Samsungs neue Topmodelle versagen im Falltest.  Foto:Warentest Foto:  

Technisch ist die neueste Generation der kleinen Alleskönner topfit – wobei sich Samsung und Apple bei ihren Spitzenmodellen einen harten Wettkampf liefern. Doch die Koreaner patzen bei der Fallprüfung.

Berlin - Es ist schon beeindruckend, was Smartphones alles wegstecken: Wenn sie aus der Tasche fallen oder aus der Hand rutschen, dann passiert meist nicht viel – selbst wenn sie ziemlich hart auf einem Steinboden landen. Daran hat man sich schon so gewöhnt, dass der Frust tief sitzt, wenn das Gerät nach einem Sturz mit gesplitterten Ecken oder zersprungenem Glas so entstellt ist, dass sich manch ein Nutzer kurzerhand ein neues Handy kauft. Und wenn es gar nach einem tiefen Sturz im Treppenhaus keinen Mucks mehr von sich gibt, regt man sich nur allzu gern über den Hersteller auf – obwohl man dem in solchen Fällen nicht wirklich die Schuld an dem Missgeschick geben kann.

Allerdings vertragen manche Handys mehr als andere, wie die regelmäßigen Fallprüfungen der Stiftung Warentest zeigen. Das zeigt sich auch jetzt wieder, als im aktuellen Novemberheft „Test“ insgesamt 21 Smartphones geprüft wurden. Dabei werden die Hightechgeräte in einer drehbaren Falltrommel so traktiert, dass Stürze aus 80 Zentimeter Höhe auf einen Steinboden simuliert werden. Und das nicht nur einmal, sondern gleich hundert Mal.

Test in der Falltrommel

Genau dies ärgert manchen Nutzer – mit dem Argument, dass doch kaum jemand so schusselig ist, sein Handy gleich hundert Mal fallen zu lassen. Die Berliner Warentester haben indes gute Gründe für ihr Vorgehen: In der Falltrommel landen die Geräte bei jedem „Sturz“ immer ein bisschen anders, wobei Ecken, Kanten und Displays unterschiedlich betroffen sind. Es werden also unterschiedlich Sturzszenarien abgebildet – genau wie dies im Alltag auch der Fall ist. Und weil sämtliche geprüften Smartphones dieselbe Falltrommel-Tortur über sich ergehen lassen müssen, zeigt sich recht schell, wie bruchsicher und falltolerant ein Hersteller seine Geräte konstruiert hat.

Von Samsung kann man dies jedenfalls nicht mehr behaupten. Nachdem das Unternehmen offenbar seine Probleme mit brennenden Akkus im Griff hat, scheiterten nun alle vier geprüften Geräte der neuesten Generation im Falltest. Das Spitzentrio – Galaxy S8, S8+ sowie das neue Topmodell Note 8 – zerbröselte sogar nach bereits 50 von 100 Stürzen. Gebrochenes Display, gesplitterte Ecken, ein spinnennetzförmig gerissener Rücken: Die Schäden sind deutlich sichtbar – und vor allem ärgerlich.

Über die Gründe für das kollektive Samsung-Versagen im Falltest können die Tester nur Mutmaßungen anstellen: „Eine Ursache könnte das fast rahmenlose Design mit über die Seiten gebogenem Display sein.“ Dies trifft für das Galaxy S8, S8+ und das Note 8 zu. Dagegen hat das ebenfalls ziemlich zerbrechliche Modell Galaxy J5 Plus, das jüngst überarbeitet wurde, einen normalen Rahmen. „Scherben verhindern kann eine Schutzhülle – oder ein robusteres Handy“, lautet der lapidare Rat der Warentester.

Technisch fit, aber zerbrechlich

Samsung wird dies wenig freuen, zumal die Geräte nach wie vor technisch top sind und die Konkurrenz hinter sich lassen – sogar das neue iPhone 8 Plus von Apple. Doch das ist robuster und kommt deshalb im aktuellen Test auf Platz eins. Immerhin punktet das teure Apple-Gerät – es kostet ab 910 Euro – nun auch mit den besten Fotos. Die Gesamtnote: 2,0 für den Testsieger iPhone 8 Plus, 2,1 für das iPhone 8. In der Fotodisziplin ist nun Samsung mit seinen Spitzenmodellen knapp geschlagen, die notenmäßig zwischen 2,1 und 2,2 liegen. Bei Telefon, Internet und PC erreichen die Koreaner mit den Spitzenmodellen aber nach wie vor die besten Noten. Das Galaxy J5 wiederum liefert weitaus schlechtere Fotos und kassiert die Note 3,3. Selbst beim Telefon kommt es über die Note 2,8 nicht hinaus.

