Handwerker haben Grund zu Optimismus. Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.co

Die Inlandsnachfrage füllt die Auftragsbücher der Betriebe und verlängert die Wartezeiten für die Kunden.

Berlin - Das Handwerk kann sich der Konjunktur-Flaute in Deutschland bislang weitgehend entziehen. „Unsere Konjunktur-Umfragen unter den Betrieben zeigen ganz deutlich: Das Handwerk steht stabil da, und zwar auf einem sehr hohen Niveau“, sagte der Generalsekretär des Zentralverbandes ZDH, Holger Schwannecke, unserer Zeitung. „Zuletzt sagten neun von zehn Betrieben, dass ihre Geschäftslage gut oder befriedigend sei. Das ist ein hervorragender Wert. Die Unternehmen rechnen auch damit, dass sie in absehbarer Zeit weiterhin gut im Geschäft bleiben werden.“ Die Auftragsbücher seien voll, in den Baugewerken müssten Kunden in der Regel fünfzehn Wochen auf einen Termin warten.

Am Mittwoch hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft war. Im dritten Vierteljahr droht ein richtiger Einbruch, Deutschland befände sich damit in einer Rezession.

KfZ-Werkstätten haben Einbußen

Der ZDH-Generalsekretär betonte, dass das Handwerk vor allem von der Binnenkonjunktur lebt. Diese sei im Gegensatz zum Export weiterhin sehr robust. „Es gibt aber auch bei uns Ausnahmen: Das Geschäft in den Kfz-Werkstätten läuft nicht mehr so gut. Und auch Zulieferer und Dienstleister, die nah dran sind an exportorientierten Branchen wie dem Automobil- oder Maschinenbau, berichten von einem rückläufigen Auftragsbestand.“

Ein zunehmendes Problem für das Handwerk sind die rasant steigenden Mieten und Immobilienpreise in den Ballungsräumen. „Vielerorts erleben wir einen Rückzug von Handwerkern aus den Innenstädten und Wohnvierteln an die Ränder der Stadt, da spielt sich ein echter Verdrängungswettbewerb ab“, sagte Schwannecke. „In gentrifizierten Quartieren verschwinden Bäcker, Fleischer, Schuster oder Änderungsschneider aus den Straßen, weil sie sich die Miete der Geschäftsräume nicht mehr leisten können.“ Kfz-Betreibe oder Tischlerwerkstätten müssten dem Wohnungsbau weichen. Es gebe auch zunehmend Nutzungskonflikte mit Nachbarn.

Meisterzwang muss bleiben

Firmen, die expandieren wollen, könnten dies oft nur am Stadtrand tun, sagte Schwannecke. Er verwies auf eine aktuelle ZDH-Umfrage unter 5000 Betrieben. Demnach plant fast jeder zehnte Betrieb, in den kommenden beiden Jahren seinen Standort zu wechseln. In den Innenstädten ist es fast jeder fünfte Betrieb.

Der ZDH rechnet damit, dass das Bundeskabinett im September einen Gesetzentwurf zur Verschärfung der Meisterpflicht im Handwerk beschließen wird. Die Neuregelung solle zum Jahreswechsel in Kraft treten, sagte Schwannecke. „Es wird eine punktuelle Reform geben, keine generelle Rolle rückwärts.“ Vor 15 Jahren hatte Rot-Grün den Meisterzwang in zahlreichen Gewerken gelockert.

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