Handy übergeben Osmanen-Chef versorgte Polizei mit Informationen

Von Franz Feyder 

Die Kutten der Osmanen. Der Verein wurde von Innenminister Horst Seehofer jetzt verboten. Foto: dpa
Die Kutten der Osmanen. Der Verein wurde von Innenminister Horst Seehofer jetzt verboten. Foto: dpa

Gewaltkult, Drogenhandel, Zwangsprostitution und politische Verbindungen in die Türkei: Lange wurde gegen den Osmanen Germania Boxclub ermittelt – jetzt ist er verboten.

Stuttgart - Überraschende Wende: Der Welt-Chef der von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verbotenen Gruppe Osmanen Germania Boxclub, Mehmet Bagci, hat von Frühjahr 2017 bis zu seiner Festnahme im August die hessische Polizei mit Infos über die Gruppe versorgt. Das geht aus der Zeugenaussage von zwei Polizisten im Stuttgarter Osmanen-Verfahren hervor. Unklar ist, ob Bagci als sogenannte Vertrauensperson (VP) – also als Spitzel – gearbeitet hat.

Im Oktober wandte sich der verhaftete Bagci während eines Besuches seiner Frau und Kinder an den das Treffen überwachenden Polizisten und monierte, dass er in Untersuchungshaft sei. Dabei habe er, so der Beamte, von „Aufträgen seiner VP-Führung gesprochen“, die er erledigt habe. Ein hessischer Kriminaler hingegen sprach von Informationen, die Bagci freiwillig den Ermittlern geliefert haben soll. So habe er am 7. Juli 2017 sein Handy übergeben, damit Polizisten dort gespeicherte Daten auslesen konnten.

Osmanen haben Kontakte zu Erdogan

Das Verbot der Osmanen ist für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir überfällig: „Diese Erdogan-Truppe hat in Deutschland schon viel zu lange Angst und Schrecken verbreitet und das Gesetz mit den Füßen getreten. Ich hoffe, dass damit auch die Hasenfüßigkeit der deutschen Politik im Umgang mit Erdogans Vorfeldorganisationen in Deutschland endet und auch die UID, ehemals UETD, genauer in den Blick genommen wird.“ Von den Osmanen gehe eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus“, hatte das Innenministerium erklärt.

Die Osmanen waren nach Recherchen des ZDF und unserer Zeitung eng mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan, seiner Partei AKP sowie dem in Deutschland tätigen Lobbyverein UID verbandelt. Demnach finanzierte ein Freund Erdogans Waffenkäufe der Osmanen.

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