Bei gutem Wetter nutzt Ramona Kurhan gerne ihren Vorgarten in Rechberghausen für Streicharbeiten. Foto: Ines Rudel

Aus Liebe zu alten Sachen verhilft die Schreinerin und Grafikdesignerin Ramona Kurhan alten Möbeln zu neuem Glanz – und baut Sonderanfertigungen.

Rechberghausen - Ihre Liebe zu alten Sachen hat Ramona Kurhan zum Beruf gemacht: Die Schreinerin aus Rechberghausen restauriert in ihrem Holz & Kunst Stüble Möbel und verhilft ihnen mithilfe von etwas Farbe und gewitzten Veränderungen zu einem neuen Auftritt: zum Beispiel beim Ostereiermarkt auf Schloss Filseck, bei dem Kunsthandwerker am kommenden Wochenende ihre Arbeiten feilbieten.

Frischekick per Farbanstrich

„Ich muss für den Markt noch einiges fertig machen“ erklärt Kurhan, während sie in ihrem Vorgarten ein Tischgestell weiß anstreicht. Vor ihrer Werkstatt in der Graf-Degenfeld-Straße 32 warten eine kleine Bank, ein Schränkchen und andere Kleinmöbel auf den Frischekick per Farbanstrich. „Weiß passt doch eigentlich immer, und ein helles Grau macht auch etwas her“, erläutert Kurhan ihre Farbauswahl.

„Ich mag auch die handwerkliche Qualität, die in den stabilen alten Stücken steckt, die sind fast für die Ewigkeit gebaut“, bekennt die Schreinerin, die aus alten Balken Tische und Bänke fertigt. Eigentlich sei es schade, dass für moderne Massenmöbel aus Pressspan Wäldern abgeholzt würden.

Shabby-Chic und Landleben

In ihrem kleinen Ausstellungsraum neben der Werkstatt finden sich eine rosafarbene Schminkkommode, ein mintfarbener Stuhl und ein zartgrünes Regal, das einmal eine Tür war. Die Schreinerin hat an das Türblatt mehrere Regalbretter aus Altholz geschraubt und im sogenannten Shabby-Chic-Stil behandelt, bei dem durch Anschleifen die verschiedenen Farbschichten teilweise sichtbar werden. So ähnlich habe sie schon vor Jahren bei einem Restaurator in Emmendingen gearbeitet. Inzwischen wird dieser Trend vor allem in Einrichtungszeitschriften und in Gastronomiebetrieben propagiert, die sich an der skandinavischen Lebensart rund um die Begriffe Hygge und Landleben orientieren. Passend zum Frühling und zu Ostern bevölkern Kurhans Räume nun mehrere Holzhasenfamilien. Sie sind je nach Größe per Dekupier- oder Stichsäge ausgesägt. Manche tragen eine Federboa um den Hals, anderen hat die Schreinerin ein rosa Röckchen aufgemalt.

Stationen bei der Kulissenmalerei und bei Ostheimer

Aufgewachsen im hohenlohischen Neuenstein, hat es Kurhan nach der Lehre zum Grafikstudium nach Freiburg gezogen. Weitere berufliche Stationen waren die Kulissenmalerei im Heilbronner Stadttheater und die Arbeit als Figurenmalerin bei Ostheimer Holzspielzeug in Zell am Aichelberg. Und im vergangenen Herbst hat die zweifache Mutter den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Märkte sind meine Leidenschaft, auch wenn ich vorher nie weiß, was von den Kunden nachgefragt wird.“ Deshalb verstaue sie jeweils eine breite Produktpalette in ihrem Kombi, wenn sie auf Tour gehe. Dazu gehören auch Stammabschnitte als Hocker und Beistelltisch sowie kleine Garderobenbretter mit Knäufen aus bemaltem Porzellan, wie man sie aus Südfrankreich kennt. Und Kurhan hat solche Knäufe auch auf die Deckel von Weckgläsern montiert, die sich für Küchenvorräte eignen.

Neben dem praktisch ausgerichteten Ideenreichtum blitzt auch Kurhan’scher Schalk auf: beispielsweise bei pastellfarben bemalten Spielzeugtieren aus Plastik, für die sie eine kleine Holzplattform auf Rädern zum Hinterherziehen gebaut hat.Auch ein altes Holzbett hat die Schreinerin kurzerhand verändert: Das mit Schnitzereien verzierte Betthaupt dient nun als Rückenlehne für eine Sitzbank, unter deren Sitzfläche sich ein großzügiger Stauraum verbirgt.

Ostereiermarkt

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