Soziale Netzwerke dienen Kindern und Jugendlichen zum Austausch – sie bergen aber auch Risiken. Foto: IMAGO/HalfPoint Images

Grünen-Politiker Cem Özdemir fordert ein Social-Media-Verbot für Kinder. Was können Eltern tun, um ihre Kinder im Netz zu schützen?

Soziale Netzwerke gehören heute zur Lebenswirklichkeit der meisten Kinder und Jugendlichen. Das hat Vorteile: Die Kinder tauschen sich aus, finden Inspiration und Gleichgesinnte. Doch den Vorteilen stehen auch Risiken gegenüber. „Es gibt verschiedene Gefahren, da sich die Nutzung von Social Media auch unter jungen Menschen stark unterscheidet. Die klassischen Gefahren, vor denen die Polizei warnt, sind zum Beispiel Cybergrooming, das Versenden oder Weiterleiten von verbotenen Inhalten, Hass und Mobbing“, so Martina Plackmann von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit Sitz in Stuttgart.

 

Social-Media-Trends können außerdem zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen führen. Unter dem Hashtag „Skinny Tok“ etwa finden sich zahlreiche Videos, in denen Dünnsein propagiert wird, inklusive konkreter Abnehmtipps. Der aktuelle Trend schafft Vorbilder, die vor allem auf Heranwachsende in der (vor)pubertären Zeit negativen Einfluss haben und im schlimmsten Fall zu Essstörungen führen können. Die Zahl der Mädchen im Alter von zehn bis 17 Jahren, die wegen einer Essstörung stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, hat sich laut Statistischem Bundesamt binnen zwanzig Jahren verdoppelt.

Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte jetzt eine gesetzliche Altersbegrenzung. Die Nutzung von TikTok und anderen Sozialen Medien solle erst ab 16 erlaubt sein.

Doch wie schwierig die Umsetzung einer Altersgrenze sein kann, zeigt sich derzeit in Australien. Als erstes Land der Welt hat Australien im November vergangenen Jahres gesetzlich die Nutzung von TikTok und Co. unter 16 Jahren untersagt. Eine Untersuchung der australischen Online-Sicherheitsbehörde eSafety ergab allerdings, dass das Verbot von Kindern und Jugendlichen mühelos umgangen werden kann – und das auch werde. Viele Plattformen forderten bei der Anmeldung lediglich die Angabe des Alters, ohne weitere Kontrolle. Andere Kinder nutzten das Konto ihrer Eltern.

Um Kinder zu schützen, sei vor allem Medienkompetenz wichtig, so Plackmann: „Die Vermittlung von Medienkompetenz sehen wir als wichtigen Baustein zur Sensibilisierung sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern und Jugendlichen vor Gefahren im Internet allgemein und auf Social Media im Speziellen.“

Was können Eltern außerdem tun, um ihren Nachwuchs zu schützen?

Interesse zeigen: Apps gemeinsam entdecken

Eltern können gemeinsam mit ihrem Kind herausfinden wie ein Soziales Netzwerk, etwa TikTok funktioniert, heißt es auf der Internetseite von „Schau hin!“, einer Initiative des Bundesfamilienministeriums, den Fernsehsendern ARD und ZDF sowie des AOK-Bundesverbands. Dabei könnten sie über die Risiken und Gefahren aufklären und als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen. Sie sollten außerdem signalisieren, dass sie sich bei Problemen jederzeit an sie wenden können.

Privatsphäre des Kindes schützen

In den Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen kann ausgewählt werden, dass das Profil des Kindes auf privat gestellt ist. Außerdem kann eingestellt werden, dass nur befreundete Nutzerinnen und Nutzer dem Kind Nachrichten schicken oder Beiträge kommentieren können. Der Schutz der Privatsphäre gilt auch für andere. „Wenn Freundinnen und Freunde zu sehen sind, darf der Clip nicht ohne die Zustimmung der Abgebildeten hochgeladen werden“, heißt es auf der Internetseite von „Schau hin!“.

Begleiteter Modus bei TikTok

Über den Begleiteten Modus können Eltern die Nutzungszeit der Kinder über ihr eigenes Smartphone begrenzen. Auch Auszeiten können flexibel festgelegt werden.

Eltern sollen mit ihrem Nachwuchs darüber sprechen, was sie aus ihrem Leben preisgeben wollen. Foto: IMAGO/Cavan Images

Cybergrooming erkennen

Beim Cybergrooming (aus dem Englischen von anbahnen oder vorbereiten) suchen Erwachsene den Kontakt zu Minderjährigen mit der Absicht das Kind zu sexuellen Handlungen zu bringen. „Erst werden ‚Freundschaften’ aufgebaut, danach Nacktaufnahmen und ähnliches gefordert und am Ende sogar persönliche Treffen geplant. Das alles dann unter Druck und der Androhung, vorher gesendete Fotos der Betroffenen an Eltern oder die Schule weiterzugeben“, so Plackmann. Ein Straftatbestand, der mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet wird. Eltern sollten ihrem Kind raten misstrauisch zu werden, wenn die Online-Bekanntschaft persönliche Daten und Bilder verlangt, von der Plattform zu einem Messengerdienst wechseln will und dazu rät, niemandem von der Bekanntschaft zu erzählen. Kinder sollten sich sicher sein, sich an Eltern oder andere Vertrauenspersonen wenden zu können, wenn sie sich online belästigt fühlen. Die Polizeiliche Kriminalprävention hat gemeinsam mit dem Deutschen Kinderschutzbund und dem Internet-ABC eine Unterrichtsreihe mit dem Namen „Flizzy in Gefahr“ entwickelt, die Informationen zum Thema bietet.

Challenges melden

Immer wieder trenden Challenges in den Sozialen Netzwerken. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Paracetamol-Challenge auf TikTok. Dabei nehmen Jugendliche hohe Dosen Paracetamol ein und filmen sich bei der absichtlichen Überdosierung – einer lebensbedrohlichen Mutprobe. Solches Risikoverhalten sollte bei der jeweiligen Plattform gemeldet werden, so der Rat der Initiative Jugendschutz.net, einer Initiative von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Sollte das Thema in der Schule oder im Freundeskreis relevant sein, könne auch mit dem Lehrpersonal gesprochen werden. Weiter sollten Eltern ihr Kind über die Folgen solcher Internet-Trends aufklären und es ermutigen derartige Challenges kritisch zu hinterfragen.