Seit dem 15. Januar ist in Stuttgart das Handyparken möglich. Wie funktioniert das in der Praxis? Eine Tour durch die Stadt offenbart das eine oder andere Defizit.
„Kein Kleingeld? Handyparken!“, diesen Hinweis findet man inzwischen auf vielen Parkscheinautomaten in Stuttgart. Wer dann am Automaten um die Ecke schaut, findet einen weiteren Aufkleber, der sechs Anbieter auflistet, die es ermöglichen, seine Parkgebühren online zu bezahlen. „Auch ohne Registrierung“, wie dort steht.
Bei einer Stichprobe waren aber abseits der Innenstadt die Automaten in Außenbezirken wie Degerloch, Möhringen, Hohenheim und Plieningen auch einen Monat nach dem Start des Handyparkens am 15. Januar ohne diese Information. Das sei witterungsbedingt, heißt es bei der Stadt. Die Apps funktionieren aber auch in diesen Parkzonen. Stuttgart ist beim Handyparken so oder so ein Nachzügler.
Hinweis aufs Handyparken noch nicht überall
Man kann Anbieter nutzen, die in der Initative Smartparking zusammengeschlossen sind: EasyPark, Mobilet, Parco, Parkster, Paybyphone und Yellowbrick. Welche App man wählt und auf sein Smartphone lägt, muss man je nach Funktionen und Gebühren entscheiden. Und das ist unübersichtlich. Ganz ohne Registrierung geht es nach dem Download auch nicht: Name, Kennzeichen und Bezahlweg sind Pflicht.
Wie funktioniert das in der Praxis? Wichtig ist, sich allein am offiziellen Aufkleber und den entsprechenden Webseiten der Anbieter zu orientieren. Gelegentlich haben – auch in Stuttgart – Betrüger schon versucht, Autofahrer auf falsche Apps zu locken. Dafür reicht es, den QR-Code für die Anmeldung zu überkleben.
Kleine Widerhaken im Alltag
Ein kleiner Praxistest zeigt ein paar Widerhaken. Beispielhaft stehen hier EasyPark und Parkster. Die Auswahl soll keine besondere Empfehlung oder Bewertung darstellen. EasyPark nennt sich europäischer Marktführer und hat sich auch auf dem Aufkleber der Stadt den prominentesten Platz reserviert.
Parkster ist der einzige Anbieter, der auf eine Servicegebühr verzichtet. Bedingung ist allerdings, dass man sich registriert. Geld verdient Parkster mit Extraservices, etwa einer Abrechnung für Familien oder Unternehmen. Zudem kassiert Parkster ohne Registrierung schon bei kleinsten Parkvorgängen eine Pauschale von 50 Cent.
Ohne Navi geht es nicht
Ohne einen Blick auf das Navi oder den üblichen Parksuchverkehr geht es nicht. Einfach am Smartphone schauen, wo es in der Stadt Parkplätze gibt, egal ob am Straßenrand oder im Parkhaus – und dann mit ein paar Klicks oder dank automatischer Kennzeichenerkennung bezahlen? Das geht nicht. Verträge mit privaten Parkhausbetreibern müssen die Anbieter individuell abschließen.
Easypark hat zum Beispiel nur die beiden Garagen Cannstatter Carré und Galeria Kaufhof im Angebot. Das eine Parkhaus in städtischer Obhut in der Stuttgarter Innenstadt, die Rathausgarage, ist übrigens nirgends dabei. Parkschranken mit Ticketausgabe sind mit der nötigen Kennzeichenerkennung nicht kompatibel. Auch freie Parkplätze werden nicht angezeigt. Man habe in anderen Städten mit Systemen experimentiert, die ohne aufwendige Sensoren funktionieren, heißt es bei Easy Park. Bisher sei das aber nicht anwendungsreif.
GPS markiert Standort nicht immer präzise
In der Regel identifiziert man seinen Parkplatz auf einer Karte. Hineinklicken und sich gleich die Route dorthin zeigen lassen, geht aber nicht. Auch die Lokalisierung des Fahrzeugs per GPS hat Unschärfen. Beim Probeparken beim Landgericht an der Urbanstraße weist die EasyPark App darauf hin und warnt, dass man, sollte man sich bei der Parkzone vertun, einen Strafzettel riskiert. Zudem gibt es sozusagen die Möglichkeit zum Parkzonen-Quiz: Wer die Nummer kennt, kann sie eingeben oder etwa beim Anbieter Mobilet aus einer Liste auswählen.
Beim Parken am Hölderlinplatz im Stuttgarter Westen markiert Parkster die Parkzone zwar präzise – doch verlangt man eine Mindestparkdauer von 30 Minuten, obwohl an den Automaten nur 15 Minuten stehen. Allerdings lässt sich nachträglich die Parkzeit auf die Mindestdauer reduzieren.
Exakt zahlen ist ein Trumpf
Die Möglichkeit, die Parkgebühr exakt an die genutzte Zeit anzupassen, ist der größte Mehrwert der Apps. Servicegebühren relativieren sich, wenn man das Überzahlen oder gar einen Strafzettel vermeidet.
Die Stadt hat die Mitglieder der Park-Initiative erst einmal für zwei Jahre zugelassen. Für sie war es vorteilhaft, mit einer einheitlichen Datenschnittstelle für Abrechnung und Parküberwachung zu operieren. Gebühren zahlen die Anbieter nicht.
Technisch wäre mehr drin, sagt Patrick Lundberg der für Deutschland zuständige Geschäftsführer des in Schweden gegründeten Parkster. In Schweden, wo mancherorts 90 Prozent aller Parkgebühren per App bezahlt werden, haben die nach einer Marktkonsolidierung übrig gebliebenen drei großen Anbieter längst Parkflächen und Parkhäuser, Auslastungsinformationen, ja selbst die Bezahlung an Elektro-Ladesäulen integriert. „Aber Schweden war eben auch zehn Jahre früher dran als Deutschland“, sagt er.
Die Servicegebühren der Anbieter
Easy Park
15 Prozent je Parkvorgang, mindestens 29 Cent. Auf eine Parkgebühr von drei Euro kommen so noch einmal 45 Cent. Mit einem Abo für 2,99 Euro im Monat je Fahrer ist der Service bezahlt, egal wie oft man parkt und mit welchem Auto.
Mobilet
10 Cent je angefangenen Euro Parkgebühr. Für drei Euro sind es also 40 Cent, aber bei zwei Euro und 90 Cent Parkkosten wären es 30 Cent.
Parco
15 Cent je Parkvorgang plus 5 Prozent der Parkgebühren plus Mehrwertsteuer. Bei drei Euro kostet der Service also 36 Cent.
Parkster
Keine Gebühr, sofern man sich registriert. Das Premiumangebot, bei dem man sich z.B. an ablaufende Parkzeiten erinnern lassen kann, kostet 39 Cent je Parkvorgang. Ohne Registrierung kostet jedes Parken 50 Cent.
Paybyphone
15 Prozent je Parkvorgang, mindestens 24 Cent. Also bei drei Euro 45 Cent Gebühr.
Yellowbrick
6 Prozent je Parkvorgang, mindestens 12 Cent. Bei drei Euro sind das 18 Cent. Ein Pauschalabo gibt es für 1,19 Euro monatlich für den ersten Fahrer und 1,99 Euro für jeden weiteren.