Hans Luz gestorben Der Erfinder des „Grünen U“ ist tot

Von Dietrich Heißenbüttel 

Luz hat den alten Rosensteinpark in Bad Cannstatt in das grüne Band zwischen dem Killesberg und dem Schlossgarten Foto: factum
Luz hat den alten Rosensteinpark in Bad Cannstatt in das grüne Band zwischen dem Killesberg und dem Schlossgarten Foto: factum

Er hat die Stadt geprägt wie wenige andere: Als Landschaftsarchitekt! Hans Luz brachte mehr Grün in die Stadt bei der ersten Bundesgartenschau, später brachte er Stuttgart das „Grüne U“. Das bedeutet den Zusammenschluss von grünen Flächen vom Schloss direkt bis auf den Killesberg.

Stuttgart - Unser Aufgabengebiet hat eine Dimension erreicht, die den Einzelnen überfordert, wenn er gleichzeitig Künstler, Handwerker, Techniker, Wissenschaftler und Geschäftsmann sein soll“, gab Hans Luz im Jahr 1979 in einem Vortrag vor der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege zu bedenken. Luz hat es dennoch versucht, denn er hatte eine Vision, das heißt, er wusste genau was er will.

Aus einer Weinbauernfamilie stammend, Sohn eines Gärtners und Landschaftsarchitekten, erlebte er 1945 als 19 Jahre alter Flakhelfer die Zerstörung seiner Stadt und des väterlichen Hauses im Stuttgarter Westen. Er beschloss selbst Gartenarchitekt zu werden, lernte bei Adolf Haag und Otto Valentien, machte sich 1956 selbstständig und erhielt 1961 im Zuge der Bundesgartenschau in Stuttgart seinen ersten öffentlichen Auftrag.

Gärten sind immer eine künstliche Komposition

Seitdem verlagerte sich seine Tätigkeit von der Anlage privater Gärten hin zum öffentlichen Grün: Er gestaltete die Außenbereiche von Wohngebieten, Altenheimen, Schulen, Bibliotheken, Hochschulinstituten, Bädern, Firmensitzen, Straßen, Parkplätzen und Verkehrsbauten, aber auch von verkehrsberuhigten Stadtzentren: ein weites Feld, zu dem auch noch die Instandsetzung historischer Parkanlagen, Friedhöfe und Dachbegrünungen zu zählen sind und das als Ergebnis bewusster Planungen nicht immer sofort ins Auge springt, hat doch der pflanzliche Bewuchs die Gabe, über die einmal angelegten Formen weiter zu wuchern.

Luz hat immer betont, dass ein Garten keine Natur, sondern eine künstlich angelegte Komposition sei. Die Natur spielt in diese Komposition hinein, erhält jedoch durch die menschliche Hand eine klare Form. In diesem Sinne hat er, vom privaten Hausgarten ausgehend, schließlich seine Heimatstadt Stuttgart als Ganzes geprägt.

Die Bundesgartenschau 1961 war am Mittleren Schlossgarten stehen geblieben. 16 Jahre später gewann Luz den Wettbewerb für die Verlängerung. Seitdem gibt es die Berger Sprudler, der Schwanenplatz am unteren Ende verwandelte sich von einer Verkehrswüste in eine Grünfläche, die Villa Berg fand Anschluss an den Unteren Schlossgarten und die revolutionären Fußgängerstege von Jörg Schlaich in der Stadt überbrücken mühelos alle unvermeidlichen Einschnitte.

Die Krönung seines Lebenswerks: Das „Grüne U“

Weitere 16 Jahre danach gelang Luz mit dem „grünen U“ die Krönung seines Lebenswerks: Anlässlich der Internationalen Gartenschau (IGA) 1993 schuf er eine durchgehende Parklandschaft von der Stadtmitte über den Schlossgarten und den Rosensteinpark, den Garten der zerstörten Villa Leibfried und dem Wartberggelände bis hinauf zum Killesberg. Möglich machten dies erneut Schlaichs spektakuläre Fußgängerbrücken, der auch als i-Tüpfelchen den filigranen Aussichtsturm auf dem Killesberg entwarf. Moderne Kunst, etwa das Gate of Hope von Dan Graham oder der Memorial Garden von Michael Singer, kamen ebenso zur Geltung wie neuartige Wasserspiele und einzigartige Kinderspielplätze, die bis heute junge Besucher aus der ganzen Stadt anziehen. Dabei vergaß Luz nicht seine Herkunft. Der rote Sandstein aus der Umgebung, den schon seine Vorfahren zu Weinbergmauern verarbeitet hatten, blieb für ihn ein bevorzugtes Material der Gartengestaltung.

Die Stadt ist mit seinem Erbe nicht pfleglich umgegangen. Nur ein Jahr nach der IGA kamen die Pläne des Bahnprojekts Stuttgart 21 auf den Tisch, die aus dem grünen U ein grünes j gemacht haben: Zwischen Schillerstraße und Biergarten klafft eine Lücke, die sich auch nicht schließen wird, wenn Gras über das Bahnhofsdach wächst. Luz hat die Planungen anfangs befürwortet, weil er von einer Parkerweiterung träumte. Aber seine Vorschläge, ein wenig Grün in die Betonwüste des Europaviertels einzubeziehen, stießen dann doch auf taube Ohren.

Während sein Sohn Christof seither das Büro führt, kehrte der Vater des grünen U der Stadt den Rücken und erfreute sich von seinem Alterssitz, der Wohnung im Asemwald, aus des Blicks auf die Schwäbische Alb. Dort ist am 9. April Luz gestorben, kurz bevor er sein 90. Lebensjahr vollendet hat.

Lesen Sie jetzt