Moderator Frank Plasberg moderierte am Montagabend die „hart aber fair“-Sendung zum Klimawandel. Foto: dpa

Eine emotionale Liebeserklärung an die Seele des Autos von VW-Chef Herbert Diess traf am Montagabend auf wissenschaftliche Hintergrundfakten der Klimaaktivistin Luisa Neubauer. So sahen das zumindest die Zuschauer der „Hart aber fair“-Sendung zum Klimawandel.

Stuttgart - Am Montag ging es bei „Hart aber fair“ heiß zu. Die ARD-Talkshow hat sich unter dem Titel: „Die Erde schwitzt, das Eis schmilzt: Wie radikal müssen wir uns verändern?“ mit dem Klimawandel befasst. Zu Gast waren eine Geologie-Studentin, der VW-Chef, die Umweltministerin, ein TV-Moderator und der Chefredakteur der „Welt“.

Die Gästeauswahl überraschte nicht nur die anwesende Studentin Luisa Neubauer. Die 22-Jährige ist eine der Initiatoren der Schülerproteste „Fridays for Future“ und merkte an, dass kein einiger Klimaforscher in der Runde anwesend war. Dies löste auch bei den Zuschauern starke Reaktionen aus:

An Stelle eines Klimaforschers war ZDF-Moderator Markus Lanz zu Gast. Er reiste zuvor als Naturfilmer an die Arktis (“Sehnsucht Grönland“) und wies in der Sendung darauf hin, dass das Eis dort dünner würde. Doch für seinen Auftritt in der Sendung musste er zusammen mit den anderen Diskutanten prompt Kritik einstecken:

VW für ein Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich

Ein Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes würde durch die 100 Millionen herumfahrenden VWs produziert, erklärte Plasberg in der Sendung. VW-Vorstandschef Herbert Diess entgegnete, dass sich Volkswagen der Verantwortung bewusst sei und diese Zahl bis 2050 bei null Prozent liegen würde. Um dies zu erreichen, mache er sich für Elektroautos stark und sagte, dass die Zukunft in der E-Mobilität liege. Für die Zuschauer ging das jedoch nicht weit genug:

Diess forderte zudem, dass die Politik nun die Infrastruktur für Elektromobilität liefern solle. Zudem sprach sich Diess für eine Zukunft aus, in der weniger Mobilität benötigt werde – sei es durch Home-Office oder Videokonferenzen. Bevor es an die heimische Garage gehe, sollten nach Diess zunächst Arbeitgeber und Städteplaner in die Pflicht genommen werden. Damit konnte Diess nicht unbedingt nur Sympathien bei den Zuschauern wecken:

Doch nicht jeder Zuschauer schloss sich der Kritik einer „VW-Werbeveranstaltung“ an.

Umweltministerin Svenja Schulze fungierte als Blitzableiterin in der Sendung. Sowohl Lanz, Klimaaktivistin Neubauer, als auch Ulf Poschardt, Chefredakteur der „Welt“, reichten die bisherigen Maßnahmen der Politik zum Klimaschutz nicht aus. Schulze reagierte darauf, indem sie sagte, dass Deutschland als Industrienation in der Pflicht stehe zu handeln. So gäbe es im Land Ingenieure mit dem notwendigen Know-How, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das Deutschland im Alleingang das Klima retten könnte, wurde jedoch von einigen Zuschauern bezweifelt:

Keine Seele im Elektroauto

Der Moderator fragte die Runde nach den persönlichen Konsequenzen der Klimakrise. Aktivistin Neubauer erklärte, kein Auto zu besitzen und kein Fleisch zu konsumieren.

Poschardt warf VW und der Umweltministerin hingegen vor, sich bei den Schülern anzubiedern. Er kaufe dafür lieber schöne Dinge, die er dann nie wegwerfen würde und mit Genuss nutze. Der Buchautor (“911“) und Porsche-Fahrer sprach die Seele und die Emotionalität von Autos an. Bei Elektroautos würde ihm diese fehlen. Nicht nur Umweltaktivisten Neubauer konnte sich bei dieser Aussage nicht mehr zurückhalten. Auch die Zuschauer kritisierten auf Twitter, dass sich in dieser „Hart aber fair“-Sendung alte Männer Sorgen um ihre Autos machen würden, anstatt Verständnis für die Klimakrise aufzubringen:

Neben Poschardt musste auch die Grüne Neubauer einstecken, die nicht nur mit ihren Langstreckenflügen und ihrer Aussage „Sie müssen auch die alten weißen Männer mitnehmen“ polarisierte.

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