Selbstporträt des Künstlers Foto: Städtische Museen Freiburg/Killian Axel

„Zwischen Poesie und Wirklichkeit“: Das Augustinermuseum Freiburg präsentiert zum 100. Todestag des Künstlers Hans Thoma vor allem dessen grafisches Werk.

Er sei ein „kultureller Identitätsträger“ für das Land, sagt die Freiburger Museumsdirektorin Jutta Götzmann über den Maler Hans Thoma (1839–1924), dem das Augustinermuseum in Freiburg bis Ende März zum wiederholten Mal eine große Ausstellung widmet.

 

Im Mittelpunkt steht dabei das grafische Werk des Künstlers, das überwiegend in der späten Schaffensphase Thomas entstanden ist, als der lange Zeit übersehene Maler ab 1890 zum Star der Kunstszene im Deutschen Reich avanciert war: Thoma Drucke schmückten viele Wohnzimmer im Land. Den Vertrieb hatte ein Verlag in Leipzig unter sich. Und je nach Größe des Geldbeutels konnte man sich dort zum Thoma-Druck gleich noch einen mehr oder weniger schmucken Rahmen bestellen.

Aufhänger der Ausstellung „Zwischen Poesie und Wirklichkeit“ ist der 100. Todestag Thomas im vergangenen November. Und die Tatsache, dass das Museum über 200 bisher nicht gezeigte Grafiken erwerben konnte, erklärt Museumsleiterin Götzmann. Thomas Werk könne man heute jedoch nicht mehr so unbedarft wie noch vor 50 oder zuletzt vor 35 Jahren in Freiburg zeigen, sagt Götzmann.

Auch die Zeichnung „Blick auf Öflingen“ (Ausschnitt) ist in der Schau zu sehen. /Killian_Axel

Schuld daran sei, dass man „eine gewisse Nähe“ zum völkischen Denken und dem Antisemitismus seiner Zeit auch bei Thoma mittlerweile nicht mehr verneinen könne. Ein antisemitisch eingestellter Hetzer sei der Maler nicht gewesen, ist Kurator Felix Reuße überzeugt. Wohl aber habe sich Thoma geschmeichelt gefühlt von der Anerkennung der Familie des Komponisten Richard Wagner, als er zum Beispiel 1896 Kostüme für dessen Ring des Nibelungen in Bayreuth entwerfen durfte. Denn Thoma war nicht nur Maler, er entwarf neben den Kostümen auch Möbel mit Schwarzwälder Bezug, Bilderrahmen und keramische Arbeiten, die in Freiburg auch zu sehen sind.

„Vielfältige Blickwinkel“ auf Thoma

Man habe „vielfältige Blickwinkel“ auf Thoma gesucht mit der Ausstellung, verrät Götzmann. Darin liege die Qualität der Konzeption. „Wir wollen die Diskussion um Thoma führen“, sagt Reuße. Dazu gehören neben Veranstaltungen mit der Landeszentrale für Politische Bildung zu Thomas Zeit auch Fotos und Briefe, die Thoma-Preisträger Marcel van Eeden zusammengestellt hat und die Thomas Bild abrunden helfen. Dazu gesellen sich Drucke und Gemälde mit italienischen Motiven und Darstellungen mystischer Welten, zahlreiche Tiermotive und Selbstporträts, die den Maler selbstbewusst als älteren, erfolgreichen Künstler porträtieren. Das Bild Thomas als „typisch deutschem“ Maler werde dadurch geradegerückt, so Götzmann und Reuße.

210 Werke sind in der Ausstellung zu erleben. Das ist zwar nur ein Bruchteil der Freiburger Thoma-Bestände, die alleine rund 800 Grafiken umfassen, wie Reuße betont. Es ist aber in der thematischen Breite, die vom Landschaftsbild aus Bernau im Schwarzwald, wo Thoma herkam und wohin der Freiburger Ehrenbürger immer wieder zurückkehrte, über die beeindruckenden und berühmten Fabelwesen des Malers bis hin zu höchst realistisch gehaltenen Familienporträts und seinen religiösen Motiven, die auch seinen Hang zum völkischen Denken spiegelten, eine beeindruckende Spannweite von Themen und Motiven geworden.

Viele Bilder wurden sehr niedrig aufgehängt, um auch Kindern die Arbeit Thomas in einfachen Texten, die zum Mitdenken anregen, näherzubringen.

„Hans Thoma – Zwischen Poesie und Wirklichkeit“, zu sehen im Augustinermuseum Freiburg bis zum 30. März 2025. Das Museum ist von Dienstag von Sonntag 10 bis 17 Uhr geöffnet, am Freitag bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog zur Ausstellung ist im Museum für 26,90 Euro erhältlich.