Ozzy Osbourne wird 70 – und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Foto: MTI

Auf seinem Grabstein werde einst stehen: „Ozzy Osbourne, geboren 1948, gestorben irgendwann. Er biss einer Fledermaus den Kopf ab“, sagt der Pionier des Heavy Metal über sich. Jetzt kann er erst mal auf 70 irrsinnige Jahre zurückschauen.

Frankfurt - Zwei Drittel seines Lebens vergeudete Ozzy Osbourne, indem er mit Alkohol und Drogen sein „Hirn in einen Pudding“ verwandelte, wie er selbst sagt. Mit der Drei-Minuten-Nummer „Paranoid“ schuf er 1970 als Sänger von „Black Sabbath“ die Hymne aller Fans des harten Rock. Bei einem Konzert biss er Anfang der 80er einer Fledermaus den Kopf ab, weil er sie angeblich für ein Gummitier hielt; das hängt ihm bis heute an. Am 3. Dezember wird Ozzy Osbourne 70 Jahre alt.

Für seine Fans ist Ozzy, der 1948 als John Michael Osbourne in der britischen Arbeiterstadt Birmingham-Aston geboren wurde, der „Madman“ (Verrückte) des Heavy Metal. Nuschelnd, mit irrem Blick und Jammergesang schlurft der Wirrkopf seit fünf Jahrzehnten auf den Bühnen umher, beschießt sein Publikum mit der Wasserpistole. Anfang des neuen Jahrtausends wurde er mit der schrägen Familien-Doku-Soap „The Osbournes“ des Musiksenders MTV ein Kultstar des Reality-Fernsehens. Mehr als 100 Millionen Alben verkaufte er mit „Black Sabbath“ und als Solokünstler.

Ab 1969 begann Osbourne mit seinen Kumpels Tony Iommi (Gitarre), Geezer Butler (Bass) und Bill Ward (Schlagzeug) als einer der ersten überhaupt, mit schweren Gitarrenriffs und düsteren Texten den Heavy Metal zu gießen. Zuvor hatte er Jobs als Klempner und Schlachter, saß wegen Einbruchs sechs Wochen im Gefängnis. Zu Glockenläuten und Donnerschlag sang der Kopf der Gruseltruppe in dem namengebenden Titel „Black Sabbath“ über den Mann, der in schwarzer Nacht kommt, um die Seele zu holen.

1979 warfen ihn seine Bandkollegen entnervt wegen seiner Drogeneskapaden heraus

„Wir wollten einfach beängstigende Musik machen“, erinnert sich Osbourne in seiner Autobiografie (2009). In den Songs geht es etwa um Händeschütteln mit dem Antichristen („N.I.B“), apokalyptische Alpträume („Sabbath Bloody Sabbath“), Kriegstreiber („War Pigs“) oder tanzende Elfen („Fairies Wear Boots“). Der „Blödsinn mit schwarzer Magie“ sei nicht ernst gemeint, versicherte er immer wieder.

Doch das Spiel mit Satanismus, Okkultismus und christlichen Symbolen ging nach hinten los. Fundamentalistische Christen beschimpften den den selbst ernannten „Prinz der Finsternis“ als Teufelsanbeter, zerschlugen öffentlich seine Platten. Er bekam Morddrohungen.

1979 warfen ihn seine Bandkollegen entnervt wegen seiner Drogeneskapaden heraus. Mit Hilfe seiner neuen Frau und Managerin Sharon startete Osbourne 1980 eine bis heute erfolgreiche Solokarriere. Die ersten Alben „Blizzard of Ozz“ (1980) und „Diary of a Madman“ (1981) mit dem amerikanischen Gitarrengenie Randy Rhoads und Songs wie „Crazy Train“ und „Mr. Crowley“ gelten als Klassiker des Schwermetall-Genres. In haarsträubenden Shows kippte er Fleischabfälle ins Publikum, zeigte dem Publikum den Hintern.

Ozzy Osbourne leidet unter Gedächtnislücken und Zitteranfällen

1986 klagten ihn amerikanische Eltern an, weil sie glaubten, der Song „Suicide Solution“ habe ihren Sohn in den Suizid getrieben. Darin geht es um die tödlichen Gefahren des Alkohols - die Klage wurden schließlich abgewiesen. Dennoch trat der Fall eine bespiellose Klagewelle christlicher Gruppen in den USA gegen Rock- und Heavy-Metal-Gruppen wegen angeblicher Satanismusumtriebe los.

Zum Affen machte sich Osbourne von 2002 bis 2005 in der Reality-TV-Serie „The Osbournes“, in der er und seine Frau Sharon auch die Kinder Jack und Kelly mitmachen ließen. Millionen Zuschauer blickten ins traute Heim der Familie in Los Angeles. Sie wurden Zeuge, wie „Ozzy“ an der Fernbedienung seines Fernsehers scheiterte oder wie er grummelnd den Müll raustrug.

Mit der Ballade „Dreamer“ (2002) gelang dem Sänger der bislang letzte große Soloerfolg. 2003 überlebte er schwer verletzt einen Unfall mit seinem Quad. 2012 vereinigten sich „Black Sabbath“ erneut, gute Kritiken erhielt das ein Jahr später veröffentlichte Album „13“.

Seit einigen Jahren inszeniert Ozzy Osbourne, der unter Gedächtnislücken und Zitteranfällen leidet, seinen Abschied von der Bühne auf Raten: Anfang vergangenen Jahres beendeten „Black Sabbath“ ihre „The End“-Welttour. Im Februar 2019 gibt Osbourne solo vier Abschiedskonzerte in Deutschland. Ganz sicher hat der mittlerweile drogenabstinente „Madman“ wieder seine Wasserspritzpistole dabei.

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