Das Bullseye oder die Triple 20 im Visier: der Fußballer Fabian Kilbertus spielt Darts in der zweiten Liga. Foto: Günter Bergmann

Nach vier Aufstiegen in Folge spielt Fabian Kilbertus aus Harthausen in der zweiten Liga E-Dart. Ein früherer Weltmeister hat seine Begeisterung geweckt.

Der Dartpfeil liegt in vier Fingern seiner rechten Hand, den kleinen spreizt er ab und visiert damit die 2,37 Meter entfernte Scheibe an. Der Harthausener Fabian Kilbertus kann das Spiel für sich entscheiden, indem er ein Doppelfeld trifft. Vor dem sogenannten Checken atmet der 23-Jährige einmal tief durch und macht die Augen für einen Moment zu. „Das hilft mir, mich richtig zu fokussieren, und bringt meinen Puls runter“, sagt er. Häufig klappt der Wurf auch, und dann ertönt aus dem E-Dart-Automaten Musik für den Gewinner.

 

Die aus Kneipen bekannten Geräte bespielt Kilbertus mittlerweile in der Bezirksoberliga, der zweithöchsten Spielklasse des Deutschen Sportautomatenbunds. Höher ist lediglich die Bundesliga. Sollte sich eine bemerkenswerte Serie fortsetzen, treten der Filderstädter und sein Verein, der in Nürtingen beheimatete DC Scheenekerls, schon im nächsten Jahr im Oberhaus an. Seitdem Kilbertus sich nämlich dem Team anschloss, stieg dieses jedes halbe Jahr auf. Begonnen hat der Lauf Anfang 2022 in der B-Liga. Zuvor warf Kilbertus seine Pfeile sogar noch eine Etage tiefer für die sechstklassigen Aichtal Triples. Er selbst hat nun vier Aufstiege nacheinander gefeiert. „Ich kann das gar nicht fassen, das ist eigentlich so unrealistisch“, sagt der Youngster, der im Beruf Sachbearbeiter bei der Deutschen Rettungsflugwacht ist.

Kilbertus spielte in Harthausen und Sielmingen Fußball

In der aktuellen Liga ist das Ziel klar: erst einmal drin bleiben. Dafür sieht es derzeit gut aus. Zwei Siege aus vier Spielen bedeuten Rang vier. „Die erste Liga wäre ein Traum für uns“, sagt Kilbertus. Es sei der Ansporn einer erfolgshungrigen Truppe.

Dabei kommt Kilbertus aus einer ganz anderen Sportart. Bis vor eineinhalb Jahren spielte er beim TSV Sielmingen Fußball. Sämtliche Jugendstationen hat er zuvor als Außenverteidiger beim TSV Harthausen durchlaufen. Als er jedoch eine Fortbildung zum Wirtschaftsfachwirt begann und die Abendschule mit den Trainingszeiten kollidierte, switchte er sportlich um: Er widmete sich verstärkt dem Werfen der Pfeile. Vom Fußball habe er seinen „klaren Kopf mitgenommen“. Von November an, dann mit neuem persönlichen Zeitplan, wird er aber auch wieder kicken.

Vorbilder wie Adrian Lewis, Phil Taylor oder Michael van Gerwen

Betonung auf „auch“. Darts bleibt. Seine Begeisterung entfachte sich bei der Weltmeisterschaft 2012, die er vor dem Fernseher verfolgte. „Das hat mich richtig fasziniert, danach habe ich meine erste Scheibe im Keller aufgehängt“, erzählt Kilbertus. Sein Liebling damals war der Titelgewinner Adrian Lewis, aber auch Legenden wie Phil Taylor oder Michael van Gerwen dienten ihm als Vorbilder. Derzeit verfolgt Kilbertus am häufigsten die Spiele des Engländers Joe Cullen. „Bei dem sieht es so locker aus“, sagt der Harthausener. „Man schaut sich schon mal ab, wo die Profis den Pfeil anfassen.“ Im Endeffekt habe jedoch jeder seinen eigenen Wurfstil.

Ob er irgendwann selbst bei einer WM im berühmten Alexandra Palace in London auf das Board zielt? „Aktuell denke ich nicht daran, aber ich habe hohe Ambitionen“, sagt der Brillenträger. Auch darin sähe er die Erfüllung eines Traums. Gemeinsam mit seinen Nürtinger Teamkollegen möchte er sich in den kommenden Jahren für die „Qualifying School“ des Weltverbands PDC bewerben, worüber man sich die Teilnahme an großen Turnieren erspielen kann. Es wäre freilich ein weiter Weg.

Neulinge sind jederzeit willkommen

Als Erstes müsste Kilbertus vom elektronischen Dart-Automaten zum Steeldart mit Korkscheibe wechseln. Letzteres gefällt ihm eigentlich sowieso besser. Gefühl und Geräusch beim Eintreffen des Pfeils auf dem dortigen Brett seien unvergleichbar schön – in diesem Fall dann allerdings ohne musikalische Untermalung. Trifft man auf der elektronischen Scheibe ein Triple-Feld oder das Bullseye, also die Mitte des Boards, gehen die Lichter an und ertönt eine Melodie.

Im Team des DC Scheenekerls freut man sich natürlich, wenn Kilbertus die Maschine einmal mehr in Aktion bringt. Er trainiert bis zu 16 Stunden in der Woche. Mit der Spielerfahrung steigt das Niveau. Immer mittwochs spielt er sogar noch für eine andere Mannschaft in einem anderen Verband, um im Rhythmus zu bleiben. Im Prinzip kann sich jeder den Übungseinheiten in der Billardakademie Nürtingen anschließen. „Einfach vorbeikommen, mit uns trainieren, und dann schauen wir, was daraus wird“, sagt Fabian Kilbertus. Aber: „Man sollte davor schon ein paarmal auf ein Dartboard geworfen haben.“