Daimler-Chef Dieter Zetsche (rechts) gemeinsam mit Kommunikationschef Jörg Howe (links) und Daimler-Lobbyist Eckart von Klaeden nach dem Treffen mit Verkehrsminister Andreas Scheuer. Foto: dpa

Daimler bekommt zwar vom Verkehrsminister keine Milliardenbuße aufgebrummt.Trotzdem könnten die Dieselprobleme viel kosten, meint Wirtschaftsredakteur Harry Pretzlaff und erklärt, warum.

Stuttgart - Dieter Zetsche hat die Sache abgehakt. „Das Thema ist damit jetzt behandelt“, erklärte der Daimler-Chef in typischem Managerslang nach dem Krisentreffen mit Verkehrsminister An­dreas Scheuer. Abgehakt ist nun aber allenfalls, dass der Stuttgarter Konzern vom Verkehrsminister keine Milliardenbuße aufgebrummt bekommt. Zugleich haben die Probleme nun jedoch eine ganz neue Dimension erreicht. Ging es bisher nur um eine überschaubare Zahl von Transportern, so trifft der Vorwurf der illegalen Manipulation nun auch die C-Klasse und damit das Herz der Modellpalette, die meistverkaufte Baureihe des Konzerns.

Daimler will nun die Motorsteuerung korrigieren, droht aber zugleich, damit vor Gericht zu ziehen, um dort zu beweisen, dass die Software zwingend erforderlich war. Diese Doppelstrategie erscheint jedoch widersprüchlich und dürfte zusätzlich zu Verunsicherung und Ärger unter den Kunden führen.

Wir haben Bürger in Stuttgart gefragt, was sie zum Abgas-Skandal bei Daimler sagen:

Daimler argumentiert, dass die Abgasreinigung in bestimmten Situationen unbedingt heruntergefahren werden muss, um einen Motorschaden zu verhindern. Da grenzt es doch fast an Zauberei, dass die gleichen Antriebe nun auf einmal auch ohne diesen Schutz auskommen können – ohne unangenehme Nebeneffekte wie etwa einen höheren Verbrauch oder eine geringere Lebensdauer des Motors.

Bei den Kunden wird Misstrauen und Verdruss geschürt

Es ist absehbar, dass diese Reparatur Misstrauen und Verdruss unter den Kunden schüren wird – zumal sie nun auch einen zusätzlichen Wertverlust bei ihren ohnehin nur schwer verkäuflichen Dieselautos einkalkulieren müssen. Sie haben jedoch keine Wahl, denn wer sich der Nachrüstung verweigert, dem droht die Stilllegung seines Wagens. Dies kostet Vertrauen und kratzt am Image eines Autoherstellers, der stolze Preise verlangt, weil er angeblich bis heute dem ehrgeizigen Leitspruch seines Gründers Gottlieb Daimler folgt: „das Beste oder nichts“.

Eine ganze Welle von Schadenersatzforderungen droht

Neben der Auseinandersetzung mit dem Verkehrsministerium gibt es indes weitere Baustellen, die noch brisanter sind. Denn die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt ebenso wie das US-Justizministerium, ob Daimler-Manager mit illegalen Abschalteinrichtungen betrogen haben. Nicht ein Ministerium, sondern nur Gerichte können einen Betrug amtlich feststellen. Das US-Justizministerium hat Fiat-Chrysler bereits vor einem Jahr wegen einer Software angeklagt, die in ähnlicher Form auch in Daimler-Motoren enthalten ist.

Analysten erwarten Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Die Ermittler in Washington und Stuttgart werden nun die Befunde des Kraftfahrt-Bundesamts genau unter die Lupe nehmen. Sollte ein Gericht entscheiden, dass bei Daimler betrogen wurde, dürfte dies neben Strafzahlungen eine weltweite Welle von Schadenersatzforderungen von Kunden und Aktionären auslösen. Abgehakt ist die Dieselkrise für Daimler noch lange nicht.

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