Volleyball trifft Basketball: Zeus McClurkin, Krystal Rivers, Roosa Koskelo, Joey Hot Rod de la Rosa (von links). Foto: aura Maerkle

Eine Sensation waren sie einst. 1951 bestaunte man in Stuttgart die Harlem Globetrotters wie Weltwunder, nun kommen sie wieder. Und haben mit Joey „ Hot Rod“ De La Rosa und Zeus McClurkin schon mal zwei Botschafter vorgeschickt.

Es gibt angenehmere Jobs. Botschafter der USA in Europa, das ist gerade ähnlich prickelnd wie Tesla-Verkäufer in Kalifornien. Nun sind Joey „ Hot Rod“ De La Rosa und Zeus McClurkin zunächst einmal Basketballer, aber eben auch mit einem der bekanntesten amerikanischen Exportartikel unterwegs, den Harlem Globetrotters.

 
Zeus McClurkin Foto: Max Kovalenko

Und in Zeiten, in denen wegen Trumps Zollerlassen amerikanische Waren boykottiert werden, bei Spielen der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL in Kanada die amerikanische Hymne ausgepfiffen wird, ist ein US-Kulturgut nicht gerade ein Selbstläufer. Christian Doll von C2 Concerts bringt die Globetrotters seit Jahren ins Land und die Region, er glaubt, dass die Menschen sehr gut unterscheiden können zwischen der Politik der Regierung und einem Team wie den Globetrotters, „dass ja auch für ein ganz anderes Amerika steht“.

Auch Zeus McClurkin verweist auf die Geschichte der Globetrotters, spricht man ihn auf die Politik in den USA an. Ermöglichten sie es doch schwarzen Basketballern Geld zu verdienen, als in der Profiliga nur Weiße spielen durften. Jetzt war Mc Clurkin mit seinem Teamkollegen „Hot Rod“ de la Rosa zu Gast in der Scharrena. Dort werben sie für den Auftritt der Globetrotters am Dienstag, 6. Mai, in Stuttgart.

Joey Hot Rod de la Rosa /Max Kovalenko

Und dabei schadet es nicht, etwas vom Glanz von „Stuttgarts schönstem Sport“ abzubekommen. So werben die Volleyballerinnen von MTV Allianz Stuttgart für sich. Roosa Koskelo und Krystal Rivers sind seit Jahren die Gesichter dieses „schönsten“ und erfolgreichsten Sports Stuttgarts. Die beiden durften den großen Jungs aus Amerika zeigen, wie man Volleyball spielt. Und bekamen im Gegenzug eine Lektion in Sachen Basketball. De la Rosa ist 2,17 Meter groß, das hilft bei beiden Sportarten. Er ist in der Bronx aufgewachsen. Als er neun Jahre alt war, kamen die Globetrotters in seine Schule. Damals beschloss er, selbst einmal dort zu spielen. Er hat es geschafft.

Ist das ein Volleyball oder ein Tennisball?

Als einer der besten College-Spieler des Landes schaffte er es zwar nicht in die Profiliga NBA, aber zu den Globetrotters. Dort fühlt er sich pudelwohl. „Gute Laune verbreiten, Spaß machen, unterhalten“, das will er. Das gelingt ihm auch mit Koskelo und Rivers. Er zeigt Koskelo, wie man den Ball über den Finger kreiseln lässt und in den Korb wirft. Mit seiner Hilfe gelingt es. Der Basketball wirkt schon klein in seinen Händen, der Volleyball wirkt aber wie ein Tennisball.

Der Riese spielt Volleyball. Foto: Max Kovalenko

Auch McClurkin ist ein Riese, aber auch schnell auf dem Boden. Rivers und Koskelo lassen ihn mit der Handfläche einen Ball vom Boden kratzen. Das meistert er genauso wie einen Angriff am Netz. Kein Wunder, hat er doch praktisch jeden Sport betrieben. Eigentlich war Volleyball zunächst der Sport seiner Wahl, doch als er wuchs und wuchs und es an seiner Uni in North Carolina ins Basketballteam schaffte, war die Sache entschieden. Nach seinem Abschluss wurde er Profi, spielte in Paraguay, ehe er über einen Kumpel zu den Washington Generals kam. Das sind die Dauerrivalen und Prügelknaben der Globetrotters. Sie spielen tapfer mit, verlieren aber immer.

