Hartmann Projects im Galerienhaus Stuttgart Tom Hunters Foto-Reise durch Europa

Von Nikolai B. Forstbauer 

Ist die Jugend ein „Süßer Vogel“, bedroht von ständiger Absturzgefahr? Das ist die Frage der Fotokunstschau „Bittersweet Bird of Youth“, die an diesem Freitag, 27. Juli, um 19 Uhr im Galerienhaus Stuttgart eröffnet wird.

Stuttgart - Lässt sich bestimmen, aus welchen Kulturräumen welche Menschen kommen? Ute und Werner Mahler gehen seit fast vier Jahrzehnten mit fotografischen Mitteln der Frage der Prägung nach. „Monalisen der Vorstädte“ ist ein Zyklus betitelt, der nun im Galerienhaus in Stuttgart (Breitscheidstraße 48) zu sehen ist. Als Teil eines Gastspiels, als Teil der Schau „Bittersweet Bird of Youth“.

Gastspiel von Hartmann Projects im Galerienhaus Stuttgart

Angelika und Markus Hartmann haben die Ausstellung erarbeitet, die an diesem Freitag um 19 Uhr im Areal des Kunstraums Schacher eröffnet wird. Mit Hartmann Projects sind die Buch-Liebhaber und Kunstkenner vor vier Jahren ausgezogen, Verleger-, Berater- und Kuratorenpfade außerhalb eiliger Tage zu begehen.

Fotokunst-Gößen in Stuttgart

Vertrauen in solche Pfade prägt auch die Werke der fünf Fotokunst-Größen, die nun ihre eigene Version von Tennessee Williams „Süßer Vogel Jugend“ erzählen. Neben Ute und Werner Mahler dabei: Tom Hunter, ­Ingar Krauss und Loredana Nemes. Wie die Mahlers stützt sich auch Ingar Krauss auf das Fremde des Vertrauten, auf eine Differenz, die vordergründig ein deutsch-deutsches Gefälle skizziert, mehr noch aber eine Diskussion über soziale Realitäten präzisiert. Enorme Erzählkraft prägt diese Bildwelten.

Krieg der Vögel – Krieg der Menschen?

Loredana Nemes könnte hier anknüpfen, doch ihr Szenario des Ringens um Plätze und Nahrung wird zum übergeordneten Sinnbild. Den Krieg der Möwen behandelt die 1972 in Sibiu Geborene als Warnung vor einem gar nicht so fernen Abgrund des b­ewussten gesellschaftlichen Ausgleichs. Und Tom Hunter? Seine frühen Beobachtungen einer Reise junger Briten auf den ­europäischen Kontinent werden wohl die Stars der Schau werden.

Hoffnung Europa

Ein eigenwilliger Zukunftsglaube verdichtet sich in diesen Szenen des Reisens um des Reisens und der Gemeinsamkeit Willen. „summer of 69“? – Hunter schafft den ­Mythos des Sommers von 1994. Frei, heiter und voller Erwartung. Die Premiere von Hunters Zyklus „Le Crowbar“ auf dem europäischen Festland? Formuliert noch ­einmal so leise wie nachdrücklich eine große Hoffnung: Europa.

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