Das 1977 eröffnete Hans-Rehn-Stift soll abgerissen und neu gebaut werden. Einige Mitglieder des Fördervereins kritisieren die Pläne. Foto: Archiv Rüdiger Ott

Das Hans-Rehn-Stift ist in die Jahre gekommen, eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich. Bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins äußerten einige Mitglieder die Sorge, wohin die Bewohner sollen, wenn mit dem Abriss begonnen wird.

Rohr - Der Abriss der in städtischem Eigentum befindlichen Altenwohnanlage ist beschlossene Sache. Und seit Anfang April steht auch das Ergebnis des Architektenwettbewerbes fest, wonach das Hans-Rehn-Stift als viel kleinerer Neubau und als integraler Teil eines neuen, vom Siedlungswerk realisierten Wohnareals weitergeführt werden soll. Wie sehr dieser Plan für das 1977 eröffnete Haus die Mitglieder des genauso alten Fördervereins umtreibt, das zeigte sich nun vor Ort bei der regulären Jahreshauptversammlung: Im Mittelpunkt sollte die Vorstellung der neuen Leiter des Stiftes und des verbundenen Filderhofes stehen. Der Vereinsvorsitzende Hans Gögelein kam aber kaum über die Begrüßung hinaus, als die Thematik zum ersten Mal aufbrandete.

Mitglieder kritisieren Notwendigkeit des Abrisses

Vehement wurde moniert, dass es „keine Information vorab“ gegeben habe, dass die öffentliche Auslegung im Haus „sehr kurzfristig“ bekannt gemacht wurde und dann auch nur kurz gedauert habe. Einwände, die Gögelein bestätigte. Er wies aber auch darauf hin, dass „alles öffentlich war, denn im Bezirksbeirat wurden die Pläne vorher vorgestellt“. Aus der Versammlung wurde allerdings die Notwendigkeit eines Abrisses bezweifelt – und scharf kritisiert, „dass die Mitarbeiterwohnungen komplett aufgegeben werden“, wie Harald Hoffmann betonte, der in der Einrichtung Rohrer Höhe wohnt. Seine Meinung fasste er so zusammen: „Das Ganze stimmt hinten und vorne nicht.“ Eine Feststellung, der etwa die Hälfte der 30 versammelten Mitglieder applaudierte. Wie tief die Pläne viele treffen, wurde deutlich bei der Frage, wohin die Bewohner mit Baubeginn in „frühestens vier Jahren“ sollen, als ein Mitglied vernehmlich äußerte: „Auf den Friedhof,“ was kurz Beklemmung verursachte.

Hohe Identifikation mit dem Haus

Sacha Machuletz, der neue Leiter des Hauses, verteidigte die Pläne: „Es wurde sehr genau geprüft, was hier machbar ist.“ Er verwies auf gesetzliche Vorgaben. Etwa die Ein-Bett-Zimmer-Vorschrift und die Verkleinerung von Pflegegruppen auf höchstens 15 Personen. Die Sorge, dass es nun zu einem Anmelderückgang komme, teile er nicht. An diesem Punkt sprang ihm Ute Hildebrecht bei, die neue Leiterin des Filderhofes. Sie argumentierte mit dem Pflegeplatzdefizit in Stuttgart: „Das Haus wird belegt sein. Nicht, weil die Menschen es wollen, sondern weil sie keine andere Möglichkeit haben.“

Im Anschluss an die Versammlung machte Gögelein keinen Hehl aus seiner Position: „Diese Veränderungen lassen sich nicht vermeiden. Zum einen wegen der gesetzlichen Vorgaben, zum anderen, weil sich die Bedürfnisse der Menschen geändert haben. Sie wollen ihr eigenes Zimmer haben, um autonom sein zu können.“ Ob da auch Phantomschmerz im Spiel sei? „Da würde ich nicht widersprechen“, sagte Gögelein und fügte hinzu: „Man muss verstehen, dass sich darin eine hohe Identifikation mit dem Haus zeigt, für das wir uns als Förderverein engagieren.“

Stiftungsvorstand sieht die Pläne positiv

Dazu bekannten sich an dem Abend nach der Sitzung auch die ehemaligen Stadträtinnen Bärbel Häring und Hella Probst aus Vaihingen. „Mir ist schier das Herz gebrochen, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass das Haus abgebrochen werden soll“, sagte Häring. „Das war ein Vorzeigeprojekt, auf das die Stadt stolz war. Deshalb wurden ja auch offizielle Delegationen gerne hierher geführt.“ Probst stimmte ihr zu, räumte aber ein: „Mir war klar, dass etwas gemacht werden muss.“ Mit dem „integralen Konzept“ verband sie eine Hoffnung: „Die Bedürfnisse zwischen möglichst langer Selbstständigkeit im Alter und Pflege sind differenzierter geworden. Vielleicht entsteht hier ein Angebot, das dem gerecht wird.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung äußerte sich auch Ulrich Neth vom Vorstand der Stiftung zu dem Projekt: „Wir waren in die Überlegungen eingebunden. Das ist natürlich ein Einschnitt, aber wir sehen die Pläne positiv. Das integrale Konzept mit der Begegnungsstätte entspricht der Absicht des Stifters, für das Wohl alter Menschen Sorge zu tragen.“

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