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"Die Energiewende wird viele, viele Jahre dauern", sagt EnBW-Landesvorstand Hans-Peter Villis.

Stuttgart - Der Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg (EnBW), Hans-Peter Villis, hat die Politik und damit auch die grün-rote Landesregierung aufgefordert, mehr Geduld beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu haben. "Die Energiewende wird viele, viele Jahre dauern", sagte Villis am Freitagabend bei einer Diskussionsveranstaltung des Beamtenbundes in Stuttgart.

Für den Erfolg von Energieträgern wie Wind, Wasser und Sonne werde es entscheidend sein, die Akzeptanz für die erneuerbaren Energien beim Bürger zu steigern und die Versorgungssicherheit dauerhaft sicherzustellen.

Als Beispiele nannte Villis den notwendigen Ausbau der Leitungsnetze, um zum Beispiel Windkraft aus der Nord- und Ostsee nach Baden-Württemberg zu bringen. "Aber wir haben große Probleme, dass die kw-Stunden zu uns kommen", sagte Villis mit Blick auf die Klagen vieler Bürger gegen den Ausbau von Stromleitungen. Angesichts des nur schleppend möglichen Umstiegs auf die neuen Energieformen werde es zwar "keinen Blackout" bei der Stromversorgung geben, Engpässe seien aber künftig durchaus möglich: "Man wird darüber nachdenken müssen, ob Großverbraucher wie Daimler zu bestimmten Zeiten 30 oder 40 Prozent weniger Leistung brauchen."

"Wir müssen uns nach der Decke strecken"

Villis erinnerte daran, dass die EnBW in den vergangenen Jahren 2,2 Milliarden Euro in den Ausbau der alternativen Energien investiert habe und auch weiter dort massiv Mittel einsetzen werde. Durch den millionenschweren Einnahmeausfall bei den abgeschalteten Kernkraftwerken sei der Spielraum aber deutlich geringer geworden: "Wir müssen uns nach der Decke strecken. Denn wir können nicht so viel investieren, wie wir es ursprünglich wollten", betonte Villis. Er hatte zuletzt von den beiden Hauptanteilseignern der EnBW, dem Land und den OEW, deshalb neues Kapital für Investitionen gefordert.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte Baden-Württemberg und Deutschland vor allzu schnellen Ertragshoffnungen aus den erneuerbaren Energien: "Deutschland hat gleich viel Sonnenstunden wie Alaska und aus gutem Grund gibt es hier noch keinen Anbau von Orangenbäumen." Oettinger forderte eine Agenda 2020 für das Thema Stromversorgung. In den nächsten Jahren müsse massiv in den Ausbau der Netze investiert werden, damit vor allem die Firmen dauerhaft eine Versorgungssicherheit hätten und es nicht zur Deindustrialisierung komme: "Der Bahn hilft nicht die Photovoltaik auf dem Garagendach."