Bis die Großbottwarer Harzberghalle wieder genutzt werden kann, wird es noch dauern. Derzeit heißt es Warten auf den gerichtlichen Gutachter.
Es hätte so schön sein können. Endlich, 17 Jahre nach Planungsstart, wurde sie vor genau einem Jahr eingeweiht: die Großbottwarer Harzberghalle. Bis Mitte der 2000er-Jahre war die alte Stadthalle im Ortskern der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Sie war aber marode, und die Entscheidung fiel zugunsten eines Neubaus im Winzerhäuser Tal.
14 Ingenieurbüros waren beteiligt, 35 Firmen und 200 Ausführende – genau mit Beginn der Corona-Pandemie war die neue Halle fertig und wurde fortan quasi mit gezogener Handbremse genutzt, die offizielle Einweihung gab es erst im Oktober 2021. Um das Wort „endlich“ kam kein Festredner herum. Und dann, nur wenige Monate später, wurde die Halle wieder geschlossen.
Es hätte so schön sein können. Konzerte, Sport, Schulentlassfeiern . . . Sie fanden statt, doch ein Wasserschaden bremste nicht nur die Freude, sondern auch das komplette gesellschaftliche Leben in der neuen Halle wieder aus. Und so fand auch die Einwohnerversammlung am Montag in der Mensa der Matern-Feuerbacher-Realschule statt und nicht in der Halle.
Dort gab der Bürgermeister Ralf Zimmermann einen Überblick über die Misere, die letztlich auch zu einem – umgangssprachlich – Schimmelbefall führte. „Richtigerweise ist es ein holzzersetzender Pilz“, konkretisiert der Bürgermeister. Dieser ist durch den Wasserschaden im Boden entstanden.
Doch von vorn: Zunächst gab es mit der Hauptzuleitung der Heizung in der Halle ein Problem, im Frühjahr kam zutage, dass wegen eines defekten Ventils hinter einer Wand in der Künstlergarderobe Wasser ausgelaufen war. Der Versuch, die Wasserschäden in der Holzkonstruktion mit Bautrocknern wieder in den Griff zu bekommen, scheiterte. Deshalb ist die Halle seit Anfang Mai geschlossen, alle Veranstaltungen wurden abgesagt.
Inzwischen ist die Halle trocken, und der Pilz kann sich nicht weiter ausbreiten. Wie umfangreich sich die Sporen aber bereits ausgebreitet haben, „wissen wir noch nicht“, so Ralf Zimmermann auf Nachfrage. An einigen Stellen an den Holzplanken seien sie bei den bisherigen Proben da gewesen, an anderen nicht. Dass der ganze Boden wieder raus muss – „ja, das könnte im Foyer drohen“, räumt der Bürgermeister ein.
Reichlich unerquicklich? „Es gibt schönere Themen“, betont Zimmermann. „So haben wir uns alle das nicht gewünscht.“ Aber: „Wir müssen gucken, dass wir das Thema so abarbeiten, dass man die Halle wieder benutzen kann.“ Wann das sein wird, steht allerdings in den Sternen. Denn letztlich geht es auch darum, wer für den Schaden aufkommt. „Wir haben versucht, mit den Firmen eine gütliche Einigung hinzubekommen“, berichtet der Rathaus-Chef. Daraus wurde aber nichts.
Also muss nun ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren her, was bedeutet, dass die Stadt auch nicht sofort damit loslegen kann, die Halle wieder flott zu machen. Zimmermann geht davon aus, dass etwa noch ein Vierteljahr ins Land gehen wird, bis etwas passiert. Dann sei der Schaden gerichtlich durch einen Gutachter gesichert und könne behoben werden. Und dann werde das Gericht klären, wer dafür zahlt.