Und die Konkurrenz? Kann mit den beiden Platzhirschen zum Teil durchaus mithalten – und das zu deutlich günstigeren Preisen. Das LG G6 zum Beispiel belegt nach den beiden 8er-Apples den guten dritten Platz, wobei es wie das iPhone 8 sogar auf die Gesamtnote 2,0 kommt. Und das für durchschnittlich „nur“ 490 Euro, wobei die Warentester eine Preisspanne von 425 bis 770 Euro angeben. Dies zeigt wieder einmal, dass sich Preisvergleiche wirklich lohnen – auch bei anderen Modellen gibt es ähnliche Spannen.

Zehn gute Geräte

Auf Platz vier folgt ebenfalls eine Neuheit: das 720 Euro teure HTC U11. Erfreulich ist, dass insgesamt zehn weitere Geräte „gut“ waren. Mit „befriedigend“ wurden sieben Smartphones bewertet: Neben den vier Falltestversagern von Samsung das fünfte geprüfte Samsung-Modell XCover4 sowie das Nokia 3 (Dual Sim) und das Acer Liquid ZGE. Das Acer kostet indes nur 107 Euro, ist aber technisch deutlich abgespeckt, was sich auch im Testbericht niederschlägt: Fotos und Videos „kaum zu gebrauchen“, langsames Surfen, Akku hält nur 15 Stunden durch. „Bei dem Preis vielleicht für den Nachwuchs geeignet“, so das Fazit. Eine etwas teurere, aber deutlich bessere Alternative: Das extrem robuste Samsung Galaxy XCover4 erhielt die Note 2,8 – für 251 Euro.

Insgesamt macht man also nicht viel falsch, wenn man sich sein Handy nach technischen Vorlieben und nach Aussehen auswählt – solange man keine Spitzenfotos erwartet. Wer aber auf einen traditionellen Kopfhörer-Anschluss nicht verzichten will, darf sich kein Gerät von Apple oder HTC kaufen – es sei denn, er nimmt einen Adapter in Kauf.

Bedienstift und Dualkamera

Und welche technischen Neuerungen erwarten die Nutzer? Das Note 8 wartete mit einem Bedienstift auf, mit dem sich handschriftliche Notizen lesen und in Druckbuchstaben umwandeln lassen – sogar bei krakeliger Schrift. Zudem hat es, wie das iPhone 8 Plus und andere neue Smartphones, eine doppelte Kamera auf der Rückseite. Mit dieser Dualkamera lassen sich „kunstvolle“ Fotos machen, wie die Tester beeindruckt berichten. So lässt sich nun auch beim Handy das Motiv im Vordergrund scharf darstellen, während der Hintergrund verschwindet. LG hat beim G6 zwei Weitwinkelobjekte eingebaut – „toll für Naturpanoramen“, so die Tester.

Gut und günstig

Modellvielfalt
Bei mehreren Anbietern haben Verbraucher die Wahl zwischen teuren und preiswerten Modellen – wobei beide Varianten dieselbe Note erhielten, in diesen Fällen „gut“. Ein Beispiel ist das Modellpaar von HTC (beide mit der Note 2,3): das U Ultra für 505 Euro und das U Play für 305 Euro. Das billigere Gerät hat allerdings ein kleineres Display, halb so viel Speicherkapazität und macht nicht ganz so gute Bilder. Ähnlich ist es beim Paar von Huawei (ebenfalls Note 2,3): Das mit 227 Euro günstigere Modell P8 Lite hat sogar einen etwas besseren Akku als das 310 Euro teure P10 Lite.

Oldtimer
Vor allem beim Samsung lohnt sich die Überlegung, ein älteres Modell zu kaufen. In der Bestenliste der Stiftung Warentest steht das Galaxy S 7 für 510 Euro mit der Note 1,9 ganz oben. Dieselbe Note weist auch das aktuelle Galaxy A5 (2017) auf, das darüber hinaus mit 330 Euro klarer Preis-Leistungs-Sieger ist. Noch einmal sparen kann man, wenn man ein Galaxy A5 (2016) ergattert, das nur 249 Euro kostet, aber immer noch mit der Gesamtnote 2,1 glänzt.

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