Exportautos von VW im Emdener Hafen Foto: dpa/Jörg Sarbach

Chinas Dominanz bei E-Autos ist mit Zöllen nicht zu brechen. Mit Handelsschranken schadet Europa sich selbst, schreibt Finanzkorrespondent Hannes Breustedt.

Europa steht in der Zollfrage zu chinesischen Elektroautos vor einem Dilemma. China spielt offenbar nicht fair, doch bei einem Handelskrieg kann die Europäische Union (EU) nur verlieren – das gilt umso mehr für ihre exportabhängige größte Volkswirtschaft Deutschland. Die Autoindustrie vor ungerechter Billigkonkurrenz aus Fernost zu schützen, ist ein guter Gedanke. Der Wirtschaftszweig beschäftigt rund 13 Millionen Menschen in Europa. Mit Strafzöllen schießt man sich jedoch ins eigene Knie.

 

Riesige Vorteile auch ohne unlautere Staatshilfen

Die unangenehme Wahrheit ist: Auch ohne unlautere Staatshilfen haben Chinas Hersteller bei Elektroautos fast unschlagbare Vorteile gegenüber vielen internationalen Autobauern. Die Arbeits-, Material- und Energiekosten in China sind viel niedriger, zudem hat das Land die Kontrolle über wichtige Batterierohstoffe. Die strukturelle Überlegenheit ist mittlerweile so groß, dass Chinas Dominanz bei E-Autos mit Zöllen kein Einhalt zu gebieten ist, ohne der eigenen Industrie einen noch größeren Schaden zuzufügen.

Wer sehen will, was die Abschottung heimischer Schlüsselindustrien durch Handelshemmnisse bewirkt, braucht sich nur den Niedergang der großen US-Autobauer anzuschauen. Als die Japaner in den 1980er Jahren Druck machten, sicherte die US-Politik General Motors, Ford und Chrysler mit protektionistischen Maßnahmen ab. Heute ist klar, dass man sich damit nur selbst ausgebremst hat. Was von den einstigen „Big Three“ noch übrig blieb, verdient fast nur noch auf dem zollgeschützten Heimatmarkt gutes Geld – und zwar mit monströsen Pick-up-Trucks, die international nicht wettbewerbsfähig sind. Nebenher leidet die Umwelt unter der Masse an schwergewichtigen Benzinschluckern und Abgasdreckschleudern.

Wenn keine Zölle, was dann?

Europa sollte das Beispiel zu denken geben. Aber wenn keine Zölle, was dann? Statt den Markt abzuschotten, könnte man die Kräfte bündeln – etwa mit einer europäischen E-Auto-Allianz nach dem Vorbild von Airbus, wie sie Renault-Chef Luca de Meo vor den Europawahlen erneut ins Gespräch brachte. Damit kann man Chinas Vormarsch bei E-Autos auch nicht aufhalten, ihm aber zumindest etwas entgegensetzen.