Hans-Jörg Weinbrenner hat an diesem Donnerstag seinen letzten Arbeitstag im Rathaus. Foto: Jan Potente

Am Donnerstag ist sein letzter Arbeitstag im Rathaus: Der langjährige Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner geht mit 58 Jahren in den Ruhestand – nicht ganz freiwillig.

Aspach - An diesem Donnerstag ist der letzte Arbeitstag von Hans-Jörg Weinbrenner. Der Aspacher Bürgermeister sagt Servus, mit 58 Jahren. Nicht ganz freiwillig zieht er sich zurück. Sondern „aus gesundheitlichen Gründen“, wie er erklärt. Weinbrenner ist gut drauf an diesem schmuddeligen Tag im Spätherbst. Er sitzt in seinem Amtszimmer und sagt, dass er „womöglich auch so aufgehört hätte“, wenn er topfit wäre. Denn „Wandel tut Not“. Deutschland, sagt er, „wird von älteren Männern regiert“. Und das sei nicht gut. „Leute von gestern sollten nicht die Entscheidungen von morgen treffen.“ Zu diesen Leuten von gestern zähle er sich selbst. Manch ein Beobachter könnte auf die Idee kommen, dass Weinbrenner kokettiert. Aber das ist nicht der Fall. Weinbrenner sagt, er wäre dafür, die Amtszeiten von gewählten Volksvertretern zu begrenzen, von Bürgermeistern, aber auch von Gemeinderäten.

Hans-Jörg Weinbrenner hat viel gearbeitet. Sicherlich mehr als ein Otto-Normal-Bürger mit 65. So ein Schultes ist ja immer im Dienst. Wenn er einkaufen oder spazieren geht – ständig wird er von Bürgern angesprochen. Das ist der Preis des Amtes. Weinbrenner hat sich mit diesem Umstand offenkundig gut arrangiert. Er scheint sich aber darauf zu freuen, dass er bald nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Auf Anhieb ins Amt gewählt

Was kommt nach den 24 Jahren auf dem Chefsessel im Rathaus? Er wolle mindestens ein halbes Sabbatjahr machen, gesund werden – und dann schauen, ob er sich nochmal beruflich engagieren möchte. Ganz sicher werde er künftig öfter aufs Mountainbike und aufs Rennrad steigen und manchmal auf sein Motorrad. Vielleicht, vielleicht werde er einen Biketrip von Windhoek in Namibia nach Kapstadt in Südafrika machen. Er will sich ganz bestimmt mehr um das Enkelkind in Tübingen kümmern – und das Haus renovieren.

Eigentlich, erzählt der Schultes, habe er als junger Mann nach dem Zivildienst in einer Sindelfinger Werkstatt für Behinderte an der Uni Hohenheim Agrarwissenschaften studieren und dann in die Entwicklungshilfe gehen wollen. Als ihm ein Studienplatz in Gießen zugewiesen wurde, habe er sich nicht von seiner Freundin, der heutigen Gattin, trennen wollen. Und deshalb studiert, was die Gefährtin bereits studiert hat. 1987 hat Weinbrenner sein Diplom an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg gemacht. Damals, sagt er im Rückblick, habe er sich gesagt: „Das machst du, bis du was anderes hast.“ Weinbrenner hat nichts besseres gefunden – man könnte sagen: das spricht für die Arbeit in der Verwaltung.

Von 1987 bis 1991 war er stellvertretender Hauptamtsleiter in Holzgerlingen, dann bis 1994 Hauptamtsleiter in Schönaich, dem Ort, in dem er aufgewachsen ist. 1994 hat sich der parteilose Kandidat in Aspach als Bürgermeister beworben und wurde auf Anhieb ins Amt gewählt. Sein Motto: „Ich mache was aus dem, was ich gelernt haben.“ Ein Faible fürs Chefsein hat er wohl immer gehabt. Er war Klassensprecher, Jugendleiter in der Kirche und Ansprechpartner für seine Zivi-Kollegen.

Weinbrenner will in Aspach bleiben

Aspach und den Raum Backnang habe er bis zur Entscheidung, dass er in Aspach kandidieren wolle, nicht gekannt, sagt Weinbrenner und lacht. Eine Freundin seiner Frau hat 1994 als persönliche Referentin des damaligen Backnanger Oberbürgermeisters Hannes Rieckhoff gearbeitet und vom ausgeschriebenen Posten im Nachbarort erzählt. Die Familie Weinbrenner hat sich schnell eingelebt in Aspach, der Bürgermeister spricht von „einer besonderen Ecke“. Die Gegend gefalle ihm gut, er wolle im rund 8200 Einwohner zählenden Aspach bleiben.

Während der vergangenen drei Amtsperioden sei einiges erreicht worden, sagt Weinbrenner. Besonders wichtig seien ihm nicht die Neubauprojekte, der Dialog mit den Bürgern habe ihm am Herzen gelegen. Bereits 1996 habe die Kommune mit einer repräsentativen Befragung versucht herauszufinden: Wo drückt der Schuh? Die Ergebnisse seien dann die Richtschnur für viele Entscheidungen gewesen.

Die wirtschaftliche Situation der Gemeinde „war nie so gut wie heute“, sagt Weinbrenner. Aspach verfüge über Rücklagen in Millionenhöhe. Die kürzlich gewählte Nachfolgerin habe Handlungsspielraum. Es stünden aber kostspielige Projekte an, etwa der Neubau der Schule und eines Feuerwehrhauses. Mit diesem Aufgaben darf sich von 1. Dezember an die neue Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff befassen.

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