„Liebe ist grün“ – das Peace-Zeichen soll die Hakenkreuze überdecken. Foto: Carola Fuchs

Der Aalener Stadtteil Wasseralfingen wird seit Januar immer wieder von rechtsextremen Schmierern verunstaltet. Die Polizei geht davon aus, dass es immer die gleichen Täter sind. Und sie scheinen ortskundig zu sein.

Aalen - Das erste Mal passierte es im vergangenen Jahr. An der Schlossschule in Aalen-Wasseralfingen tauchten Hakenkreuzschmierereien auf. „Ein Dummejungenstreich“, so beurteilte Andrea Hatam, die Ortsvorsteherin des mit 12 000 Einwohnern zweitgrößten Aalener Stadtteils, den Vorfall. Dann war monatelang Ruhe. Doch im Januar dieses Jahres gingen die Schmierereien wieder los, und seitdem hat es nicht wieder aufgehört.

Am Montagabend, 72 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, haben sich in der Aalener Innenstadt etwa 800 Bürger zu einer Menschenkette gegen Rassismus versammelt; auch der Landrat Klaus Pavel (CDU), der Oberbürgermeister Thilo Rentschler (SPD) und sein Vorvorgänger Ulrich Pfeifle (SPD) beteiligten sich an dem Schulterschluss gegen rechts. „Es ist schlimm, dass so etwas passiert, da fehlen einem die Worte“, sagt Cemil Sahin, der Vorsitzende der türkischen Ditib-Moschee. „Aber es hält uns nicht davon ab, weiter positive Signale für ein Miteinander auszusenden.“

Trauriger Höhepunkt: die Schändung muslimischer Gräber

Die Braunenberg-Schule, der Gedenkstein für die vier Ermordeten des Wasseralfinger Konzentrationslagers, die Toiletten im Bürgerhaus, diverse Stromkästen, eine Firma im benachbarten Stadtteil Hofen und am Wochenende zum wiederholten Male die Schlossschule wurden mit Hakenkreuzen, Naziparolen und Hasssprüchen gegen Muslime besprüht. Auch das Schild der türkischen Partnerstadt Antakya wurde am Wochenende verschandelt. Der traurige Höhepunkt allerdings war im Februar. Damals wurden mehrere Gräber des muslimischen Gräberfelds auf dem Wasseralfinger Friedhof geschändet.

Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz; es geht um Sachbeschädigung, Volksverhetzung und die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. „Wir gehen davon aus, dass es immer die gleichen Täter sind“, sagt ein Sprecher des Aalener Polizeipräsidiums. Ein Zusammenhang mit Nazischmierereien im benachbarten Rems-Murr-Kreis sei bisher nicht erkennbar. Bisher sei Wasseralfingen nicht durch rechtsextreme Umtriebe aufgefallen, sagt der Sprecher. Die muslimfeindlichen und nazistischen Sprühereien treten nun aber gehäuft auf, etwa 15 Fälle habe man seit Januar registriert. Die Polizei glaubt an einen örtlichen Täter. „Der muss sich hier auskennen“, davon ist auch Andrea Hatam überzeugt. Denn der Gedenkstein für die KZ-Opfer an der Schillerlinde im Wald ist kein leicht zu findendes Ziel. Der Ortschaftsrat und der Oberbürgermeister haben die Schmierereien aufs Schärfste verurteilt. „Hass und Intoleranz haben bei uns keinen Platz“, hieß es da. Nachdem die vier Gräber auf dem Friedhof besprüht und ein Grabstein umgeworfen worden waren, rief die Stadt zu einer Gedenkfeier auf. In Aalen leben 67 000 Menschen mit etwa 120 Nationalitäten.

„Hass und Intoleranz haben bei uns keinen Platz“

„Die Wasseralfinger sind empört“, sagt Andrea Hatam. „Wir waren immer stolz darauf, ein muslimisches Gräberfeld auf unserem Friedhof zu haben.“ Die Ortsvorsteherin, die mit einem Muslim verheiratet ist, lässt das Thema nicht los. „Ich werde ganz sicher nicht ruhen, bis diejenigen gefasst sind“, sagt sie. So will sie mit den Rektoren der acht Schulen in Wasseralfingen und Mitarbeitern des Landratsamts darüber sprechen, wie das Thema im Unterricht aufgegriffen werden kann.

„Man darf das nicht aufbauschen“, betont Cemil Sahin. Seit die Schmierereien aufgetaucht seien, „sind wir eher noch zusammengerückt“, sagt er. Allerdings seien nun die Bürger aufgerufen, „mit offenen Augen durch die Gegend zu gehen“ und die Polizei zu unterstützen. Ein Sprayer in Wasseralfingen hat seine eigene Antwort gefunden. Er hat das Hakenkreuz auf einem Stromkasten kurzerhand übermalt – mit dem Peace-Zeichen.

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