Hans-Christoph Rademann Foto: Holger Schneider

Hans-Christoph Rademann hat zum Saisonstart der Internationalen Bachakademie Stuttgart Werke von Bach und Zelenka dirigiert.

Stuttgart - Aus zwei Konzertabenden macht die Bachakademie von dieser Saison an einen einzigen – und endlich können Hans-Christoph Rademann und die Musiker der Gaechinger Cantorey am Sonntagabend wieder einmal vor einem gut besetzten Beethovensaal musizieren. Sie tun das mit einem Programm, dessen Dramaturgie gleichsam durch die Hintertür hereinkommt: Aufgeführt werden mit Bachs Kantate BWV 198 und Jan Dismas Zelenkas D-Dur-Requiem zwei Werke, die zeitnah für die Trauerfeiern zweier Eheleute entstanden, nämlich des sächsischen Kurfürsten August des Starken und seiner Frau Christiane Eberhardine. Interessant ist nicht nur, dass er Katholik und sie Protestantin war, sondern auch, dass sich an den unterschiedlichen Konfessionen hier zwei sehr unterschiedliche Ästhetiken festmachen. Gut jedenfalls, dass das Konzert mit Bachs Ode beginnt – hätte man zuerst der instrumentalen Pracht von Zelenkas Requiem gelauscht, so wäre einem die in dunklen Farben gehaltene, fein den Wortsinn von Gottscheds Text auskleidende und vertiefende Musik Bachs zwangsläufig ein wenig anämisch erschienen. Die Feinheiten von Bachs Stück, dessen Klang maßgeblich vom samtsilbrigen Ton zweier Gamben geprägt wird, machen Hans-Christoph Rademann und seine Musiker hörbar, aber es kommt einem (was auch am Sujet und am Text liegt) nicht wirklich nah.

Zelenka hingegen: Was für eine Wirkung! Viele Solisten im Orchester dürfen hier als Virtuosen glänzen. Allein das „Recordare“ – ein geradezu himmlisches Terzett von Altus, Tenor und dem klangfarblich bedeckten, kleinen Klarinetten-Vorfahren Chalumeau – ist ein Genuss für alle Sinne, bei dem die Zeit still zu stehen scheint. Neben den guten Solisten Catalina Bertucci, Benedikt Kristjánsson und Nikolay Borchev glänz der Countertenor Benno Schachtner besonders, weil er Virtuosität und Natürlichkeit auf frappierende Weise ausbalanciert. Rademann hat ein Händchen auch für das Katholische, bringt, abgesehen von ein paar Wacklern bei Tutti-Einsätzen, die Pracht auf den Punkt. Bis hin zur Schlussphrase, die nach all der gezeigten Muskelkraft fast lapidar wirkt – als habe sich Zelenka plötzlich daran erinnert, dass sein Stück ein Requiem, also auch ein bisschen traurig sein soll.

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