Vorbildlich beim Maskentragen, nachlässig beim Abstandhalten: Linke Aktivisten bei einer Demonstration am Samstag Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Flaschenwürfe gegen das Gerichtsgebäude, Rauchfackeln und Sprechchöre wider die Polizei: In aufgeheizter Stimmung haben rund 1000 Linksaktivisten bei starker Polizeipräsenz demonstriert.

Stuttgart - Bei einer Demonstration von rund 1000 linken Aktivisten sind am Samstagnachmittag immer wieder Rauchfackeln gezündet und Flaschen mit Farbe gegen das Gerichtsgebäude geschleudert worden. Zudem musste sich die Polizei immer wieder Beleidigungen anhören.

Mehr Teilnehmer als erwartet

Mit gut 500 Teilnehmern hatte das Linksbündnis gerechnet, das zur Demonstration „Solidarität mit politischen Gefangenen“ nach Stuttgart gerufen hatte. Dass es doppelt so viele wurden, mit Teilnehmern „von Freiburg bis Frankfurt“, davon zeigte sich ein Sprecher schon vor Beginn beeindruckt. Offensichtlich waren die Aktivisten gut vorbereitet: Schulter an Schulter sammelte sich zum Start der Demo in der Lautenschlagerstraße ein Drittel der Teilnehmer in einem breiten, knapp 50 Meter langen Block. Schwarz gekleidet, Kapuzen und Mützen tief in die Stirn gezogen, rote Schlauchtücher über die Coronamasken hinaus. Eine uniformiert wirkende, bis zum Schluss stramm gefügte Formation, deren Kompaktheit durch die rundum verknüpften Banderolen unterstrichen wurde – und die das Bild der Veranstaltung prägte. Vorne dran die programmatische Banderole: „Konsequent antifaschistisch“.

Wider den Terrorismusparagrafen

Lockerer formiert war der Teil hinterm Moderatorenwagen, mit der Banderole bewehrt: „Nie wieder schwedische Gardinen, macht die Knäste zu Ruinen“. Hier fanden auch „Omas gegen rechts“ ihren Platz.

Eingestimmt wurde der Zug durch Bert Schröder, Bundesvorstand der Roten Hilfe, und von der Stuttgarterin Janka Kluge. Schröder beklagte die „über 200 Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990“, die „Kriminalisierung von antifaschistischen Aktivitäten durch die Staatsmacht“, unterstrich die „Solidarität mit politisch Verfolgten weltweit“ und forderte dazu auf, den „Antifaschismus in die Offensive“ zu bringen. Aus eigener Betroffenheit wandte sich Kluge „gegen Polizeigewalt“, sprach von „Klassenstaat und Klassenjustiz“ und betonte: „Antifaschismus bleibt notwendig, unsere Waffe bleibt die Solidarität!“ Lautstark war der Demozug unterwegs, wobei sich die Parolen zwischen vorderem und hinterem Teil gelegentlich überlagerten. Wuchtig tönte das Kollektiv mit den Hauptparolen „A-a-alerta antifascista, a-a-anti capitalista!“ und „Hoch die internationale Solidarität!“. Durchgängig attackiert wurden bei den Zwischenkundgebungen Strafverfahren nach dem sogenannten Terrorismusparagrafen des Strafgesetzbuchs, die „Repressionsschläge gegen Strukturen der Linksszene“ genannt wurden. Im Kampf gegen rechts sei auch „direkte Konfrontation notwendig“, um „den Nazis zu zeigen, wo der Hammer hängt“.

Hassparolen gegen die Polizei

Immer wieder ging es ums große Ganze, mündend in der Forderung, „revolutionäre Perspektiven“ zu erkämpfen. Mit überschlagender Stimme wurde vom Moderatorenwagen die Stimmung angeheizt mit Parolen gegen die starke Präsenz zeigende Polizei: „Hass, Hass, Hass wie noch nie! Ganz Stuttgart hasst die Polizei!“ Am Gerichtsgebäude flogen fünf Flaschen mit roter Farbe, von denen zwei die Fassade trafen. Immer wieder wurden Rauchfahnen abgefackelt, als der Zug am Rotebühlplatz enden sollte, ging es plötzlich zur Theodor-Heuss-Straße, von den Sicherheitskräften geleitet. Nach Hassparolen am Polizeirevier 1 wurde die Demo abgleitet zum Ausgangspunkt in der Lautenschlagerstraße, wo die Rednerin den „selbstbestimmten Abschluss“ lobte.

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