Hangrutsch an Plochinger Steige in Kirchheim Das Pfahlwerk kommt auf dem Zahnfleisch daher

Von Thomas Schorradt 

Der  Hang ist abgerutscht und hat die  Stützkonstruktion  freigelegt. Foto: Horst Rudel
Der Hang ist abgerutscht und hat die Stützkonstruktion freigelegt. Foto: Horst Rudel

In der Landesstraße zwischen Kirchheim und Wernau stecken Millionen von Euro. Jetzt rutscht der Hang an der Plochinger Steige schon wieder. Das Regierungspräsidium beruhigt: Die Verkehrssicherheit sei nicht in Gefahr.

Kirchheim - Der Hang zwischen Kirchheim und Wernau kommt nicht zur Ruhe. Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben die Stahlbeton-Pfähle, auf denen die Landesstraße 1207, die Plochinger Steige, ruht, weitgehend freigewaschen. Für das Regierungspräsidium Stuttgart, in dessen Zuständigkeit die Erhaltung der Straße fällt, ist der gen Tal gerutschte Hang jedoch mehr ein optisches, denn ein statisches Problem.

Die Verkehrssicherheit der viel befahrenen Verbindung zwischen Kirchheim und dem Neckartal bei Wernau sei nicht in Gefahr, sagt Désirée Bodesheim, die Sprecherin der Behörde. „Wir gehen davon aus, dass die Bohrpfähle ausreichend tief eingebunden sind.“ Gleichwohl hätten die Straßenbauer und Geologen ein wachsames Auge auf die jüngste Entwicklung geworfen und eine Art Frühwarnsystem installiert. Das regelmäßige Monitoring soll über die Bewegungen am Hang und über die Standfestigkeit der Pfeiler Aufschluss geben.

Die Böschung soll mittelfristig stabilisiert werden

Unabhängig vom Ergebnis der Messungen soll der Hang wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden. „Wir sehen mittelfristig eine Stabilisierung der Böschung vor“, sagt Désirée Bodesheim. Im ersten Schritt müssten dann bei einer geologischen Untersuchung die Art und der Umfang der Maßnahmen festgelegt werden. Dann seien ergänzende Untersuchungen, wie beispielsweise eine artenschutzrechtliche Prüfung, notwendig. Parallel dazu müssten die Pläne mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt werden. „Für diesen Vorlauf ist ein Zeitraum von mindestens zwei Jahren erforderlich – unabhängig von den dann zur Verfügung stehenden Mitteln“, sagt die Sprecherin.

Der besonders rutschgefährdete Klingeneinschnitt auf Höhe der Parkbucht, dort, wo sich die Straße in einer leichten Linkskurve den Berg hinaufschwingt, war schon mehrmals saniert worden. Nachdem es immer wieder zu Brüchen im Asphalt gekommen war, hatte das federführende Regierungspräsidium zuletzt zum großen Besteck gegriffen. Seit vier Jahren sorgen 69 massive Stahlbetonpfähle dafür, dass die Straße im Lot bleibt. Die Verankerungen sind im Abstand von jeweils 1,4 Metern bis zu 14 Meter in die Tiefe gerammt worden. Und zwar so, dass die Anker über die labilen Hangschichten hinaus bis zu zwei Meter Halt im festen Fels finden.

Die Probleme haben vor zehn Jahren begonnen

„Von dem Gründungswerk ist oberhalb des Hangs auf 150 Metern Länge nur noch ein Kopfbalken aus Beton zu sehen“, hat der Berichterstatter dieser Zeitung damals vermerkt. Inzwischen ist von dem Gründungswerk wesentlich mehr zu sehen, als nur ein Betonband. Die Stützkonstruktion kommt auf dem Zahnfleisch daher – ungeachtet der Tatsache, dass damals Material im Wert von knapp einer Million Euro im Erdreich versenkt worden war. Vier Monate hatten die Bauarbeiten im Sommer 2014 gedauert. Mit der Neueröffnung der Landesstraße ist auch das bei den ersten Absenkungen in Kraft getretene Verbot für Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen auf Dauer erlassen worden.

Die Probleme haben vor zehn Jahren begonnen. Damals hatte das Regierungspräsidium die ohnehin geplante Sanierung der Bergstrecke zum Anlass nehmen wollen, um den unfallträchtigen Straßenabschnitt sicherer zu machen. Rund 3,5 Millionen Euro wurden in eine neue Streckenführung investiert – vor allem mit dem Ziel, die gefährliche Kurvenkombination im Mittelteil zu entschärfen.

Doch bereits ein Jahr später wurde zum ersten Mal deutlich, dass der für die notwendige Verbreiterung aufgeschüttete Hang den Belastungen des täglichen Verkehrs nicht gewachsen war. Die Fahrbahn brach nach außen weg. Die Erklärung des Regierungspräsidiums damals: die Geologen hätten – wie in solchen Fällen üblich – versucht, eine praktikable Lösung zu finden, die gleichzeitig bezahlbar sei. In neun von zehn Fällen gehe das gut. Die Plochinger Steige sei leider der zehnte Fall.

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