Im Alter von 99 Jahren ist Hans Georg Hirsch vor wenigen Tagen in einem Vorort von Washington in den Vereinigten Staaten von Amerika verstorben. Er war der Sohn von Otto Hirsch, nach dem die renommierte Otto-Hirsch-Auszeichnung für die Zusammenarbeit von Christen und Juden benannt ist.
Stuttgart - Es ist für George Arnstein sicher nicht leicht gewesen, aber ein großes Anliegen: Dass man in Deutschland vom Schicksal Hans Georg Hirschs erfährt. „Im Alter von 99 Jahren ist er am 15. Dezember 2015 zu Hause in Bethesda (Vorort von Washington) nach kurzem Leiden gestorben“, teilt Arnstein per Mail mit. Viele Familienmitglieder seien bei der Beerdigung gewesen: „Eine Schwester, Grete Hirsch, ein Sohn, und drei Töchter plus Enkel und vier Urenkel“ schreibt George Arnstein.
Hans Georg Hirsch, oder „George“, wie ihn sein Namensvetter Arnstein nennt, ist am 8. August 1916 in Stuttgart geboren. Seine Mutter war Martha Hirsch, sein Vater Otto Hirsch, nach dem seit 1985 die Auszeichnung benannt ist, die bis heute für Verdienste um die Zusammenarbeit von Christen und Juden verliehen wird.
Hans Georg Hirsch reiste oft von USA nach Stuttgart, wenn wieder ein Festakt anstand. Er hatte hier das Eberhard-Ludwigs- Gymnasium besucht, bevor er 1938 in die Vereinigten Staaten emigrierte und dort an der University of Minnesota promovierte. Dort lernte Hans Georg Hirsch seine Gattin Helen Strauss kennen, die er 1941 heiratete und 1994 durch ihren Tod verloren hat.
35 Jahre beim Landwirtschaftsministerium tätig
Beruflich war Hirsch 35 Jahre lang beim Landwirtschaftsministerium tätig, darunter auch mehrere Jahre als Attaché in Paris. Beim Leo Baeck Institute in New York war er mehrere Jahre lang Aufsichtsrat. Im Ruhestand beschäftigte sich Hirsch intensiv mit seiner Familiengeschichte, insbesondere mit den Vorfahren aus deutschen Gebieten, deren Wurzeln, so schreibt George Arnstein, „bis zu 400 Jahre“ zurückreichen.
Übrigens hat auch George Arnstein aus Washington deutsche Wurzeln: Er ist ehemaliger Schüler der Schule in Ostheim und des Zeppelin-Gymnasiums.
Der Verstorbene hat sich für die Otto-Hirsch-Auszeichnung vor dem Hintergrund der Familien- und der Weltgeschichte eingesetzt. Sein Vater Otto ist als Sohn eines jüdischen Weingroßhändlers geboren, ging in Stuttgart zur Schule und studierte anschließend an mehreren namhaften Universitäten Rechtswissenschaften. 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, verlor Otto Hirsch seinen Posten als Vorstandsmitglied der Neckar AG und wurde Vorsitzender der Reichsvertretung der Deutschen Juden. In Berlin arbeitete er eng mit Leo Baeck zusammen und engagierte sich als Emigrationshelfer für Juden. Am 16. Februar 1941 wurde Otto Hirsch inhaftiert, im Konzentrationslager Mauthausen interniert und starb am 19. Juni 1941 dort.