nicht unbedingt asphaltiert sein“, findet er. Ferner will er dafür werben, dass die Bürger vermehrt Bioabfälle getrennt sammeln und außerdem Wasser sparen.

65 von möglichen 100 Punkten

„Einen Titel zu bekommen ist gut, aber es ist schwierig, ihn zu verteidigen“, sagt Reutter. Er ist stolz, dass Hattenhofen nun zum zweiten Mal für seine Bemühungen um den Klimaschutz ausgezeichnet wird. Das erste Mal wurde der Ort im Jahr 2014 zertifiziert – als erster im Kreis Göppingen übrigens und mit 62 von 100 möglichen Punkten. Nun hat die Gemeinde noch eine Schippe draufgelegt und im Ranking 65 Punkte erzielt. Noch zehn Punkte mehr, dann hätte es zu einem European Energy Award in Gold gereicht. Dies sei für eine Kommune in der Größe Hattenhofens beachtlich, findet Reutter.

Bei Null musste die Voralbgemeinde nicht anfangen. Hattenhofen führte schon vor vielen Jahren die erste ökologische Flurbereinigung im Land durch. Auch förderte der Ort bereits Streuobstwiesen, als anderswo noch nicht einmal daran gedacht wurde. Einen weiteren Schub bekam das Thema Klimaschutz im Jahr 1993, als Hattenhofen dem weltweiten Bündnis Alianza del Clima beitrat. In der Folge entstand ein Niedrigenergiewohngebiet, die Straßenbeleuchtung wurde auf Strom sparende Leuchtmittel umgestellt, und es gab Zuschüsse für Solaranlagen und Zisternen, um nur ein paar Punkte zu nennen.

Gebäude beispielhaft saniert

Auch ihre eigenen Immobilien nahm die Gemeinde unter die Lupe. Allein auf diesem Sektor werden ihr im EEA-Bericht 53 von 65 möglichen Punkten attestiert. Seit Jahren wird der Energieverbrauch der Gebäude erfasst. Besonders hervorgehoben wird, dass die Kommune viele ihrer Immobilien „beispielhaft“ sanierte, wie die Sillerhalle, das Rathaus und auch die Grundschule. Berücksichtigt wurde ferner das „Besondere Haus“, ein Mehrgenerationenhaus in Effizienzbauweise.

Zu Buche schlug bei der Bewertung ferner, dass die sechs Kommunen des Gemeindeverwaltungsverbandes Raum Bad Boll, zu denen auch Hattenhofen gehört, gemeinsam eine Nachhaltigkeitsregion (N!-Region) gründeten und einen sogenannten N!-Plan mit einem Maßnahmenkatalog verabschiedeten, der nach und nach umgesetzt werden soll. Gemeinsam mit diesen Gemeinden hat der Ort auch das E-Bürgerauto Lorenz angeschoben, das im Verbandsgebiet Bürger zum Arzt, zum Einkaufen oder zum Kaffeeklatsch bringt. Auch eine Ladesäule für Elektroautos kann Hattenhofen vorweisen. Ein weiteres Pfund sind attraktive Rad- und Fußwege.

Zehn Kommunen und zwei Kreise aus der Region dabei

Der European Energy Award (EEA) ist ein internationales Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsverfahren für den kommunalen Klimaschutz. Er ist ein Instrument, die Bemühungen und Erfolge der Kommunen zu messen und damit auch vergleichbar zu machen. Es gibt das Programm nun seit mehr als zehn Jahren. Ziel ist es, die Gemeinden auf dem Weg zu einer höheren Energieeffizienz zu unterstützen. Mittlerweile nehmen mehr als 1500 Kommunen in 16 Ländern am EEA teil, in Deutschland sind es aktuell 261 Städte und Gemeinden sowie 45 Landkreise.

Aus der Region Stuttgart beteiligen sich zehn Kommunen und zwei Landkreise an dem Programm. Der Landkreis Böblingen hat im Jahr 2017 ein Zertifikat in Gold bekommen, mit Gold wurden außerdem die Städte Waiblingen und Ludwigsburg ausgezeichnet. Den EEA bekommen hat auch der Kreis Göppingen, genauso wie Rechberghausen, Kornwestheim, Korb und Weissach im Tal. Als teilnehmende Kommunen werden Göppingen, Weinstadt und Schwaikheim aufgeführt.

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