Die Rötelmaus kann Träger des Hanta-Virus sein. Foto: sebgsh - stock.adobe.com

Eine Anwohnerin im Dachswald berichtet von einer stark wachsenden Mäusepopulation. Auch Rötelmäuse hat sie in jüngster Zeit gefangen. Diese können Träger des für Menschen gefährlichen Hantavirus sein.

Filder - Sogar am helllichten Tag witschen die kleinen Nager über die Terrasse, berichtet eine Anwohnerin des Knappenwegs. In den vergangenen Wochen hat sie nach eigenen Angaben fast 20 Mäuse eingefangen, etwa die Hälfte davon seien Rötelmäuse gewesen. „Die vermehren sich buchstäblich wie die Ratten“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Niedlich findet sie die Nagetiere nicht. Im Gegenteil. Denn die Rötelmäuse können Träger des für Menschen gefährlichen Hantavirus sein. Sie möchte ihre Mitmenschen vor der Gefahr einer Hantavirus-Infektion warnen.

Bei der Stadt habe bislang kein Bürger ein vermehrtes Mäusevorkommen gemeldet, sagt Pressesprecherin Ann-Kathrin Gehrung nach Rücksprache mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt (GFF). In Süddeutschland treten Hantavirus-Infektionen allerdings regelmäßig auf, teilt das Regierungspräsidium (RP) mit. Stuttgart und die Region sind davon nicht ausgenommen. „Im laufenden Jahr 2019 gibt es bisher allein in Baden-Württemberg 382 Meldungen dieser Krankheit“, sagt Lisa Schlager von der Pressestelle des RP. Details zu betroffenen Stadt- und Landkreisen sind unter www.gesundheitsamt-bw.de abrufbar. Das Robert-Koch-Institut, das Gesundheitsamt und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informieren im Internet ausführlich über das Hantavirus und Präventionsmaßnahmen.

Wie kann man sich mit dem Virus anstecken?

Das Gefährliche am Hantavirus ist, dass man gar nicht den direkten Kontakt zu den Mäusen braucht, um sich anzustecken. „Die Viren werden von infizierten Nagetieren mit dem Speichel, Kot oder Urin ausgeschieden. Selbst in getrocknetem Zustand sind die Erreger noch mehrere Tage ansteckend“, sagt Gehrung. „Meist werden Hantaviren eingeatmet, beispielsweise zusammen mit aufgewirbeltem Staub, welcher die Erreger enthält.“ Aber auch der Biss eines Tieres kann die Viren übertragen, ebenso können die Erreger über kleine Verletzungen der Haut in den Körper gelangen. „Auch eine Übertragung durch Lebensmittel, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere verunreinigt wurden, ist möglich“, sagt die Pressesprecherin. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder über Haustiere sei hingegen nicht wahrscheinlich, informiert das Robert-Koch-Institut.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen, die in der Landwirtschaft oder in der Forstwirtschaft arbeiten, sind besonders gefährdet, sich mit dem Hantavirus anzustecken. Auch bei der Gartenarbeit können die Erreger aufgewirbelt werden, ebenso beim Aufräumen und Reinigen von Garagen, Kellern, Schuppen, Ställen oder Häusern, in denen die Nager vorkommen, vor allem, wenn dabei Staub aufgewirbelt wird. Gefährdet sind auch Menschen, die in Gebieten mit starkem Mäusebefall im Freien aktiv sind, joggen oder zelten.

Jahre, in denen die Rötelmäuse besonders viel Nahrung finden, führen zu explosionsartigen Vermehrung der Nager. „Nimmt die Anzahl an Mäusen zu, führt das zu einer erhöhten Infektionsgefährdung“, sagt Gehrung.

Wie äußert sich eine Infektion?

Je nach Virustyp verläuft eine Erkrankung mit dem Hantavirus unterschiedlich schwer. Teilweise haben Infizierte auch gar keine Beschwerden, sagt die städtische Pressesprecherin. „Die in Deutschland überwiegende Krankheitsform beginnt meist mit plötzlich einsetzendem Fieber, das über drei bis vier Tage anhält, begleitet von grippeähnlichen Beschwerden, wie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen“, zählt Gehrung auf. Zusätzlich könnten Rachenrötung, Husten oder Sehstörungen sowie eine Lichtempfindlichkeit der Augen auftreten.

Nach einigen Tagen komme es häufig zu ausgeprägten Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen. Auch Kreislaufstörungen seien möglich, sagt Gehrung. „In schweren Fällen kann es zu Blut im Urin und gar zu Nierenfunktionsstörungen kommen“, ergänzt Lisa Schlager. Manchmal mache dies eine Dialyse erforderlich. Spätfolgen durch eine Hantavirus-Infektion seien bisher keine bekannt. Von 2014 bis 2018 sei bei insgesamt 1815 übermittelten Infektionen nur ein Todesfall aus Baden-Württemberg registriert worden.

Wer die oben geschilderten Beschwerden beobachtet, sollte einen Arzt aufsuchen. Das Hantavirus ist eine meldepflichtige Erkrankung, teilt das Regierungspräsidium mit.

Wie kann man sich vor dem Hantavirus schützen?

Das Risiko einer Infektion kann verringert werden, indem verschiedene Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. „Vor Reinigungsarbeiten sollten Flächen befeuchtet werden, um Staub zu binden“, erläutert Schlager. Wer Mäuseausscheidungen erkannt hat, sollte sie desinfizieren, bevor er sie wegputzt. „Eine Staubmaske aus dem Baumarkt (FFP3) hält zudem die Atemwege sauber und schützt auch gegen aufgewirbelte Viren im Flugstaub“, so die RP-Sprecherin weiter. Zudem sei die Bekämpfung von Nagetieren im häuslichen Umfeld eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme.

Weitere Informationen zum Schutz vor einer Hantavirus-Infektion stehen auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts unter www.rki.de, sowie der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.infektionsschutz.de.

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