McClurkin übt mit Roosa Koskelo. Foto: Max Kovalenko

Vor 15 Jahren rückte McClurkin zu den Globetrotters auf. Er steht mehrfach im Guinness-Buch der Weltrekorde, etwa mit den meisten Slam Dunks in einer Minute, er stopft den Ball 16-mal in 60 Sekunden in den Korb. In St. Louis haben sie für ihn mal einen Schulbus aufs Dach eines Museums gehievt. Aus dem Fenster warf er einen Ball in den Korb, der 46 Meter tiefer auf dem Boden stand. Was man halt so macht als Globetrotter.

Die Globetrotters wurden 1926 in Chicago gegründet

Show und Sport, das ist da nicht mehr zu trennen. Angefangen hat alles vor fast 100 Jahren. Ape Saperstein gründete die Globetrotters 1926 in Chicago als Savoy Big Five. 1927 änderte er den Namen in Harlem Globetrotters. Ihr erstes Spiel hatten sie in Illinois vor 300 Zuschauern. Mittlerweile haben sie in 124 Ländern zehntausende Spiele absolviert. Als sie 1951 erstmals nach Deutschland kamen, traten sie auch in Stuttgart auf: Am 12. August im Neckarstadion. Eine Sensation für die Schwaben. Erst einmal musste der „Kleine Sportbericht“ erklären, was es mit diesem Korbball überhaupt auf sich hatte: „Am 28. Januar 1882 ließ der kanadische Turnlehrer Dr. James Naismith an der Galerie des Turnsaales der CVJM-Schule in Springfield zwei Pfirsichkörbe (natürlich leere) anbringen und damit das von ihm ersonnene Korbballspiel erstmalig ausführen.“ So weit,so gut. Nähere Feinheiten waren nicht bekannt. Weil es dem Globetrotter Marques Haynes bei den Spielen in England zu nassgewesen war, hielt er mit einer Hand einen Regenschirm – und versenkte mit der anderen den Ball. Also glaubte man in Deutschland tatsächlich, Basketball könne man nur bei Regen spielen.

Prellen auf dem Boden Foto: Max Kovalenko

Doch Zehntausende im Neckarstadion merkten alsbald, „die Globetrotters spielen viel lieber im Trockenen, da haben sie beide Hände frei.“Der Chronist des „Sportberichts“ war begeistert: „Wollte man das trickreiche Spiel in Worte kleiden, so sind selbst Superlative zu schwach. Die Zuschauer lachten Tränen. Sie ließen den Ball über Arme und Beine laufen, drehten ihn tänzelnd auf Finger- und Zehenspitzen oder hielten ihn in ihren überdimensionalen Handflächen, als handle es sich um harmloses Kinderspielzeug. Wartete ein Gegner auf den Torwurf, so war plötzlich der Ball verschwunden und kam hinter dem Rücken eines Nebenspielers zur Verwunderung der Zuschauer wieder zum Vorschein.“ Die Gegner übrigens hatten die Globetrotters wie immer mitgebracht, wie auch den Zeremonienmeister, einen gewissen Jesse Owens, den vierfachen Olympiasieger von 1936.

Ob er sich dreht? Foto: Max Kovalenko

Alles Show? Von wegen. Für schwarze Basketballer waren die Globetrotters die einzige Möglichkeit, mit ihrem Sport Geld zu verdienen. In der Profiliga durften nur Weiße spielen. 1926 gründete Abe Saperstein die Globetrotter mit fünf arbeitslosen jungen Männern aus Chicago. Sie trampten durch die USA, spielten überall. Saperstein: „Einmal hätte sich Willie Oliver beinahe den Hals gebrochen, als er bei einem Spiel in einer Scheune von einem 100 Kilo schweren Bauern so gerempelt wurde, dass er durch das Seitentor brach und zwei Stockwerke tief auf einen Misthaufen fiel.“

Ganz Stuttgart staunte über die Globetrotters

Ihre Tricks bauten sie damals schon ein. Doch gleichzeitig waren sie so gut, dass sie 1949 den amerikanischen Meister Minneapolis Lakers besiegten. Auf der einen Seite die weißen Profispieler, auf der anderen die schwarzen Globetrotter, die in den Südstaaten angepöbelt, in den Restaurants nicht bedient und von Hotels abgewiesen wurden. Man kann sich leicht vorstellen,dass dies mehr war als nur ein sportlicher Sieg.

Diesen Kampf müssen sie heute nicht mehr führen, doch gute Sportler müssen sie trotz aller Show sein. Die Globetrotters haben gut 40 Mann – und vier Frauen – unter Vertrag, reisen mit drei Teams und suchen an den Unis nach herausragenden Basketballern,die auch Witz und Charisma haben. So wie Zeus und Hot Rod. Und in diesen Zeiten sind sie auch als Botschafter gefragt – als Botschafter des anderen Amerika.